Sandra Achenbach (links) und Johanna Drews haben den Hofflohmarkt in Niederrad organisiert.
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Sandra Achenbach (links) und Johanna Drews haben den Hofflohmarkt in Niederrad organisiert.

Frankfurt

Flohmarkt bringt Frankfurter Nachbarn zusammen

Zwölf Hausgemeinschaften beteiligen sich an den Hofverkäufen in Niederrad.

Gerade wenn man trauere, sei es besonders schwer, sich von Dingen zu trennen, weil immer auch Erinnerungen daran hängen, sagt Tamara Zippel. Ein Flohmarkt könne dann „befreiend“ wirken, besonders, wenn beim Verkauf auch persönliche Geschichten weitergetragen werden. Zippel ist als Künstlerin Teil der Performance-Gruppe „Die Segel“, verkauft aber auch eigene Gemälde. Da sie den Haushalt ihrer kürzlich verstorbenen Eltern auflösen muss, sei der Hofflohmarkt in Niederrad „eine gute Gelegenheit, die Sachen nicht wegschmeißen zu müssen“.

Gerade habe sie zum Beispiel eine Rosenschale mit Goldrand von ihrer Oma weitergegeben, und die Käuferin habe versprochen, diese „in Ehren“ zu halten. Zippel wünsche sich „mehr Raum für Trauer in unserer Kultur“, die Verdrängung dieses Themas sei auch in der Corona-Zeit sehr deutlich geworden. Und Flohmärkte könnten gerade durch die Weitergabe von Erinnerungen einen Beitrag dazu leisten.

Beim Hofflohmarkt am Samstag werden durch den direkten Kontakt viele persönliche Gespräche geführt, nebenbei gibt es Waffeln, Kuchen und Eis. Die meisten loben, durch solche Aktionen auch die Nachbarschaft besser kennenzulernen. Zwölf Hausgemeinschaften rund um die Neuwiesenstraße in der Nähe des Stadtwalds verkaufen alles, was sie nicht mehr brauchen im jeweiligen Garten, im Hof oder der Garage.

Die Haushalte, die mitmachen, sind mit einem roten Luftballon markiert, dazwischen weisen Kreidepfeile den Weg zum nächsten Verkaufsort. Hauptsächlich gibt es Fahrräder, Bücher, Kleider und Kinderspielzeug, aber auch Geschirr und Deko. Alle laufen mit Masken und achten auf den Abstand.

Und die Kundinnen kommen nicht nur aus der Nachbarschaft, sondern aus ganz Frankfurt. So zum Beispiel Corinna und Laura aus Bockenheim und dem Dornbusch. Die beiden 35-Jährigen seien „wieder ein bisschen hungrig auf Flohmärkte“ gewesen. Eigentlich seien sie mit dem Fahrrad gekommen und könnten nur so viel kaufen, wie es Platz in den Taschen gibt. Aber da gerade ein Umzug anstand, haben sie einen Schreibtisch und einen Stuhl gefunden, der sogar ins neue Heim geliefert wird.

Zippels Nachbarin hat schon beim ersten Flohmarkt mitgemacht, der letztes Jahr stattfand. Dieses Jahr habe ihre Familie „wie so viele während Corona richtig ausgemistet“ – und das müsse nun weg. Auch, weil mehr Platz Zuhause benötigt werde, wenn man zum Beispiel im Home-Office arbeite. Außerdem seien wegen Corona so viele Flohmärkte ausgefallen, dass die Leute richtig danach „gierten“, mal wieder rauszukommen, Sachen zu kaufen und zu verkaufen.

Mitinitiatorin Johanna Drews bestätigt das. Dieses Jahr machten schon doppelt so viele Haushalte mit wie im letzten Jahr. Und auf der Liste, auf der sich eintragen kann, wer auch im nächsten Jahr mitmachen will, stehen schon wieder fünf weitere Interessierte. Drews freut sich, dass so viel Andrang herrscht, obwohl eigentlich hauptsächlich in Facebook-Gruppen und mit wenigen Flyern in Kitas und Schulen in der Umgebung geworben wurde. Einige kämen doch auch spontan vorbei. Aber anders als bei anderen Flohmärkten verteilten sich die Menschen eben gut, es gebe keinen großen Parkplatz oder Gedränge.

Und wie das bei Flohmärkten so ist, werden die eigenen Lagerbestände nicht nur geleert, sondern gleichzeitig auch wieder aufgefüllt mit dem, was man beim Verkauf nebenan so findet.

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