Hintergrund

Vom Flaggschiff zur Schließung: Die Geschichte von Karstadt und Kaufhof auf der Zeil

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Geschichte von Karstadt und Kaufhof auf der Frankfurter Zeil im Zeitraffer.

Das Kaufhaus Karstadt nahe der Frankfurter Konstablerwache schien noch vor wenigen Jahren auf dem Weg zu einem der besten Einkaufstempel Deutschlands zu sein. Es wurde in einem Atemzug mit dem KaDeWe in Berlin genannt. Nun soll das Haus mit seinen noch 450 Beschäftigten in diesem Herbst für immer geschlossen werden.

Kaufhof an der Hauptwache überlebt die Umstrukturierung seines Mutter-Konzerns zwar vorerst, aber auch hier kann die Zukunft der mehr als 300 Frauen und Männer, die dort arbeiten, keineswegs als gesichert gelten. Schließen soll die kleine Kaufhof-Filiale im Hessen-Center in Bergen-Enkheim mit etwa 50 Beschäftigten. Die Geschichte der großen Kaufhäuser an der Zeil spiegelt einen dramatischen gesellschaftlichen Wandel, der am Ende in einen Niedergang mündet.

Das Karstadt-Gelände an der Zeil ist seit mehr als 100 Jahren der Standort eines Kaufhauses. Grand Bazar hieß das erste Warenhaus, das dort 1903 eröffnete. 1914, vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, änderte sich der Name zu Kaufhaus Hansa. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, schluckte 1952 der Hertie-Konzern das wieder erstandene Verkaufs-Gebäude. 1965 gab es einen umfassenden Umbau. Es folgten mehrere solcher Häutungen. Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung arbeiteten mehr als 1000 Menschen in dem Gebäude.

Hertie vom Karstadt-Konzern übernommen

1994 wurde Hertie vom Karstadt-Konzern übernommen. Schon in den 90er Jahren stellten Fachleute zum ersten Mal die Frage, ob das Prinzip des Kaufhauses, nämlich die verschiedensten Waren unter einem Dach anzubieten, noch zukunftsfähig sei. Am 1. Oktober 2010 übernahm der Investor Nicolas Berggruen Karstadt. Es floss Geld für die Modernisierung, das allerdings aus dem laufenden Geschäft stammte. Die Karstadt-Mitarbeiter bundesweit verzichteten in einem Sanierungs-Tarifvertrag auf insgesamt 150 Millionen Euro.

In den Standort Frankfurt investierte der Konzern bis 2014 rund fünfzehn Millionen Euro. Man erneuerte die Fassade und gestaltete das Haus an der Zeil innen um. Unrentable Abteilungen wie etwa Multimedia wurden geschlossen.

In dieser Zeit galt Karstadt Frankfurt als „Flaggschiff“ des Unternehmens. Doch Berggruen reichte 2013 die Premium-Häuser an die österreichische Signa-Holding weiter. Am 14. Juli 2014 alarmierte der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fandel die Beschäftigten mit der Einschätzung, von 83 Häusern bundesweit seien nur noch zwanzig profitabel.

2018 Fusion von Karstadt und Kaufhof

2018 kam es zur Fusion von Karstadt mit dem Konkurrenten Kaufhof. Bis dahin war Kaufhof einen eigenen Weg gegangen. Das Kaufhaus in Frankfurt an der Hauptwache war im Jahr 1929 eröffnet worden. Es zählte damals 605 Beschäftigte und bot eine Verkaufsfläche von 8000 Quadratmetern. 1944 wurde das Gebäude im Zweiten Weltkrieg bei den schweren Bombenangriffen hart getroffen und brannte aus.

Kaufhof nahm in der Nachkriegszeit den Verkauf an der Hauptwache zunächst wieder provisorisch in Zelten auf. Erst 1957 eröffnete das Unternehmen ein neues Kaufhaus, das auf sechs Etagen die riesige Verkaufsfläche von 175 209 Quadratmetern bot. Nach und nach wurde der Standort an der Hauptwache erweitert und modernisiert. 1972 wurde auf dem Dach die „Leuchtzeitung“ angebracht, die Nachrichten aus aller Welt weithin sichtbar verbreitete. Mit dem weiteren Siegeszug des Fernsehens und mit der Energiekrise endete dieses Angebot schon 1981.

1989, also zum 60. Geburtstag des Kaufhof, eröffnete eine siebte Etage. 1992 schuf man eine Verbindung zum benachbarten Einkaufszentrum Les Facettes. Im Jahre 1995 arbeiteten 1000 Menschen im Haus, man war stolz, 50 Auszubildende zu beschäftigen. Später wurde die riesige Lebensmittelabteilung in einer eigenen Gesellschaft ausgegliedert.

Im zurückliegenden Jahrzehnt öffnete sich der Kaufhof stark für Einkaufstouristen aus China und Japan, es gibt Hinweisschilder in diesen Sprachen und sprachkundiges Personal. Diese Entwicklung könnte das Kaufhaus jetzt vor der Schließung bewahrt haben.

Zusammengestellt von Claus-Jürgen Göpfert

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