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Flag Football in Frankfurt: Mit der Flagge zum Touchdown

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Von: Timur Tinç

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Bereit den Angriff aufzuhalten: Das Team in den orangenen Leibchen, um Headcoach Nathan Clark (rechts) macht sich in der Verteidigung bereit.
Bereit den Angriff aufzuhalten: Das Team in den orangenen Leibchen, um Headcoach Nathan Clark (rechts) macht sich in der Verteidigung bereit. © Peter Jülich

Flag-Football ist die körperlose Variante des American Footballs. Das Team der Frankfurt Universe hofft durch die NFL-Spiele auf einen Schub für ihre Sportart und kann sich in Zukunfts Schul-AGs vorstellen.

Aus den Lautsprechern läuten die Schlagzeugklänge des Rockklassikers „We’re not gonna take it“ von Twisted Sister die heiße Phase des Trainings des Flag-Football-Teams der Frankfurt Universe ein. Nach den Aufwärmübungen ist es am Montagabend in der Turnhalle der Panoramaschule in Nied Zeit für das Spiel. Vier gegen vier, Offensive gegen Defensive. Die Angreifer um Andreas Doleschal besprechen ihren ersten Spielzug, die Defensive um Headcoach Nathan Clark wartet in orangen Leibchen auf den ersten Pass mit dem eiförmigen Spielgerät auf ihre Seite des Felds.

„Down, set, hut“, und der Football landet in den Händen von Doleschal. Seine Mitspieler stürmen nach vorne, wollen den Pass empfangen. Doleschal zielt, findet einen Mitspieler, aber da steht auch schon Verteidigerin Denise Löwenstein und zieht ihrem Gegenüber mit dem Ball in der Hand die Flagge vom Gürtel. Der Spielzug ist beendet, die Offensivleute müssen sich etwas Neues einfallen lassen, um einen Touchdown zu erzielen.

Flag Football ist die körperlose Variante des American Footballs. Statt den Gegenspieler umzuwerfen, muss eine der beiden Flaggen, die alle Spielerinnen und Spieler um die Hüfte tragen, abgerissen werden. Gespielt wird meistens fünf gegen fünf statt elf gegen elf wie beim American Football. Ansonsten ist das Prinzip das gleiche: den Football in die Endzone des Gegners bringen, um zu punkten. „Unsere Hauptsaison ist von April bis September“, erklärt Clark. An den Turnierspieltagen kommen in der Regel bis zu acht Teams zusammen und spielen an einem Tag den Sieger aus. Vor Corona gab es auch Hallenturniere, die sind aufgrund der Pandemie derzeit auf Eis gelegt.

FOOTBALL

American Football wird elf gegen elf gespielt. In der National Football League (NFL) dauert ein Spiel 60 Minuten und ist in vier Vierteln mit je 15 Minuten unterteilt. Das Spielfeld ist 100 Yards (rund 91 Meter lang). Ziel des angreifenen Teams ist es, in vier Spielzügen (Downs) zehn Yards zu überwinden, da sie sonst den Ballbesitz verliert. Das gegnerische Team muss versuchen, den Ball zu erobern oder den Angreifer zu stoppen. Erreicht das Team die Endzone – den Bereich am Ende der gegnerischen Spielhälfte –, dann hat es einen Touchdown geschafft. Für diesen gibt es sechs Punkte. Ein Extrapunkt ist möglich wenn der „Kicker“ im Anschluss daran das Ei über den Querbalken der Torstange befördert. Drei Punkte gibt es für ein „Field Goal“ wenn der Kicker nach einem Down über die Torstangen kickt.

Flag Football ist die körperlose Variante des American Footballs und leitet sich von den Flaggen am Gürtel ab. Werden diese vom Gegner abgerissen, wird das Spiel an der Stelle gestoppt. Es dürfen nur die Flaggen des Ballträgers gezogen werden. Es gibt maximal acht Versuche – vier Versuche bis zur Mittellinie und anschließend vier Versuche den Football bis in die Endzone zu tragen. Seit 2016 gibt es eine 5er Deutsche Flag-Football-Liga. Es gibt in den Landesverbänden auch noch die 7er und 9er-Varianten. tim

„Das Schöne an der Sportart ist, du musst nur den Ball fangen, ein bisschen rumtanzen und dem Gegner ausweichen“, sagt Clark schmunzelnd. „Jeder kann integriert werden.“ Frauen und Männer spielen zusammen. Die „purple flags“ haben einen Pool von 20 angemeldeten Spielern und einer Spielerin. Sie sind zwischen 20 und 47 Jahre alt. „Ich bin der Älteste“, sagt Clark. Zweimal in der Woche wird trainiert, montags in Nied, mittwochs in der Turnhalle der Schule am Mainbogen in Fechenheim. Das Team gab es schon vor der Gründung des AFC Frankfurt Universe. Die Flag Footballer haben sich aus einer Fangemeinde heraus gegründet, ehe sie in den Verein integriert wurden. Clark ist seit 2007 dabei, als er auf der Suche nach einer neuen Sportart für seinen Sohn war.

Steigendes Niveau

„In Deutschland ist Flag Football die Randsportart einer Randsportart“, sagt Clark lachend. Auch im Verein sei es manchmal schwierig gewesen, einen richtigen Footballer von Flag Football zu begeistern. Der US-Amerikaner hat in den vergangenen Jahren bei den Powerpartys der Universe vor den Ligaspielen immer Werbung für seine Sportart gemacht. So ist auch Andreas Doleschal darauf aufmerksam geworden. „Ich bin mit meinem Bruder immer zu Spielen gegangen und habe dann Flag Football für mich entdeckt“, sagt der 29-Jährige. Er und Clark tüfteln die Spielzüge für das Team aus. Ihm gefällt besonders, dass man sich nicht verletzt. Ansonsten sind Fähigkeiten wie Übersicht, Sprints und Beweglichkeit genauso wie beim American Football gefragt. „Das Niveau ist in den vergangenen Jahren gestiegen“, hat Doleschal beobachtet. Es gibt mehr Mannschaften.

In Frankfurt gibt es noch die TG Bornheim, die ein Seniorenteam haben. Die Frankfurt Pirates haben drei Jugendteams. Die meisten Mannschaften gibt es jedoch in der Region Wiesbaden und Darmstadt. Die stärksten Teams sind die Kelkheim Lizards und die Walldorf Wanderers, die auch viele Nationalspieler stellen. Durch die Vergabe von zwei NFL-Spielen nach Frankfurt in den Jahren 2023 und 2025 erwartet Clark mehr Aufmerksamkeit für Football insgesamt. Er kommt aus Kansas City und hofft, dass die Chiefs um Quarterback-Superstar Patrick Mahomes nach Frankfurt kommen. Eines der fünf Teams aus der National Football League (NFL), das für die Spiele in Deutschland – die anderen beiden Partien sind in München – infrage kommt.

Welche konkreten Förderungen es von der Stadt Frankfurt für die Flag Footballer geben soll, weiß Clark noch nicht. Er würde gerne Schul-AGs anbieten, um mehr Kinder in den Kontakt mit seinem Sport zu bekommen. In der Vergangenheit war das aus unterschiedlichen Gründen gescheitert. Mit dem Schub durch die NFL-Spiele und mit der Unterstützung der Stadt könnte nun ein neuer Versuch gestartet werden.

Eine der Übungseinheiten: Die Flaggen vom Gürtel abziehen.
Eine der Übungseinheiten: Die Flaggen vom Gürtel abziehen. © Peter Jülich
Die Flagge am Gürtel eines jeden Spielers oder Spielerin.
Die Flagge am Gürtel eines jeden Spielers oder Spielerin. © Peter Jülich
Guter Fang: Ballkontrolle ist das A und O.
Guter Fang: Ballkontrolle ist das A und O. © Peter Jülich

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