Fitnessstudios

Angst um die Existenz

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Die finanzielle Verluste sind infolge von Kündigungen, Austritten und Einfrierung von Verträgen während des Lockdowns kaum aufzufangen. Betreiber fürchten um ihre Existenz.

Abedin Paci hat eine ganz konkrete Befürchtung: „Sollte der Lockdown um einen weiteren Monat verlängert werden, bricht bei mir das ganze Kartenhaus zusammen“, sagt der Inhaber dreier sogenannter Crossfitboxen. Bei Crossfit werden verschiedene Fitnessdisziplinen in Kleingruppen gemacht. Erst im August hatte Paci in der Hanauer Landstraße seine dritte Box eröffnet, jetzt bangt der 35-Jährige wegen der Coronavirus-Pandemie um seine Existenz. Den ersten Lockdown habe er einigermaßen überstanden, jetzt hätten die meisten der 250 Mitglieder ihre Verträge eingefroren, einige sogar gekündigt, weil die Mitgliedschaft mit rund 110 Euro im Monat auch nicht ganz billig ist.

Nach dem Ende des ersten Lockdowns im Mai hat Paci in seinen Einrichtungen Zonen aufgebaut und für jede Station Desinfektionsflaschen mit Tüchern bereitgestellt. „Wir haben uns den Arsch aufgerissen und kriegen trotzdem die Klatsche“, ärgert er sich. Den Frust verspüren viele Betreiber von Fitnessstudios in ganz Deutschland. Einige seien sogar bereit zu klagen, berichtet Birgit Schwarze, Präsidentin des DSSV-Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen. „Die deutschen Unternehmen hatten nicht die Chance, die Folgekosten des ersten Lockdowns über den mäßigen Sommer wieder reinzuholen, und dann kommt schon der nächste. Einen Monat geschlossen zu haben, kostet uns ein Jahr, um den Schaden wiedergutzumachen“, sagte Schwarze der „Zeit“. Die rund 9300 Fitnessanlagen erwirtschaften rund 5,3 Milliarden Euro und haben um die elf Millionen Mitglieder.

3500 Mitglieder hat Opti-Mum, das sich auf vier Standorte in Bad-Nauheim, Rosbach und Oberursel verteilt. „Wir haben schon sieben Prozent unserer Mitglieder verloren“, klagt Anja Gubitzer. „Bei einem monatlichen Verlust von 10 0000 Euro, die nicht kompensiert werden können, summiert sich das in zwölf Monaten auf 120 000.“ Das bedeutet für sie, dass sie ihre 27 Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken muss. Sollte der Lockdown weitergehen, muss sie auch Entlassungen oder eine Standortschließung in Betracht ziehen.

Besonders bitter sei die Schließung für die Menschen im gesundheitsorientierten Bereich. „In Friedberg trainiert eine 80 Jahre alte Dame, die kurz davor stand, einen Rollator nutzen zu müssen“, erzählt Gubitzer. „Nach drei Monaten war sie so weit, sogar streckenweise ohne Stock laufen zu können. Durch die Schließung wird ihr ganzer Erfolg zunichtegemacht.“

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