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Fitnessstudios in Corona-Krise
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Betreiber von Fitnessstudios fürchten eine riesige Pleitewelle. (Archivfoto)

Corona-Lockerungen in Hessen

„Öffnungen eine Vollkatastrophe“: Fitnessstudio-Betreiber fürchten riesige Pleitewelle

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Die Kundschaft freut sich über das Öffnen der Fitnessstudios in Hessen. Viele Betreiber sorgen sich jedoch über wirtschaftliche Folgen des Lockdowns.

  • In Frankfurt und ganz Hessen sind die Fitnessstudios trotz Corona-Pandemie wieder offen.
  • Viele Kund:innen freuen sich über die Öffnung nach dem Lockdown.
  • Die Betreiber der Fitnesstudios klagen währenddessen über finanzielle Einbußen.

Frankfurt – Petra Römer hat sich ein Handtuch über die Schultern gelegt und schnauft erst mal durch. „Das war eine krasse Erfahrung. Das war schon anstrengend nach der langen Zeit“, sagt Römer, die im Fitnessstudio der TG Bornheim am Montag das allererste Mal seit November wieder auf das Ergometer gestiegen ist. „Ich bin nicht die, die im Winter joggen geht, und habe auf null runtergefahren“, erzählt sie.

Seit gestern sind in Hessen die Fitnessstudios wieder geöffnet. Als einziges Bundesland neben Schleswig-Holstein. Pro 40 Quadratmeter ist eine Person erlaubt, der Abstand muss drei Meter betragen. Duschen und Umkleiden sind geschlossen, und das Training darf vorerst maximal eine Stunde betragen, Kurse und Personaltraining sind nicht gestattet. Aber das ist den meisten egal, sie wollen nach Monaten des Wartens wieder Gewichte stemmen oder auf den Cardiogeräten auspowern. Am Abend standen die Menschen in der Innenstadt vor den stündlichen Wechseln Schlange vor ihre Studios.

Öffnungen der Fitnesstudios nach Lockdown: Gemischte Reaktionen in Frankfurt

„Schon um 7 Uhr waren 15 Leute da“, berichtet Thomas Völker, Geschäftsleiter der TG Bornheim. Er hätte sich gewünscht, dass er die Turnhalle auch wieder für zehn bis 15 Kinder oder Senioren pro Einheit öffnen kann. „Bei der Stuhlgymnastik haben wir viele Menschen bei uns, die bereits geimpft sind, aber wir dürfen es trotzdem nicht anbieten“, sagt Völker.

Petra Römer strampelt auf dem Ergometer im Fitnessstudio der TG Bornheim.

Widersprüchlich findet Rainer Schaller auch das Handeln der hessischen Landesregierung. Der Gründer und Geschäftsführer von McFit hat am Donnerstag noch ein Schreiben vom Wiesbadener Ordnungsamt bekommen, dass die Outdoor-Gyms geschlossen bleiben müssen. „Gleichzeitig bekommen wir die Nachricht, dass wir am Montag innen aufmachen können. Da müsste die Politik eine klare Linie fahren“, fordert Schaller. Sein Unternehmen hat die Software schon vor Monaten angepasst, um Zeitslots zu vergeben, damit keine Warteschlangen entstehen.

„Kaufmännische Vollkatastrophe“: Frankfurter Fitnesstudio-Betreiber über den Lockdown

Ratlos ist Hardy Schneider, Gründer und Geschäftsführer von Pure Training. Einen Tag vor der frohen Botschaft hatte die Landesregierung einen ganz anderen Stufenplan vorgelegt. Dort war die Öffnung der Fitnessstudios frühestens am 5. April vorgesehen. Und aktuell steigt die Sieben-Tages-Inzidenz täglich leicht an. „Eigentlich haben sie damit bewiesen, dass der Lockdown unnütz ist, weil wir auch so aufmachen können und es keine Auswirkungen auf Inzidenzzahlen hat“, ärgert sich Schneider, der drei Studios in Frankfurt und eines in Offenbach hat.

Die jetzige Öffnung sei eine „kaufmännische Vollkatastrophe“. Das Neukundengeschäft sei gleich null, da nur eine beschränkte Zahl von Kundinnen und Kunden rein dürfe. Die 250 000 Euro an Hilfen, die angekommen sind, seien nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein bei insgesamt 800 000 Euro an Schulden, die aufgelaufen seien. Der größte Posten seien dabei die Mietschulden. „Die Vermieter wollen weiterhin die volle Miete haben“, sagt Schneider kopfschüttelnd, der einen Mitgliederschwund von 40 Prozent seit Pandemiebeginn beklagt.

Frankfurter Fitnessstudios und der Lockdown: Mieten sind das Problem

Fast die Hälfte der Mitglieder hat Amiga-Frauenfitness verloren. „Die Resonanz auf die Öffnung bei uns ist sehr verhalten“, sagt Geschäftsführer Jörg Hidding, der zwei Studios betreibt. „Wenn die staatlichen Hilfen im Juli auslaufen, stehen wir vor einem Scherbenhaufen.“ Für ihn gibt es drei Möglichkeiten: Entweder er macht weiter, beantragt die Insolvenz oder gibt die Clubs an einen kapitalstärkeren Betreiber ab. Abhängig unter anderem vom Entgegenkommen der Vermieter. „Wir werden auch nach der Pandemie nicht in der Lage sein, die vollen Mieten zu bezahlen“, klagt Hidding. Es müsste gestaffelte Mieten geben, abhängig vom Umsatz.

Mehr Glück mit seinen Vermietern hat Primetime-Fitness. „Wir haben meistens institutionell Fonds, wie die Hessische Landesbank oder Maintower“, sagt Geschäftsführer Henrik Gockel. Auch der Mitglieder-Rückgang halte sich mit einem Minus von 18 Prozent im Rahmen. „Für uns ist es ein gutes Zeichen, dass wir öffnen können, weil viele Mitglieder befürchtet haben, dass wir noch ewig zubleiben müssen“, erzählt Gockel, der sechs Studios in Frankfurt hat. „Im Moment ist das finanziell für uns machbar.“

Folgen des Lockdowns: Riesige Pleitewelle befürchtet

Nicht mehr machbar ist es für Mainhattan Sports. Das Studio im Westend hat seine Türen nach 32 Jahren für immer geschlossen. McFit-Chef Schaller befürchtet in den kommenden Monaten eine riesige Pleitewelle. Sein Konzern, die RSG Group, hat lediglich 50 000 Euro an finanziellen Hilfen vom Staat bekommen. „Im Monat haben wir einen zweistelligen Millionenbetrag, der uns fehlt“, berichtet Schaller, dessen Unternehmen in mehr als 20 Ländern Fitnessstudios betreibt. In Deutschland sind es 202, elf in Hessen.

„Es gab sehr viele Kunden, die uns unterstützen und den Monatsbeitrag weiterbezahlen, damit wir nach dem Lockdown noch ein Studio haben“, erzählt Schaller. So sei die Liquidität vorerst sichergestellt, aber die ausgebliebenen Leistungen müssen natürlich auf die Laufzeit angerechnet werden. Er hat einen offenen Brief an die Bundesregierung sowie die Ministerpräsident:innen geschrieben, um in den Dialog zu treten. „Das ist bislang nicht geschehen und das ist enttäuschend.“ (Timur Tinç)

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