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Fitnessstudio: Es fehlt die Kalkulationsbasis

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Von: Timur Tinç

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Henrik Gockel, Geschäftsführer von Primetime-Fitness in Frankfurt in seinem Fitnessstudio im Maintower.
Henrik Gockel, Geschäftsführer von Primetime-Fitness in Frankfurt in seinem Fitnessstudio im Maintower. © Primetime-Fitness

Primetime-Fitness-Geschäftsführer Henrik Gockel wünscht sich einen Energiepreisdeckel und muss die Beiträge auch für treue Mitglieder erhöhen.

Früher hat Henrik Gockel nie interessiert, welche Energieträger in seinen Fitnessstudios verwendet werden. Vor einigen Wochen hat sich der Gründer und Geschäftsführer von Primetime-Fitness aufgrund der Energiekrise Gedanken gemacht und Informationen eingeholt. „Ein Haus läuft mit Geothermie. Dann haben wir relativ viel Fernwärme, wo ein Drittel Gas drin ist, und einige, wo Gas der primäre Energieträger ist“, berichtet Gockel. Die entscheidende Frage, um wie viel die Abschlagszahlungen steigen werden, weiß er nicht. „Alle halten sich bedeckt“, sagt er. Ende des Jahres werde es schon einige Steigerungen geben, aber eine Verfünffachung der Strompreise, wie es zum Teil zu hören sei, wären ein riesiges Problem.

„In unseren 13 Clubs haben wir 200 000 Euro Stromkosten“, sagt Gockel. Bei einer Verfünffachung wäre er schnell bei einer Million Euro. Bei rund 13 000 Mitgliedern wären das knapp sieben Euro mehr, die er von ihnen verlangen müsste, um diese Kosten zu tragen. „Wir sind mit den Mitgliedern in Kontakt und haben bislang keine Preiserhöhungen gemacht“, betont Gockel. Kürzlich hat er sich jedoch an die langjährigen Mitglieder gewandt, die seit der Gründung vor zwölf Jahren nie einen Euro mehr zahlen mussten. „Das können wir aber nicht mehr halten“, sagt der Unternehmer. Im Schnitt um fünf Euro werden sich die Beiträge erhöhen. „Im Premiumsegment, wo wir uns befinden, ist Verständnis da“, so Gockel. Die Mitgliedsbeiträge für Primetime-Fitness betragen 59 Euro und mehr.

Branche ist pessimistisch

Gleichzeitig merkt er auch, dass die hohe Inflation bei seinen Mitarbeitenden zu mehr Nachfragen nach Gehaltserhöhungen führe. Hinzu komme die Indizierung bei den Mietpreisen, wodurch sich die Mieten jährlich erhöhen. „Das Energiethema ist aber nochmal eine ganz andere Nummer“, sagt Gockel. Er hofft deshalb auf einen Energiepreisdeckel, damit er eine Kalkulationsbasis habe. „Wenn wir die Preise wegen der Energie um zehn Euro erhöhen müssen, kann ich auch nicht sagen, was passiert.“

Er weiß aber auch, dass andere in der Branche mehr Schwierigkeiten haben. Vor allem diejenigen, die Wellness-Angebote wie Saunen haben. Bei Neueröffnungen gibt es mittlerweile einige Anbieter, die eine halbjährliche Energiepauschale einpreisen. Die Coronavirus-Pandemie hat in Frankfurt das Mainhattan-Fitness und Pure Training sowie einige kleinere Studios in die Insolvenz getrieben. Kürzlich gab es unter allen Fitnessstudiobetreiber:innen eine Umfrage, wobei 60 Prozent angaben, dass sie eher eine schwierige Zukunft vor sich sehen. Der DSSV – der Arbeitgeberverband für Fitness- und Gesundheitsanlagen – bietet allen Mitgliedern derzeit eine Energieberatung an. Immerhin konnten im ersten Halbjahr des Jahres 2022 laut dem DSSV wieder 280 000 Mitglieder zurückgewonnen werden. Insgesamt sind 9,5 Millionen Menschen Mitglied in einem Fitnessstudio.

„Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Training wichtig für die Gesundheit ist“, erläutert Gockel. Er hat auch festgestellt, dass die Mitglieder in den vergangenen Wochen die Studios – sechs Mal Primetime-Fitness gibt es in Frankfurt – intensiver nutzen. Wenn es jetzt Menschen gäbe, die das Studio nur nutzen, um zu duschen und um zu Hause Energie zu sparen, „wäre das fein für uns“, sagt Gockel und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir haben wahrscheinlich die effizientere und modernere Anlage als jemand zu Hause. Vielleicht wäre das ja ein Beitrag zum Energiesparen.“

Wichtig ist für Gockel, dass es wie schon bei Corona einen Zusammenhalt gibt, dass vernünftig kommuniziert wird und gute Lösungen für alle gefunden werden.

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