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Vereinschef Jürgen Heuring am ehemaligen Tillybad.

Frankfurt-Schwanheim

Fischen im ehemaligen Freibad

Die Angelsportgemeinschaft Frankfurt–Schwanheim kämpft mit Nachwuchssorgen. Für den Verein war es ein Glücksfall, das ehemalige Tillybad als Vereinsgewässer nutzen zu können.

Von Ferdinand Sander

Wo einst Kinder im Wasser planschten, sprießen heute Röhricht und Wasserlilien. Hechte und Rotaugen schwimmen dort, wo bis 1994 nicht nur viele Höchster im Sommer Abkühlung gesucht haben: im ehemaligen Tillybad. Die Fische sind freilich nicht von allein ins Schwimmbecken gekommen, sondern von den Mitgliedern der Angelsportgemeinschaft Frankfurt–Schwanheim dort ausgesetzt worden. Seit Herbst 2002 nutzen die Mitglieder die alte Schwimmanlage als Vereinsgewässer.

Schwanheim ist weit weg. Dort, in der Nähe der Schwanheimer Dünen, lag der alte Vereins-Teich. Eine ehemalige Kiesgrube, die 2000 zugeschüttet werden musste, als die Leuna-Brücke ans Straßennetz angeschlossen wurde. „Wir wollten die Fische mitnehmen“, sagt der Vorsitzende der Anglergemeinschaft, Jürgen Heuring. Aber man habe keine Netze durch die Kiesgrube ziehen können. „Da war nichts zu machen.“

Mit dem Ende des Teichs bricht eine schwere Zeit für die Angler an. Zwei Jahre lang hatte er kein eigenes Gewässer. Von 80 Mitgliedern seien gerade mal 35 geblieben. Es sei ein Glücksfall gewesen, das ehemalige Höchster Freibad pachten zu können, sagt Heuring, der seit 1991 Vereinsmitglied ist. Rund 2000 Arbeitsstunden haben die Angler aufgebracht, um den gemauerten Beckenrand mit Erde anzufüllen, ihn mit Wasserminze, Schilf und Igelkolben zu bepflanzen. Und das Gelände von wuchernden Brombeeren zu befreien. Im weiß gekachelten Fußwaschbecken steht heute ein Grill. Daneben sind Bänke aufgestellt. Auf dem Wasserfilter nistet ein Teichhuhn, unweit des verwaisten Bademeisterhäuschens. Am anderen Ende des alten Schwimmbeckens lauert ein Fischreiher.

Fische vermehren sich prächtig

„Für Frankfurter Verhältnisse sind wir ein recht kleiner Verein“, findet Heuring. Dafür sei er familiär. Michael Beul bestätigt das. Er ist seit fünf Jahren im Anglerverein. Jedes Mitglied habe einen Schlüssel zum Gelände und „kann kommen nach Lust und Laune“. Das könne auch mal nach einer Nachtschicht sein, sagt Beul. Nachwuchs bekomme der Verein dennoch kaum. 62 Mitglieder zählt Heuring, die meisten sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. Jugendliche ließen sich nur schwer begeistern. Immerhin kämen einige, die die Angelrute als Jugendliche ablegen, zurück, wenn sie 30 Jahre alt würden. „Dann wisse sie die Ruhe beim Angeln wieder zu schätzen“, sagt Heuring. Oft ginge es gar nicht darum, Fische zu fangen. „Ab und zu sitze ich stundenlang einfach hier und entspanne.“

Im Gegensatz von Jung-Anglern vermehrten sich die Fische prächtig im alten Schwimmbecken. Das Wasser sei zwischen einem halben Meter und 2,5 Metern tief. Im Sommer werde es also sehr warm, sagt Heuring. Gute Bedingungen für Karpfen, die zum Ablaichen eine Temperatur von etwa 26 Grad brauchten. Wie viele von ihnen sich neben Schleien und Rotfedern tummeln, das könne man beim besten Willen nicht sagen.

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