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Stadtguide Sascha Mahl präsentiert die Geheimtipps des Griesheimer Einzelhandels.

Einzelhandel in Griesheim

Der Fisch ist frisch, der Bacon-Burger halal

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Im Süden des Frankfurter Stadtteils Griesheim gibt es einige besondere Geschäfte entdecken. Der Einzelhandel kann sich aber nur noch schwer im Wohngebiet halten.

Rewe, Netto, Penny, alles fußläufig zu erreichen. Doch wer im Griesheimer Süden richtig einkaufen möchte, sollte einen Stadtführer mitnehmen. Sascha Mahl ist so ein Ortskenner. Er nimmt Besucher mit zu den Perlen und lässt die Ketten und dubiosen Läden links liegen.

Sicheren Schrittes führt der Guide zum Fischhaus Prinz an der Hartmannsweilerstraße 77. „Das ist eines von nur noch fünf Fischgeschäften in Frankfurt, die nicht zur Nordsee-Kette gehören“, sagt Mahl. „Die haben uns noch nicht gefragt“, sagt Markus Prinz trocken. Dann grinst er. „Aber wir sind auch zu weit draußen.“ Prinz hat den Betrieb gerade vom Vater übernommen. Seine Ware bezieht der Fischhändler aus Island und Holland, die Nähe zum Flughafen macht’s möglich. Der Lieferant sei sehr zuverlässig, die Ware frisch.

Ein Erweckungserlebnis sei sein erster Besuch gewesen, erzählt Kunde Markus Heumann. Eigentlich mochte er keinen Fisch. „Ich kannte aber auch keinen frischen.“ In Prinzens Laden hat er sich nur gewagt, weil er schrecklichen Hunger hatte. 16 Jahre ist das her. Seitdem ist er Stammkunde. Und Heumann ist nicht der einzige Fan. Kollegen aus dem Werk Höchst würden mittags Fahrdienste nach Griesheim organisieren.

Der Einzelhandel im Stadtteil hat sich stark gewandelt, wie überall eigentlich, sagt Mahl. Noch zur Gründerzeit waren Läden überall im Wohngebiet zu finden. Die Geschäftsräume beherbergen heutzutage Wohnungen. Wer genau hinschaut, sieht die zugemauerten Schaufenster noch. Sieben Metzger hat es in Griesheim gegeben. Die Supermärkte haben sie verdrängt. Fachgeschäfte erliegen der Konkurrenz des Internets und der Großmärkte am Stadtrand.

Das Griesheim-Center an der Mainzer Landstraße etwa. Spötter sagen, dort könne nur einkaufen, wer ein Auto oder einen Hubschrauber hat. Was natürlich Quatsch ist. Auch die Tram erschließt das Center. Die Menschen aus dem Norden Griesheims kaufen dort gerne ein. Selbst die Zeilsheimer schwören auf das umfassende Angebot. Aber wer im Süden wohnt und kein Auto hat, wagt sich eher selten hin. „Es dauert einfach zu lange mit dem Bus“, sagt der autolose Mahl. Außerdem habe er alles, was er brauche im Süden.

Zum Beispiel das gute Backwerk der Familie Müller – eine von nur noch zwölf Bäckereien in Frankfurt, die nicht zu einer Kette gehören, wie Mahl sagt. Und: „Die bräunen die Brötchen nicht, sie backen sie selber.“ Mark Müller steht dafür um 4 Uhr morgens auf, er ist die fünfte Generation im Familienbetrieb. Sein Vater ist zwar offiziell im Ruhestand, hilft aber immer noch mit. Auch hinter dem Verkaufstresen stehen Familienmitglieder, die Damen des Hauses.

Kurioses gibt es auch zu entdecken. Kaden-Yachting an der Hausnummer 30 von Alt-Griesheim verkauft seit 40 Jahren Bootszubehör. Nicht nur im Sommer, wenn die Bootsstege am Main gut gefüllt sind. Kaden ist auch im Winter recht erfolgreich – im Versandhandel. Ihre Post bringen die Griesheimer ins Sanitärfachgeschäft an der Alten Falterstraße 24. Das betreiben zwei junge Männer „mit viel Humor“, sagt Mahl. Den braucht man auch, wenn man ständig zwischen Postvorgang und Duschvorhang pendelt.

Solche Mühe braucht sich Andrea Scinetti gar nicht machen. Seine Kunden lächeln automatisch, wenn sie seiner Produkte habhaft werden. Scinetti betreibt mit einem Kompagnon das Eiscafé Dolomiti an der Linkstraße 40. Ein wichtiger Treffpunkt im Stadtteil. „Das einzige richtige Café zum reinsetzen“, sagt Mahl. Sein Eis bereitet Scinetti selbst zu, nach altem Rezept seines Meisters. Gelernt hat er in Schwanheim. Seit 20 Jahren ist er in Griesheim tätig.

Auf eine ähnliche Erfolgsgeschichte hofft Adil Alouahabi, bislang ist er auf Kurs. Vor einem Jahr hat er mit seinem Schwager den Imbiss „Burguette“ an der Alten Falterstraße 23 A eröffnet. Es gibt Hamburger und Baguette. Halal, also auch für Moslems genießbar. „Wir haben eigentlich nur einen Halal-Burger gesucht“, erzählt der 36-Jährige. Als sie keinen fanden, haben sie ihn kurzerhand selbst kreiert.

Bei Burguette ist selbst der Bacon-Burger halal, der Speck kommt nicht vom Schwein, sondern von der Pute. Der Imbiss läuft so gut, dass die beiden jüngst eine Filiale auf der B-Ebene der Hauptwache eröffnet haben. „Sie sind der Lokalstolz der Griesheimer“, sagt Mahl.

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