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Guter Schwimmer, guter Nager. Der Biber in seinem Element – und ein mit bloßen Zähnen gefällter Baum am Nordpark in Bonames.
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Guter Schwimmer, guter Nager. Der Biber in seinem Element – und ein mit bloßen Zähnen gefällter Baum am Nordpark in Bonames.

Stadtnatur

Firma Biber expandiert in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Der Nager geht für seine Baumfällarbeiten neuerdings an den Eschbach. Ihm gefällt es längst auch an Main und Nidda.

Die Indizien sind eindeutig: Biber im Frankfurter Norden nagen nicht mehr nur an den Nidda-Bäumen – auch auf den Eschbach haben sie ihr Holzfällergewerbe inzwischen ausgeweitet. Jüngst veröffentlichte die Harheimer Storch- und Biberbeobachterin Yukiko Kaneko Beweisbilder auf Twitter, die der Fotograf Mathias Renneberg in der Nähe des Jägerstegs aufgenommen hat. Wenn da nicht Rübezahl seinen neuen Riesenspitzer an den Bäumen ausprobiert hat, dann war das ganz klar der Biber.

„Das stimmt“, sagt Manfred Sattler, Biberbeauftragter der Oberen Naturschutzbehörde, der die Tiere und ihre nachhaltigen Bauprojekte regelmäßig besucht und grandiose Fotos von ihnen macht. „Seit dem vorigen Jahr sind Biber auch am Eschbach zugange.“

Baumrinde braucht der Biber jetzt als wichtige Nahrungsgrundlage. Auch deshalb ist er Holzfäller. Sein breiter Schwanz, die Biberkelle, unterscheidet ihn klar von Nutrias.

Nicht, dass sie nur im Norden nagten. Um die 15 Bibervorkommen zählt Sattler mittlerweile in Frankfurt. Reviere gibt es längst auch am Main, unter anderem beim Licht- und Luftbad, am Osthafen und an der Gerbermühle. An den Stadtgrenzen nach Offenbach und Bad Vilbel haben sich noch mehr Biber niedergelassen.

Dass die Zahnchampions auch mal einen Ausflug in die Frankfurter Innenstadt machen - und zwar ziemlich entspannt -, zeigt ein Polizeivideo aus dem vergangenen Frühjahr. Da fingen die Ordnungshüter vom 5. Polizeirevier einen Biber ein, der sich im Anlagenring ein wenig umsah, und setzten ihn abends am Mainufer wieder aus. Das Tier spaziert in dem Film mit größtmöglicher Gelassenheit von dannen, während ein beseelter Polizist ihm „Freiheit!“ hinterherruft.

„Die gehen ihren Weg“, sagt Sattler. Einst fast bis zum Aussterben gejagt und sogar von der katholischen Kirche zu Fischen erklärt, was dazu führte, dass sie in der Fastenzeit von Gläubigen verzehrt werden durften, sind Biber heute streng geschützt. Das haben sie schriftlich, drum kehrten sie nach fast 400 Jahren Exil nach Hessen zurück und bewegen sich wieder selbstbewusst an unseren Flüssen. Zunehmender Siedlungsdruck unter Artgenossen führt sie verstärkt auch nach Frankfurt.

Haben sie einen Ort gefunden, an dem es sich leben lässt, bauen sie erst Röhren unter Wasser, legen dann eine Erdhöhle an, und wenn die Familie wächst, stapeln sie Holz auf, das sie mit Schlamm abdichten, um schließlich eine gemütliche und mitunter erstaunlich große Wohnkammer hineinzunagen. Und das alles, ohne dass wir Menschen es auch nur ansatzweise entdecken können. „Ungeübte erkennen die Biberbaue nicht“, sagt Sattler, „aber Erfahrene schon.“

Guter Schwimmer, guter Nager. Der Biber in seinem Element – und ein mit bloßen Zähnen gefällter Baum am Nordpark in Bonames.

Warum sieht man eigentlich so selten einen Biber? Weil sie meist erst im Dunkeln aktiv werden, gerade in der kalten Jahreszeit. Im Sommer begegnen sie in den Tagesrandzeiten schon mal Radfahrerinnen und Spaziergängern in Frankfurt oder in der Wetterau – „ganz tiefenentspannt“, sagt Sattler. Aber eben nicht so aufdringlich wie die Nutrias, mit denen sie immer noch ständig verwechselt werden. Merke: Nutria – kleiner Rattenschwanz, Biber – flache, große Kelle, weswegen sein Schwanz häufig als Dachziegel Verwendung findet. Nein, kleiner Scherz; der Biberschwanz lieh den Dachdeckern nur seinen Namen.

Hunde sollten übrigens nicht allzu respektlos auf Biber zurennen. „Das kann böse ausgehen – für den Hund“, warnt der Biberbeauftragte.

Luftbilder zeigen anhand umgelegter Bäume, wo Biber sind. Entlang der Nidda fällt das Passanten allerdings auch ohne Übersichtsfoto regelmäßig auf. Das gefällte Weichholz dient gleichermaßen als Futterbestandteil, Stau- und Baumaterial. Der Naturschutzbund (Nabu) bittet Menschen, die umgenagten Bäume unbedingt liegen zu lassen: Knospen, Rinde und weiche Äste sind jetzt dringend nötig gegen den Biberhunger. „Werden die Bäume weggeräumt oder die Kronen gehäckselt, hat der Biber auf einen Schlag deutlich weniger zu fressen und fällt den nächsten Baum“, schildert Nabu-Biberkenner Mark Harthun

Weil Biber mit fließendem Wasser so gut umzugehen verstehen, dass die Leute von der Stadtentwässerung nur staunen können, macht ihnen das Hochwasser nicht viel aus. Sattler: „Sie bauen dann einfach ihre Burg noch höher.“ Nur für die Jungen könnte es gefährlich werden, wenn noch einmal reißende Fluten nahen. Sie werden nach zwei Jahren von den Eltern aus dem Bau geschmissen, um sich selbst eine Behausung zu suchen.

Dann, sagt Sattler, kommt es vor, dass sie aus Unerfahrenheit mit einem Auto kollidieren – oder in ein Staubecken geraten und ohne Hilfe nicht wieder herauskommen. Auch Revierkämpfe, teils mit heftigen Beißereien, machen jungen Bibern das Leben schwer. Aber bald kommt erst einmal das Frühjahr. Dann wachsen junge Triebe an den Bäumen, ein Leibgericht von Castor fiber, wie er sich gern auf Lateinisch nennen lässt.

Sollte es wegen seiner Bau- und Baumvorhaben zu Konflikten kommen – bei Babenhausen soll gerade irgendjemand ein ganzes Waldgebiet in eine faszinierende Wasserlandschaft aufgestaut haben, berichtet der Hessische Rundfunk –, rät Manfred Sattler nach wie vor, sich zwecks Schlichtung an das Regierungspräsidium in Darmstadt zu wenden. Dort sind beide Parteien gern gesehen, Mensch und Biber.

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