Justiz

Finanzieller Abstieg in Raten in Frankfurt

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Ein Ex-Freund erzählt über die Geschäfte des wegen Mordes im Niddapark angeklagten Jan M. Der Gastronom soll Gläubigern mit den Hells Angels gedroht haben.

Im Prozess um den Mord im Niddapark standen am Mittwoch einmal mehr die finanziellen Geschäfte des Angeklagten Jan M. im Mittelpunkt. Ein ehemaliger Freund und Geschäftspartner sagte im Zeugenstand knapp zwei Stunden aus, wie er den heute 52-Jährigen erst kennen- und schätzen lernte, am Ende aber nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte.

Zeuge Bruno K. lernte M. 2002 kennen, als beide über die Fusion zweier Wertpapierhäuser verhandelten. Aus der Fusion wurde nichts, aber aus den Gesprächen entstand alsbald eine Geschäftsbeziehung, als M. dem elf Jahre älteren Kollegen eine Wertpapierbeteiligung anbot. Da die Aktiengeschäfte in der Folge schlecht liefen, erweiterte Jan M. sein Portfolio um Gastronomiebetriebe wie etwa einer Beteiligung am Club Gibson. Da Bruno K. mit Gastronomie nichts am Hut hat, wollte er seine Anteile loswerden. Das gelang ihm 2012 zumindest auf dem Papier. Doch die fälligen 575 000 Euro konnte ihm M. nicht sofort zahlen, weswegen sich die beiden Freunde auf eine Rückzahlung auf Raten einigten. Die erste Zahlung in Höhe von 100 000 Euro leistete M. 2013 noch, die weiteren Raten bediente er nicht mehr. Die Bemühungen des Immobilienkaufmanns aus Bad Vilbel, seine ausstehenden 475 000 Euro zu erhalten, können nun nicht gerade als vehement beschrieben werden. Ab und an fragte er mal nach, M. hielt ihn mit Verweis auf die Freundschaft hin.

Subtile  Drohung

Als der Gläubiger dann bei einem Treffen im Rothschildpark 2014 deutlicher wurde, soll M. dem Zeugen zufolge die subtile Drohung ausgesprochen haben, er wisse ja wohl, dass er die Hells Angels gut kenne. Da der Kaufmann mit der verbotenen Motorradgang nichts zu tun haben wollte, ließ er in der Folge von seinen Forderungen ab und machte sie erst nach der Inhaftierung des Angeklagten geltend. Auf sein Geld wartet er aber noch heute. Stattdessen wurde der Zeuge bei einem Empfang in einem Frankfurter Hotel angeblich verblüfft gefragt, warum er da sei, wo M. ihm doch „Stadtverbot“ ausgesprochen habe.

Mit dem Angeklagten will K. ohnehin nichts mehr zu tun haben. Kontakte gab es vor dessen Festnahme nur noch, wenn es um die Rückzahlung ging, oder die Abwicklung des Restaurants Garibaldi, mit dem K. ebenfalls Geld verloren hat. Das italienische Restaurant hatte M. wohl zu teuer gekauft und alsbald Umsatzeinbußen von 40 Prozent zu beklagen, weil der Verkäufer nur unweit in der Meisengasse wieder ein ähnliches Restaurant aufmachte und viele Stammkunden mitnahm. „Ich war zu gutmütig“, sagte K. mehrfach. Der Prozess wird am 24. Januar fortgesetzt.

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