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Ellen Harrington im Foyer des Filmmuseums mit Exponaten zur Sonderausstellung über Kubricks 2001-Film.
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Ellen Harrington im Foyer des Filmmuseums mit Exponaten zur Sonderausstellung über Kubricks 2001-Film.

Filmmuseum Frankfurt

Filmmuseum soll international aktiv sein

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Ellen M. Harrington, die neue Direktorin des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt, hat sich im ersten halben Jahr gut eingearbeitet und verhandelt über Ankäufe.

Das, erzählt sie lachend, sei das Schwierigste in Deutschland gewesen. Herauszufinden, mit welchem Schlüssel sich welche Tür des Hauses öffnet. Mittlerweile läuft Ellen M. Harrington so behende durch die Gänge des Deutschen Filmmuseums, als habe sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Tatsächlich steht die US-Amerikanerin gerade ein halbes Jahr an der Spitze des Hauses. Mit gehöriger Selbstdisziplin ist die 55-Jährige dabei, ihre neue Heimatstadt und die Menschen kennenzulernen, auf die es in Frankfurt ankommt.

„Vier bis fünf Termine mache ich jeden Tag.“ Die Film- und Literaturwissenschaftlerin sprudelt geradezu über von Ideen. Doch ein Stichwort kehrt immer wieder im Gespräch: Internationalität. Das passt gut zu der Frau, die neben ihrer Muttersprache fließend Französisch, Spanisch und Italienisch spricht, die mehr als zwei Jahrzehnte in Hollywood gearbeitet hat, zuletzt als Sammlungsleiterin am Academy Museum of Motion Pictures.

„Die internationale Perspektive“ hält sie denn auch für das Alleinstellungsmerkmal ihres Hauses in Deutschland. Das andere große Filmmuseum der Bundesrepublik, die Deutsche Kinemathek in Berlin, sagt sie sanft, kümmere sich ja um „die Geschichte des deutschen Films“. Harrington will, dass alle Ausstellungen ihres Hauses künftig „international unterwegs“ sein sollen, sie will den Austausch mit Museen in aller Welt intensivieren. Deshalb arbeitet sie daran, bald einen Ausstellungsplan zu haben, der über drei Jahre in die Zukunft reicht – das soll Verlässlichkeit auch für andere Häuser bringen.

Wir betreten das Halbdunkel der Sonderausstellung, die dem 50-Jahre-Jubiläum eines Film-Klassikers gewidmet ist: „2001 Odyssee im Weltall“ von Stanley Kubrick. Raumanzüge, Helme, natürlich Ausschnitte, die den Kampf des Menschen mit dem HAL-9000-Computer zeigen. Die Ausstellung werde nach Barcelona und London gehen, 2019 womöglich nach New York, sagt Harrington stolz.

Für sie ist diese Schau ein Beleg dafür, dass ein Museum auch im Zeitalter der rasch wachsenden sozialen Medien seine Bedeutung behalte. „Die Leute sehnen sich noch immer nach authentischer Erfahrung – wir bleiben relevant“: Davon ist sie überzeugt. Dennoch wird gerade auch der Internet-Auftritt des Hauses überarbeitet, modernisiert.

Gleichzeitig baut sie den Fundus des Museums weiter aus. Verhandelt über „einige bedeutende Sammlungen“, die sie für das Haus gewinnen will – 2019 möchte sie Ergebnisse präsentieren. „Die Sammlung wächst immer weiter.“ Und Harrington glaubt, dass die persönliche Präsenz auf internationalen Filmfestivals immer wichtiger wird.

Von Hollywood gedanklich ein Stück weit entfernt

Gerade ist bekannt geworden, dass Carlo Chatrian, der künstlerische Leiter des Filmfestivals von Locarno, 2019 neuer Direktor der Berlinale werden wird. Mit ihm arbeitete das Deutsche Filmmuseum schon 2016 zusammen, als es in Locarno eine Retrospektive des westdeutschen Nachkriegsfilms zeigte („Geliebt und verdrängt“). „Wir haben also bald einen Freund in Berlin“, sagt Harrington. Solche persönlichen Beziehungen sind total wichtig in der Branche. Im Herbst wird umgekehrt Dieter Kosslick, der langjährige Berlinale-Direktor, das Frankfurter Museum besuchen.

Von Hollywood, ihrer alten Heimat, hat sich die neue Direktorin auch gedanklich ein Stück weit entfernt. Sie bescheinigt dem aktuellen Hollywood-Kino „kreative Armut“; es setze auf immer neue Fortsetzungen und inhaltliche Spin-Offs.

Nach mehr als 20 Jahren im Herzen der amerikanischen Film-Industrie hat sie von Frankfurt aus verfolgt, wie die „MeToo“-Bewegung gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt gerade in den USA immer neue Dynamik gewann. Die Filmwissenschaftlerin ist überzeugt davon, dass sich dieses Mal tatsächlich die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen positiv wandeln. „Dieses Mal ist es anders – das Klima verändert sich wirklich“. Nicht nur in der Filmindustrie seien „sehr mächtige Männer gefeuert“ worden. Andere hätten Angst.

Harrington ist mehrfach im letzten halben Jahr von Frankfurt aus nach Hollywood geflogen und hat erlebt, wie Verhältnisse sich umkehren: „Es werden tatsächlich mehr Frauen engagiert.“

Aber zurück ins Deutsche Filmmuseum. Es gibt hier Herausforderungen, die nur langfristig angegangen werden können, das weiß die neue Direktorin. So würde sie gerne auch den kostenlosen Eintritt für Kinder und Jugendliche einführen, wie es städtische Museen am 1. Januar 2017 taten. Das aber ginge nur, wenn die Stadt dem Filmmuseum die Einnahmeausfälle ersetze. „Wir würden sonst wirtschaftlich viel verlieren.“ Harrington wird einen langen Atem brauchen. Aber den scheint sie zu haben.

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