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Im Hermesweg will Elisabeth Braun ein Zeichen setzen.

Nordend

Figuren der Versöhnung

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Bürgerin hat Idee für Gedenkstätte.

Elisabeth Braun hat immer Bleistift und Papier parat. Falls sie schnell was zeichnen muss. So wie neulich. Morgens um vier Uhr ist sie aus dem Schlaf geschreckt. Einer Eingebung folgend hat sie eine Skizze zu Papier gebracht. Zwei Figuren, die sich umarmen. Sie stehen auf Wurzeln, auf einer steht „Shalom“. Das „Denkmal der Versöhnung“ möchte Elisabeth Braun jetzt errichten lassen.

Vor zwei Jahren hat sie im Keller ihres Hauses an der Fichtestraße Spuren der jüdischen Vergangenheit des Viertels entdeckt. 1887 ist im benachbarten Hermesweg die Löb Elias Reiß’sche Synagoge ins Gebäude der israelitischen Religionsschule gezogen. 1939 wurde sie zwangsweise in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland eingegliedert. 1943 wurde das Haus zerbombt.

Elisabeth Braun hat im März bereits beim Ortsbeirat 3 angeregt, eine Gedenkstätte zu schaffen. Auf einer kleinen Grünfläche an der Klingerschule im Hermesweg. Dort steht eine Kastanie. In der jüngsten Sitzung des Gremiums hat sie die Idee konkretisiert. Keine Bronzetafel, davon gebe es in Frankfurt bereits so viele, findet sie. Eine weitere gehe unter. Mit dem etwa 1,65 Meter hohen Denkmal könnte die Stadt etwas sichtbares schaffen. Erinnerungskultur, die positive Signale sende, Frieden und Versöhnung betone. Bronzetafeln erinnerten ja eher an Verfolgung, Deportation, Tod.

Vor zwei Jahren hat das Gremium bereits darüber nachgedacht, auf dem kleinen Platz an der Ecke Fichtestraße und Hermesweg einen Ort des Andenkens zu schaffen. Da standen aber noch die Container der Klingerschule dort. Im November 2018 hat die Stadt geantwortet, die Idee zu begrüßen. Statt eines Parkplatzes wie bislang, könnte eine Grünfläche entstehen. Allerdings sei der Platz zu klein, um kurzfristig über das Programm Schöneres Frankfurt realisiert zu werden.

25 000 Euro benötigt

Vom Vorstoß der engagierten Bürgerin Braun sind auch nicht alle Ortsbeiratsmitglieder begeistert. Michael Rubin von der FDP zum Beispiel gibt zu bedenken, dass die Reichsvereinigung vor allem eine Zwangsvereinigung war. Von der Zweigstelle Frankfurt aus begannen auch Deportationen in Konzentrationslager. Für die würde er ungerne eine Gedenkstätte einrichten. Elisabeth Braun ist das bewusst. Sie sagt aber, sie wolle den Juden und der Synagoge gedenken, nicht der Vereinigung.

Sie hat einen Bildhauer um einen Kostenvoranschlag gebeten. 25 000 Euro würde die Bronzefigur kosten, schätzt der. Ohne Fundament und Aufbau. 2500 Euro würde Elisabeth Braun stiften. Nun sucht sie Sponsoren. Über den Ortsbeirat.

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