+
Einer der Gartenpavillons des Bolongaropalastes in Höchst war 30 Jahre lang an die Schauspielerin Rosemarie Fendel vermietet.

Bolongaropalast in Höchst

Neues Ausstellungskonzept für Bolongaropalast

  • schließen

Porzellanmuseum und Bürgermuseum sollen im Bolongaropalast in Frankfurt-Höchst zu einem neuen Ausstellungskonzept fusionieren.  

Frankfurt erweitert sein Museumsufer. Künftig gehört auch der Bolongaropalast in Höchst dazu. Im barocken Prachtbau an der Wörthspitze, also an der Mündung der Nidda in den Main, soll das neue „Museum Bolongaro“ entstehen. Das zumindest ist der Arbeitstitel. Das Porzellanmuseum, eine Außenstelle des Historischen Museums, soll aus dem Kronberger Haus (ebenfalls in Höchst) ausziehen und mit den geplanten Ausstellungsräumen im Palast zu etwas Neuem fusionieren. Träger wäre das Historische Museum Frankfurt.

OB Peter Feldmann (SPD), Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), Jan Gerchow, der Leiter des Historischen Museums, und Markus Grossbach, der Vorsitzende des Höchster Museumsvereins, haben am Dienstag skizziert, wie sie sich die neue Einrichtung vorstellen. Bis Sommer 2021 saniert die Stadt den Palast. Das neue Museum könnte 2022 starten. Dadurch entstünden Zusatzkosten im „niedrigen einstelligen Millionenbereich“, schätzt Feldmann. Eine lohnende Investition, finden alle vier. Wenngleich das Vorhaben noch die Haushaltberatungen der Stadt überstehen muss.

Ein Museum ist ohnehin vorgesehen gewesen im künftigen „Bürgerpalast“, wie Feldmann sagt. Nur war bislang unklar, wer es in welcher Form betreibt. „Das können nicht irgendwelche Leute ehrenamtlich am Wochenende stemmen“, sagt Markus Grossbach. Um so glücklicher ist er, dass die Stadt das Vorhaben auf professionelle Füße stellen will. „Vororte haben es schwer, sich gegenüber dem Zentrum zu behaupten“, sagt Grossbach.

Den denkmalgeschützen Bau haben die Brüder Bolongaro 1772-75 errichten lassen. Die italienischen Kaufleute handelten in Frankfurt it Tabak, erhielten als Katholiken aber kein Stadtrecht. In Höchst schon.

1908 ist der Palast in städtischen Besitz übergegangen. Bis 1928 war er Rathaus der eigenständigen Stadt Höchst, nach der Eingemeindung noch Behördensitz. Heute finden sich Standesamt und Trausaal in einem der Gartenpavillons, der für ein Gartenhaus recht prachtvoll gehalten ist. sky

Mit dieser „Verlagerung des Museumsufers in die Peripherie hinein“ jedoch entstehe etwas, das in Frankfurt und vielleicht darüber hinaus einmalig sei. Verschiedene Kulturinstitutionen finden unter einem Dach zusammen, nicht nur das Museum, auch die Musikschule, Theater, kommunales Kino, dazu noch Jugendeinrichtungen wie Jukuz und Kita. Von einem „identitätsstiftenden Leuchtturm“ spricht Kulturdezernentin Hartwig.

Die neue Außenstelle des Historischen Museums sei auch für das Porzellanmuseum eine große Chance. Das Kronberger Haus ist ohnehin sanierungsbedürftig. Zudem sei die Sammlung darin zwar „herrlich“, aber nicht mehr zeitgemäß präsentiert. Das könnte sich ändern, das „Narrativ Porzellan neu erzählt“ werden. Aus zwei kleinen Standorten nebeneinander einen großen zu machen, schaffe Synergien. Zum Beispiel könne die Stadt Öffnungszeiten erweitern. Von fünf Stunden an Feiertagen und Wochenenden auf fünf Tage die Woche. Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Besagter kultureller Leuchtturm könnte das Baudenkmal insgesamt aus dem Dornröschenschlaf erwecken, findet Jan Gerchow. Ein solches Haus werde nicht nur die Bürger aus dem Frankfurter Westen ansprechen, sondern auch überregionales, gar internationales Publikum. Das Museum werde die Geschichte des Palasts erzählen, der Bolongaros und der anderen Einwanderer, der Stadtteile im Westen von der Römerzeit bis heute.

Zur Vorgabe seiner Chefin „Narrativ des Porzellans neu erzählen“ fällt ihm das Stichwort „Wirtschaftskrimi ein. „Porzellanfieber“ wäre sein Titel. Im Europa des 18. Jahrhunderts ist eine regelrechte Gier nach dem weißen Gold entbrannt, das nur die Chinesen so vollendet herstellen können. Der Mainzer Erzbischof versucht es mit Industriespionage, scheitert, ein weiterer Erzbischof versucht sein Glück, gründet gar eine Aktiengesellschaft dafür, in die Frankfurter Kaufleute investieren. 1750 gelingt es, den Chinesen das Geheimnis zu entreißen.

Die Porzellansammlung aus dem Kronberger Haus soll in den Bolongaropalast umziehen.

Gerchow wischt sich den Schweiß von der Stirn. Vom Fiebertraum kehrt er zurück zum Organisatorischen. Vier Personalstellen benötige das neue Haus – Kurator, Verwaltung, Besucherservice, technischer Dienst. Drei bis vier Aufsichten wären nötig. 652 Quadratmeter Ausstellungsfläche stünden für das Porzellan bereit, dazu Depots im Keller für die umfangreiche Keramiksammlung und drei, vier Büros. Das Bürgermuseum hätte 409 Quadratmeter zur Verfügung. Eine Ausstellung mit historischen Musikinstrumenten könnte es geben. Das Foyer mit Kasse und Garderobe wäre im Eingangsbereich des Palasts im Erdgeschoss.

Mehr übers Museumskonzeptunter:
www.kulturimbolongaro.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare