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Manfred Wessel, Diana Weckeiser, Thorsten Herget (v.l.) und der Honig.

Bienenfestival

Ein Festival für die Bienen in Frankfurt

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Das Treffen der Tier- und Honigfreunde im Botanischen Garten naht. Das ist auch dringend nötig, denn es steht uns Dramatisches bevor.

Am 28. September ist Bienenfestival. Endlich mal was Schönes, endlich wieder was zum Entspannen und Feiern inmitten all dieser Probleme. Denn die Bienen, die sind in Schwierigkeiten. Und damit auch wir.

„Der Klimawandel ist ein Thema, das die Imker vor große Herausforderungen stellt“, sagt Thorsten Herget, der das Festival nun schon zum fünften Mal organisiert. Da ist er sich einig mit Diana Weckeiser, Imkermeisterin und Geschäftsführerin der Landesgruppe Hessen des Deutschen Berufsimkerbunds. „Die Jahreszeiten sind um zwei bis drei Monate verschoben“, sagt sie.

Das heißt: Wenn es blüht, sind die Bienen noch gar nicht so weit. Die Folge: „Wir haben praktisch keine Frühtracht.“ So bezeichnen die Fachleute den Honig, der im Frühjahr gesammelt wird. Auch die Trockenheit macht den Pflanzen und damit den Bienen und den Imkern zu schaffen. „Es wird mehrere Bienengenerationen dauern, bis sie sich an die veränderten Bedingungen angepasst haben“, sagt Diana Weckeiser. Es kämen vielleicht Jahre ohne Honig, und wenn die Bestäubung fehlt: „Dann kann es auch Lebensmittelmangel geben.“

Klingt dramatisch. „Das ist keine Hysterie“, sagt Herget, „aber die Alarmglocken klingeln durchaus. Wenn die Bienen keine Nahrung finden, hat das Konsequenzen für jeden Einzelnen.“

Ach, Bienen. Man muss sie einfach gern haben.

Um darauf hinzuweisen, gibt es das Bienenfestival im Botanischen Garten. Dessen Leiter Manfred Wessel war von Anfang an aufgeschlossen dafür und öffnete nach der Premiere den Garten auch für Wildbienenbehausungen, sogenannte Klotzbeuten und Zeidlerbäume. Mit von der Partie sind dort die Bienenbotschafter, denen just am Freitag Ehre zuteil wurde: In Karben nahmen sie die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt für ihre Arbeit entgegen. Titel: „Betreute Naturnistplätze für die wildlebende Honigbiene im Wald“.

Ein Einsatz für die Natur, der Wessel sehr gut gefällt. „Viele Wissenschaftler kommen doch gar nicht mehr aus dem Labor heraus – manche erkennen ihren eigentlichen Forschungsgegenstand kaum noch, wenn sie ihm draußen begegnen“, sagt er. Und rät allen dazu, ihre Gärten mit blühenden Pflanzen zu gestalten, damit die Bienen Material finden.

Antonio Gurliaccio, einer der ausgezeichneten Bienenbotschafter, taxiert den eigentlichen Wert eines Glases Honig auf mindestens 15 Euro. Gemessen am Aufwand der Imker und am Wert der Ökosystemleistung der Bienen sei das Produkt derzeit viel zu günstig. „Der Preis wird in die Höhe schnellen, der Aufwand der Imker explodieren“, glaubt auch Diana Weckeiser. 30 Euro für das Kilo seien angemessen.

Hintergrund ist besonders die Industrialisierung der Landwirtschaft. „Wenn die Agrarindustrie so weitermacht, gibt es immer weniger Nahrungsangebot für Insekten“, sagt Thorsten Herget, „die Bienen sterben weg.“ Schon jetzt sei der Bestand an Insekten um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen, erinnert Diana Weckeiser. „Draußen auf dem Land sind auch kaum noch Vögel zu hören.“

Die falsche Reaktion wäre aber, jetzt keinen Honig mehr zu kaufen, weil der Honig knapp wird. „Sie unterstützen damit die Arbeit der Imker“, sagen alle Fachleute. Und wir essen den Bienen nichts weg – die werden sowieso mit Sirup gefüttert.

Beim Bienenfestival mit seinen 20 beteiligten Organisationen, Vereinen und Initiativen treffen übrigens die unterschiedlichsten Philosophien der Bienenhaltung aufeinander. Nach der üblichen Schlägerei und dem gegenseitigen Tunken im Weiher des Botanischen Gartens vertragen sich aber alle wieder. Neinnein, im Ernst: Es herrschten Toleranz und Austausch, sagt Thorsten Herget: „Ich lerne jedes Mal wieder etwas Neues dazu.“ Das Motto lautet schließlich: „Gemeinsam für die Bienen.“

Programm

Am Samstag, 28. September, 12 bis 17 Uhr, sind alle Bienenfreunde in den Botanischen Garten eingeladen. Zum Auftakt gibt es einen Bienen-Talk mit Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Gartenchef Manfred Wessel. Ab 13 Uhr folgen Vorträge zur Bienenhaltung, Live-Musik, das Bienenhaus des Zoologen Christian Winter wird präsentiert, Antonio Gurliaccio erklärt die Funktion der sogenannten Klotzbeuten, in denen Wildbienen leben. Dazu Infostände, Speis & Trank. Näheres steht Anfang nächster Woche auf frankfurter-bienenfestival.de

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