Wer seinen Bus finden will, höre aufs Stationspersonal. Anzeigen gibt es beim neuen Fernbusbahnhof am Hauptbahnhof noch nicht.

Fernbusse in Frankfurt

Der Frankfurter Fernbusbahnhof ist eröffnet

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Nach vier Jahren konnte jetzt der Fernbusbahnhof am Frankfurter Hauptbahnhof eröffnet werden. Aber fertig ist die Station immer noch nicht.

Es ist 10.36 Uhr, als sich am Dienstag die Schranken zum Fernbusbahnhof öffnen. Der erste Reisebus kommt an, ein grüner Flixbus aus Karlsruhe. „Linie 17, Richtung Berlin, über Münster, Halt 4“, ruft ein Stationsmitarbeiter. Reisende mit Rucksäcken und Koffern eilen zu Halt 4, einem von 14 Halten, die es nun im Süden des Hauptbahnhofs gibt.

Lukas Cronjaeger, ein angehender Krankenpfleger, steht vom Boden auf und greift zum Rucksack. Er sei zu Besuch in Frankfurt gewesen und fahre nun zurück nach Münster, sagt er, und zwar mit Flixbus, weil eine Bahnfahrt „locker das Doppelte“ koste. Der neue Fernbusbahnhof sei komfortabler als die Situation zuvor, als die Reisebusse am Straßenrand hielten. Aber Toiletten und Anzeigen zu den Bussen vermisse er schon.

Vier Jahre nachdem die Stadt, die städtische Wohnungsgesellschaft ABG und der Immobilienentwickler CA Immo den Bau des Fernbusbahnhofs angekündigt haben, fahren vom Fernbusbahnhof mehr als 150 Reisebusse am Tag ab, aber fertig ist die Station immer noch nicht. Eine Eröffnung, zu der die Stadt eingeladen gewesen wäre, gibt es nicht, stattdessen ein „Soft Opening“ mit Markus Diekow, dem Sprecher von CA Immo.

„Heute ist ein großer Tag für Frankfurt, weil endlich der Fernbusbahnhof eröffnet“, sagt er, und kommt auf Nachfrage auf alles zu sprechen, was 2015 angekündigt wurde und noch fehlt. Die Wartehalle, die Toiletten, das Dach über dem Areal, weitere Mülleimer und Wartehallen, möglicherweise ein Ticketverkauf und Kiosk im Steigenberger-Hotel, die digitalen Anzeiger. „Wir werden für den Endausbau mit den neuen Betreibern eine sehr gute Lösung finden“, verspricht er. Zeithorizont und Kosten nennt er nicht.

„Die Busse können zwar die Gäste abfertigen, aber von einem Bahnhof mit einer geeigneten Wartehalle und Toiletten fehlt noch jede Spur“, kommentiert Michael Müller von der Linken im Römer.

Die Busgesellschaft Flixbus betreibt den Fernbusbahnhof übergangsweise und würde das gerne weiterhin tun. „Wir sind an einem dauerhaften Betrieb interessiert“, sagt Sprecher David Krebs. Die Fundamente für den Bau eines Daches über dem Gelände seien vorhanden. Die Laternenpfähle hätten Ausbuchtungen, in welche digitale Fahrgastanzeigen passten. Zu den beiden vorhandenen Wartehäuschen sollen zwei weitere hinzukommen, kündigt er an. Auch Toiletten würden übergangsweise aufgestellt. „Die Infrastruktur ist da, man muss sie nur weiter ausbauen.“

Markus Diekow sagt: „Wir müssen eine wirtschaftliche Einigung mit dem neuen Betreiber finden“, und zeigt aufs Vordach des Steigenberger-Hotels. Auch dort könnten sich Reisende vor Regen schützen.

Am Dienstag, als Sarah aus dem Flixbus aussteigt, regnet es nicht. Sie kommt aus Karlsruhe und ist auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch in Frankfurt. „Wo ist eigentlich der Hauptbahnhof?“, fragt sie. Ein Hinweisschild könnte nicht schaden, fügt sie hinzu. Driton, der aus dem Kosovo stammt, ist auf dem Weg nach Basel und wartet an Halt 5. Ob sein Bus hier halte, wisse er nicht, denn Aushänge oder Anzeigen fehlten. Von hier sehe er ja die Busse, die einfahren. 150 Flixbusse kommen nach Angaben des Unternehmens täglich in Frankfurt an. Hinzu kämen Busse von mehr als 20 weiteren Betreibern. Alle Busse zahlten ab sofort acht Euro für einen Aufenthalt von 15 Minuten, sagt der Flixbus-Sprecher.

Um 10.45 Uhr sitzen die Reisenden im Bus und warten darauf, dass es losgeht. Die Fahrt nach Münster dauert 4.45 Stunden. Von dort geht es bis in den späten Abend hinein weiter nach Berlin.

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