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Es wird keinen Fernbahntunnel unter den Frankfurter Banken hindurch geben.

Untertunnelung

Fernbahntunnel in Frankfurt: Untertunnelung des Mainkais oder Schaumainkais möglich

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Der Fernbahntunnel in Frankfurt könnte nach 15 Jahren Bauzeit fertig sein. Er wäre für Fernzüge und schnelle Regionalzüge geeignet.

Unter den Bankentürmen in der Frankfurter Innenstadt wird der Fernbahntunnel nicht verlaufen. „Die Hochhäuser sind dafür einfach zu schwer“, sagte der Geotechniker Rolf Katzenbach bei einer Podiumsdiskussion auf der Mobilitätsmesse Hypermotion in der Messe Frankfurt. Katzenbach betreut derzeit als Sachverständiger den U-Bahn-Tunnelbau für die U5 ins Europaviertel; er baute die U-Bahn in Barcelona, wenige Meter an der berühmten Basilika Sagrada Família vorbei. Bis zu seinem Ruhestand lehrte Katzenbach Geotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt.

Für den Fernbahntunnel in Frankfurt hat der Bund 3,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Der Tunnel soll in jede Richtung eine Röhre mit einem Gleis bekommen, die im Fernbahnhof unter dem Hauptbahnhof zu vier Gleisen auffächern.

Fernbahntunnel - Untertunnelung des Mainkais oder Schaumankais 

Der Tunnel soll von der dritten Niederräder Mainbrücke, die bis dahin gebaut sein soll, unter der Innenstadt hindurch führen und an die nordmainische oder südmainischen Bahnstrecke nach Hanau beziehungsweise nach Offenbach anschließen. Die Bahn will Anfang 2021 eine Machbarkeitsstudie mit möglichen Trassen vorlegen. Ohne das Ergebnis vorwegnehmen zu wollen, bietet sich laut Katzenbach wegen der Barriere der Hochhäuser die Untertunnelung des Mainkais oder des Schaumainkais an.

Der Tunnel soll rund sieben Kilometer lang sein. Bis zu 30 Meter tief soll er unter der Erde verlaufen, durch Frankfurter Ton und Kalke hindurch. Katzenbach rechnet im Idealfall mit einer Planungszeit von sieben Jahren und acht Jahren Bauzeit. „Es wird dann aber wohl eher so: 13 Jahre planen und unter höchsten Stress zwei Jahre bauen.“ Aber ohne Milliarden aus Berlin wird es nichts mit dem Großprojekt. 

Fernbahntunnel - Deutsche Bahn erwartet kürzere Reisezeit

Deswegen lauschten bei der Diskussion alle den Worten von Ministerialdirektor Hugo Gratza, Abteilungsleiter Eisenbahn im Bundesverkehrsministerium. Er beteuerte, dass der Bund an allen Projekten von Frankfurt Rhein-Main plus festhalte – wie dem viergleisigen Ausbau nach Bad Vilbel, der nordmainischen S-Bahn, den beiden neuen Gleisen zwischen Stadion und Gutleut. Vom Fernbahntunnel erwartet er eine um „neun bis zehn Minuten“ kürzere Reisezeit für die Fahrgäste im ICE. „Der Reisezeitgewinn multipliziert mit den Reisenden produziert volkswirtschaftlichen Nutzen“, sagte er. Für den Deutschlandtakt, bei dem Fernzüge in Deutschland aufeinander abgestimmt werden sollen, sei der Tunnel wichtig.

Gerd-Dietrich Bolte, der bei der Deutschen Bahn die Großprojekte Mitte leitet – also auch Frankfurt Rhein-Main plus – sprach die Engpässe im deutschen Schienennetz an, welche die Bahn beheben müsse, um attraktiver zu werden. Dazu zählten die Riedbahn (Frankfurt-Mannheim), die Kinzigtalbahn (Frankfurt-Fulda) – und der Zulauf von der Deutschherrnbrücke in Sachsenhausen zum Frankfurter Hauptbahnhof. Hier stauten sich die Züge regelrecht.

Bolte rechnet mit „20 Prozent mehr Gleiskapazität“ am Hauptbahnhof, welche durch den Fernbahntunnel entstünden. Auch schnelle Regionalbahnen könnten mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde durch den Tunnel fahren. Auf den frei werdenden Gleisen am Hauptbahnhof sollen Regionalzüge fahren.

Fernbahntunnel vom Verkehrsdezernenten unterstützt

Der RMV geht bis 2030 von 30 Prozent mehr Fahrgästen aus – doch schon jetzt stünden nicht genug Trassen zur Verfügung, um weitere Bahnen zu bestellen, sagte Thomas Busch, Chefplaner des RMV. Im Unterschied zu Stuttgart 21 würden beim Fernbahnhof keine Gleise weggenommen, der Frankfurter Hauptbahnhof bleibe im Wesentlichen so, wie er sei, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Über den Knoten Frankfurt laufe die Hälfte des deutschen Bahnverkehrs, dort entstünden aber bis zu einem Drittel der Verspätungen. „Jeder Meter Schiene hilft“, sagte er.

Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) unterstützt den Fernbahntunnel uneingeschränkt, wie er Moderator Manfred Köhler von der FAZ sagte. Mit Lärmbelastung während der Bauzeit rechnet er nicht – auch der Bau des Tunnels im Europaviertel verlaufe weitgehend geräuschlos. „Der durchschnittliche Frankfurter bekommt vom Tunnelbau gar nichts mit.“

Diskutiert werden müsse noch, ob die Gleise nach Offenbach oder Hanau ausgebaut werden sollen, und wo der unterirdische Fernbahnhof liegen soll: Unter den Gleisen 4 bis 8 im Hauptbahnhof, was zu Einschränkungen während der Bauzeit führe, oder entlang der Mannheimer Straße im Süden des Hauptbahnhofs. Dadurch entstünden längere Umsteigewege für die Reisenden.

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