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Fernbahnhof als Baustein der Verkehrswende

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Der neue Fernbahnhof in Frankfurt kann zahlreiche Menschen dazu bewegen, auf Fahrten mit dem eigenen Auto zu verzichten.

Die Verkehrswende, weg vom Sprit verbrennenden Auto, in dem nur ein Mensch sitzt, hin zu umweltfreundlichen und nachhaltigen Verkehrsmitteln, kann gelingen – wenn Bus-, Bahn- und Fahrradfahren attraktiver werden als das individuell genutzte Auto.

Einen Schritt hin zur Verkehrswende macht nun der Bund, indem er Frankfurt 3,5 Milliarden Euro für einen neuen Fernbahntunnel verspricht. Fernzüge im Tunnel werden schneller und pünktlicher, wenn sie nicht mehr im verstopften Eisenbahnknoten warten müssen. Für Regionalzüge ist oberirdisch mehr Platz.

2036 soll das Projekt, das man vielleicht als Frankfurt 36 bezeichnen darf, fertig sein. Frankfurt 36 ist aber nicht Frankfurt 21 oder Stuttgart 21. Der denkmalgeschützte Frankfurter Bahnhof aus dem Jahr 1888 wird nicht komplett umgebaut. Die vorhandenen Gleise werden nicht herausgerissen, um Platz für Büros und Luxusimmobilien zu schaffen. Der Hauptbahnhof, der von 2020 bis 2024 eine neue B-Ebene erhalten soll, gewinnt durch den Fernbahntunnel an Attraktivität.

Attraktiv ist auch, dass das Angebot im Nah- und Fernverkehr ausgebaut werden kann. Wenn Nah- und Fernzüge eigene Gleise erhalten, kommen sie sich nicht mehr in die Quere. Wenn Züge mehr Platz bieten und pünktlicher werden, steigen mehr Menschen vom Auto in die Bahn um.

Natürlich kann bei einem Jahrhundertprojekt wie dem Bau eines Fernbahntunnels durch Frankfurt vieles schief gehen. Weltkriegsbomben, nicht kartografierte Leitungen, verpatzte Ausschreibungen werden das Projekt verzögern. Die Hoffnung bleibt, dass nun nicht 30 Jahre diskutiert, geplant und umgeplant wird wie bei Regionaltangente West.

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