Heide Schwarz und ihre Söhne Immanuel (5) und Jasper (3) wollen Müsli-Schalen mit individuellem Design herstellen.
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Heide Schwarz und ihre Söhne Immanuel (5) und Jasper (3) wollen Müsli-Schalen mit individuellem Design herstellen.

„Paint your style“

Keramik bemalen in Frankfurt

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Im Atelier im Frankfurter Stadtteil Bockenheim können Kunden Keramik bemalen und indiviuelle Geschenke jenseits der Massenproduktion herstellen.

Kindergeburtstag feiern in Zeiten von Corona? Das geht mittlerweile wieder im Keramik-Atelier „Paint your style“ im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Und weil das so ist, sitzt Heide Schwarz zusammen mit Geburtstagskind Immanuel (5) und seinem Bruder Jasper (3) dort an einem Tisch und sie bemalen mit Hingabe Müsli-Schalen, natürlich eine jede in einem anderen Design. „Wir wollten unserem Sohn an diesem Tag etwas Besonderes bieten. Da haben wir uns gedacht, wir probieren die Keramik-Malerei mal aus“, sagt die Mutter.

Das Atelier-Keramik-Atelier „Paint your style“ findet sich im Frankfurter Stadtteil Bockenheim in der Leipziger Straße 81.

Öffnungszeiten: Montags, 14 bis 21 Uhr, dienstags 14 bis 24 Uhr, donnerstags und freitags jeweils von 14 bis 21 Uhr, samstags, sonntags und feiertags jeweils von 11 bis 21 Uhr. Mittwoch ist Ruhetag.

Kontakt: Per Telefon unter 069 /272 442 53 oder per E-Mail unter frankfurt@paintyourstyle.de

Zwei Tische weiter, in gehörigem Corona-Abstand, sitzt Julia Nebl allein an einem Arbeitsplatz. Sie schaut, wenn sie gerade Zeit und Lust hat, im Atelier an der Leipziger Straße 81 vorbei. Heute arbeitet sie an einer Teetasse, die sie ihrer Mutter zum Geschenk machen will. Anders als Immanuel und Jasper, die ihre Müsli-Schalen altersgemäß im Freestyle bemalen, hat sie das Gefäß teilweise mit Tapes abgeklebt, um ihr Design in der sogenannten Klebestreifen-Technik akkurat auf die Oberfläche zu bringen. „Das Malen entspannt, es ist ein Urlaub vom Alltag“, erläutert die junge Frau, was sie an der Keramik-Malerei reizt. Und dann sei es auch noch kreativ.

Die Tasse, die sie ihrer Mutter schenken wird, ist jedenfalls kein seelenloses Massenprodukt. Martin Probst, Geschäftsführer des Keramik-Ateliers, nennt zwei Gründe, die Kundinnen und Kunden zu „Paint your style“ führen: „Sie wollen etwas von eigener Hand ganz individuell gestalten und gleichzeitig Abstand vom Alltag bekommen. Keramik-Malen ist sehr meditativ, es macht den Kopf frei.

Martin Probst hat eine seiner Leidenschaften zu seinem Beruf gemacht. 23 Jahre lang arbeitete der gebürtige Hamburger als Banker. Nach der Finanzkrise hatte er genug von dem Job, er stieg aus und gönnte sich eine zweieinhalbjährige Pause, um mehr Zeit mit seinen zwei Söhnen, damals sieben und neun Jahre alt, verbringen zu können. Als die beiden Weihnachtsgeschenke für ihre Großeltern machen wollten, ging er mit ihnen in ein Keramik-Atelier und kam beim Malen selbst auf den Geschmack. „Dieser Teller hier ist unverkäuflich“, sagt er schmunzelnd und holt einen blauen aus dem Regal, der mit Zitronen verziert ist, ein Stück, das er in seiner Anfangszeit als Hobby-Maler bemalte. Die Zitronen sind nicht so sonnengelb, wie er es sich damals erhofft hatte. „Für die Keramik-Malerei gilt auch: Der Weg ist das Ziel“, sagt er philosophisch.

Julia Nebl arbeitet an einer Tasse für ihre Mutter.

Als Probst im Dezember 2014 in der Leipziger Straße sein eigenes Keramik-Atelier als Franchise eines Berliner Unternehmens eröffnete, gehörte zum Konzept, dass er seine Kundinnen und Kunden nicht allein lassen wollte. Wer zum Malen kommt, erhält von ihm oder einer seiner Mitarbeiterinnen eine Einführung in unterschiedliche Maltechniken und den Gebrauch der Farben, denn wer besonders kräftig leuchtende haben will, siehe Zitronen, der sollte beispielsweise nicht eine helle Farbe auf eine dunkle Grundierung auftragen. Dazu gibt es für die Kundinnen und Kunden schriftliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen in drei Sprachen, damit jeder noch einmal nachlesen kann. Die Farben sind übrigens alle ungiftig und lassen sich, wenn mal etwas daneben geht, mit Wasser aus der Kleidung spülen.

Nach der Einführung können die Keramik-Maler sich aussuchen, was sie bemalen möchten. In hohen Regalen stehen im Atelier neben Schalen, Tellern, Kannen und Tassen in allen erdenklichen Größen und Formen auch Figuren, etwa Dinosaurier, und, für die ganz Harten, sogar Totenschädel.

Mit bis zu 100 Tönen ist auch die Farbauswahl groß. Daneben gibt es Malhilfsmittel, wie zum Beispiel Stempel, Schablonen und Pauspapier. Ein bei Jungen beliebtes Motiv ist der Eintracht-Adler. „Beim Ausmalen sind sie locker zwei Stunden beschäftigt“, sagt Probst. Wer übrigens wie Julia Nebl bei der ersten Sitzung nicht fertig wird mit dem Bemalen seiner Keramik, weil das erdachte Design aufwendig ist, kann sie im Atelier lassen und an einem anderen Tag vollenden. Ist das Meisterstück dann fertig, wird es vom „Paint your style“-Team glasiert und anschließend gebrannt. Nach ein bis drei Tagen kann das fertige Produkt abgeholt werden.

Die im Atelier verwendeten Farben sind ungiftig und lassen sich mit Wasser aus der Kleidung waschen.

Viele, die zu Martin Probst ins Atelier kommen, sind inzwischen Stammkunden. Vor der Corona-Pandemie erschienenen sie oft in Gruppen, etwa um Geburtstage, Firmenfeiern, Überraschungspartys oder sogar Junggesellinnen- und Junggesellenabschiede mit eigenem Catering zu feiern. Bei einer solchen Gelegenheit baten junge Frauen, für die Braut einen Stripper mitbringen zu dürfen. „Ich hab gesagt, wenn die Kinder raus sind, könnt ihr das machen“, erzählt er und lacht.

Wegen des Corona-Abstandsgebots musste er die Zahl der Arbeitstische im Atelier verkleinern. Wer werktags allein ins Atelier kommt, findet jetzt im Sommer in der Regel immer ein Plätzchen. An den Wochenenden könnte es eng werden. Eltern etwa, die mit ihren Kindern vorbeikommen wollen, sollten vorher unbedingt reservieren.

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