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Oberbürgermeister Peter Feldmann spricht in der Westendsynagoge.
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Oberbürgermeister Peter Feldmann spricht in der Westendsynagoge.

Warnung vor „Barbarei“

OB Feldmann will NPD-Verbot

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Gedenkstunde zur Synagogenzerstörung befasst sich mit der bedrückenden Gegenwart. Rechte Ausschreitungen sollen ein „Weckruf“ sein.

Als die Menschen in die Westend-Synagoge strömen, sind nur wenige junge darunter, die meisten zeigen doch schon graues Haar. 78 Jahre nach der Pogromnacht von 1938, bei der in Deutschland 1500 Synagogen zerstört wurden, steht ein dramatischer Bruch ins Haus. Und Salomon Korn, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, der wie stets leise spricht, aber sehr präzise und konzentriert, benennt ihn: „Das Verstummen der Zeitzeugen“, das Verschwinden der Menschen, die noch persönlich die nationalsozialistische Gewaltherrschaft erlebt haben.

Was tun angesichts dieses unaufhaltsamen Verlusts? „Das Leid darf nicht der Vergessenheit anheimfallen“, sagt Korn in beschwörendem Ton. Er hält die Parole des 84-jährigen israelischen Historikers Saul Friedländer dagegen: „Die wichtigste Botschaft an die Nachgeborenen ist Humanität und Toleranz.“

Doch Korn hat sich noch nie mit dem Beschwören der Vergangenheit zufriedengegeben. Er ist in seiner Rede ganz in einer bedrückenden Gegenwart: 1366 antisemitische Gewalttaten in Deutschland im vergangenen Jahr, dazu kommen Rassismus und Intoleranz als „die düsteren Brüder im Geiste.“ Die Ausschreitungen in Heidenau, Freital oder Bautzen könnte man „auch als Pogrome bezeichnen“, allemal aber als „Weckruf“.

Und Korn zitiert den berühmtesten Satz des italienischen Autors und Holocaust-Überlebenden Promo Levi: „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen.“

Doch es gibt zwei Reden bei dieser Gedenkstunde in der Synagoge, die jeweils auf ihre Weise sehr politisch sind. Die andere hält Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Grüße an Pegida inakzeptabel

Er stellt die Frage in den Mittelpunkt: „Wie vorgehen angesichts der rechtspopulistischen Erfolge“? Und warnt schon vor einer Sprache des Einverständnisses. Etwa, wenn der Polizist den Pegida-Demonstranten in Dresden „noch einen schönen Tag“ wünsche.

„Der Weg in die Barbarei ist ein Weg der vielen kleinen Schritte“, sagt der Sozialdemokrat. Und jedem Schritt müsse man sich entgegenstellen. Er erwähnt die tödlichen Schüsse eines sogenannten „Reichsbürgers“ auf einen Polizisten. Oder die Tatsache, dass jetzt untersucht wird, ob der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) nicht vor etlichen Jahren auch den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee geschändet habe.

Dass man sich heute wieder in der Westend-Synagoge treffen könne, sei „alles andere als selbstverständlich“, resümiert Feldmann. Es bedeute letztendlich: Die Nazis haben uns nicht besiegt.“

Im Publikum sitzt die politische Führungsspitze der Stadt, von Bürgermeister Uwe Becker (CDU) bis Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Der OB blendet noch einmal zurück auf die Pogromnacht von 1938, als 30 000 jüdische Männer verschleppt und 1500 Menschen ermordet worden seien.

Doch Feldmann wäre nicht Feldmann, würde er nicht mit einem sehr aktuellen Anliegen enden. „Die NPD muss endlich verboten werden.“

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