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Anti-Regierungs-Protest in den Straßen Nicaraguas.

Granada

Feldmann sagt Reise nach Nicaragua ab

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Oberbürgermeister Peter Feldmann sagt seine seit längerem geplante Reise in die nicaraguanische Partnerstadt Frankfurts endgültig ab. Die Lage vor Ort erscheint den Fachleuten im Römer als zu unsicher.

Für Granada ist das keine gute Nachricht. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat seine seit längerem geplante Reise in die nicaraguanische Partnerstadt Frankfurts endgültig abgesagt. Zu unsicher erscheint den Fachleuten im Römer die Lage in der Kommune am großen Nicaraguasee. Die 130 000 Einwohner zählende Gemeinde ist voll erfasst worden von den Auseinandersetzungen zwischen sandinistischer Regierung und Opposition. Ursprünglich wollte Feldmann am 24. Juni zur Reise in die Partnerstadt aufbrechen, mit der ein Vertrag 1991 unterschrieben worden war. Dann wurde die Fahrt zunächst verschoben, weil in den Straßen Granadas gekämpft wurde und es Todesopfer gab.

Reinhold Dallendörfer, Sprecher des Vereins „Städtepartnerschaft Frankfurt-Granada“, bedauert die Absage des OB. Tatsächlich habe sich die Lage in Granada im Vergleich zum zurückliegenden Sommer beruhigt. Es gebe keine offenen Kämpfe und brennenden Barrikaden mehr. „Es ist in Granada ruhiger als im Rest des Landes.“ Wohl aber herrsche „ein Klima der Einschüchterung“. Die Regierung lasse Gegner verhaften und vor Gericht stellen.

Demokratische Zivilgesellschaft stärken

Um so wichtiger sei es jetzt für Frankfurt, den Kontakt mit seiner Partnerstadt nicht abreißen zu lassen und die demokratische Zivilgesellschaft dort zu stärken. Das habe der Verein auch in einem Brief an den Oberbürgermeister verdeutlicht und Feldmann aufgefordert, doch zu reisen. „Wir sind unbedingt dafür, den Dialog fortzusetzen“, so der pensionierte ehemalige Schulleiter.

Der 65-jährige Dallendörfer und seine Ehefrau, die Ärztin Birgit Koch-Dallendörfer, wollen deshalb am 5. Februar zur Reise nach Granada aufbrechen. Es ist für sie die erste Fahrt nach langer Unterbrechung. Seit mehr als 30 Jahren organisiert das Ehepaar praktische Hilfe für die Menschen vor Ort. Mehr als 50-mal haben sie die 9200 Kilometer lange Strecke (Luftweg) zurückgelegt.

„Wir arbeiten nicht mit der Regierung und mit offiziellen Stellen zusammen, sondern mit den Menschen vor Ort“, sagt Dallendörfer. Eine Trinkwasserversorgung wurde aufgebaut, eine Vorschule für Kinder, Krankenhäuser, ein Frauenzentrum, es gab Löschfahrzeuge für die Feuerwehr, Unterstützung für Behinderte und anderes mehr.

Auch jetzt steht ein ausrangiertes Fahrzeug der Frankfurter Berufsfeuerwehr für den Transport nach Nicaragua bereit. Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) habe bereits einen Transportkostenzuschuss zugesagt. Nur ein Schiff, mit dem das Löschfahrzeug transportiert werden kann, haben die Frankfurter noch nicht gefunden.

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