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Die Paulskirche.

Paulskirche

OB lädt in die Frankfurter Paulskirche

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Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann gibt FR-Lesern Einblick in die Pläne zur Umgestaltung des historischen Baus.

Es ist mehr als bloße Koketterie, wenn Peter Feldmann sagt, dass er sich auf dieses alljährliche Treffen mit FR-Leserinnen und -Lesern freue. Tatsächlich fühlt sich der Sozialdemokrat im persönlichen Gespräch wohl, insbesondere wenn es um „seine“ sozialpolitischen Themen geht. Hier agiert er befreiter als bei der Pflichtrede vor den 1000 geladenen Prominenten der Frankfurter Operngala.

In diesem Jahr lädt der Oberbürgermeister zum ersten Mal in die Paulskirche ein. Kein Zufall. Die Zukunft dieses geschichtsträchtigen Bauwerks im Herzen der Stadt will Feldmann zu einem wichtigen Thema seiner zweiten Amtszeit bis 2024 machen. In den zurückliegenden Monaten hat er sich, vorwiegend hinter den politischen Kulissen, engagiert dafür eingesetzt, das Bauwerk national wieder stärker in den Fokus zu rücken. Durch die Errichtung eines „Demokratiezentrums“ soll die Paulskirche noch mehr als bisher zum Symbol für Demokratie und Meinungsfreiheit werden.

Bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), warb der OB um Unterstützung – mit Erfolg: Eine finanzielle Beteiligung des Bundes am Projekt Paulskirche scheint demnach recht sicher.

Das Gebäude muss saniert werden, viele technische Standards entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Kommunalpolitik hat sich darauf verständigt, die Paulskirche dabei in der bewusst bescheidenen Gestalt zu belassen, in der sie 1948 wieder eröffnet worden war. Nach der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wollte man ein Zeichen für einen Neubeginn in einem demokratischen Deutschland setzen. Kein Zurück gab es damals zum baulichen Zierrat des 19. Jahrhunderts, etwa der großen Empore im ersten Stockwerk. Und dabei soll es auch heute bleiben.

Demokratiezentrum geplant

Das angestrebte Demokratiezentrum könnte auf der heutigen Freifläche zwischen Paulskirche und Berliner Straße errichtet werden, die heute tatsächlich noch zum Teil als Autostellplatz genutzt wird – was so gar nicht zu einer fortschrittlichen Verkehrspolitik im Zeichen des Klimawandels passt. Dabei ist „Demokratiezentrum“ nur ein provisorischer Name für ein Gebäude, das an die Geschichte der Paulskirche erinnern, aber auch Raum für Veranstaltungen bieten soll. Feldmann stellt sich einen Ort des Diskurses vor, bei dem es auch um den Rechtspopulismus von heute geht.

Über diese Perspektive für die Paulskirche will das Stadtoberhaupt mit den FR-Leserinnen und -Lesern vor Ort sprechen. Danach geht es dann hinüber in den Römer und hinauf zum Dienstzimmer des Oberbürgermeisters im ersten Stockwerk. Hier bekommen die Besucherinnen und Besucher aus erster Hand Einblick in den Arbeitsalltag des OB.

Immer wieder sorgt für Erstaunen, wie bewusst karg dieser Raum gehalten ist. Ein schmuckloser Schreibtisch, der stets peinlich aufgeräumt wirkt und ein zweiter Tisch, an dem die Interviews mit dem Politiker geführt werden. Das ist alles. Tatsächlich hält sich der 60-Jährige hier kaum auf. Dafür sorgt schon sein Terminkalender, der den OB der fünftgrößten deutschen Stadt zwischen den USA, Japan, der Türkei und dem Rhein-Main-Gebiet in Atem hält.

Nach Feldmanns Wahl 2012 blieben die Wände seines Büros ein Jahr lang komplett weiß. Vom Privileg Frankfurter Stadtoberhäupter, sich aus dem Bestand Frankfurter Museen Kunstwerke liefern zu lassen, machte der Sozialdemokrat keinen Gebrauch. Erst auf Drängen seines Teams wählte Feldmann schließlich eine moderne Schwarz-Weiß-Fotografie aus: „Tokio Driving“ von Martin Liebscher. Verwischte Konturen, die auch zur Dynamik Frankfurts passen könnten. Das Foto hängt an der linken Längswand.

Schließlich werden die FR-Leserinnen und Leser noch im Magistratssitzungssaal Gelegenheit haben, bei Kaffee und Kuchen mit dem OB zu diskutieren. In dem holzgetäfelten Raum, am langen polierten Tisch, tagt üblicherweise die Stadtregierung. Die Atmosphäre wirkt plüschig-verstaubt mit den schweren Vorhängen und den wuchtigen Polsterstühlen. Aber das bleibt natürlich ohne Einfluss auf die Beschlüsse des Magistrats.

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