Ergriffen lauschen die Gäste dem ersten Ton.

Höchst

Neue Bolongaro-Glocke wird eingeweiht 

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OB und Bürgerverein lassen erstmals die neue Bolongaro-Glocke erklingen. Nie mehr möge sie durch Krieg verstummen, wünschen die Beteiligten.

Ein Ton schwebt durch die Lüfte. Surrt und säuselt, schmeichelt dem Ohr. Es ist kein grelles Ping und schon gar kein lautes Dong. Eher ein neckisches Bing mit weichem B. „Ein kleiner Sopran“, sagt eine Frau, „so soll es sein.“ Oberbürgermeister Peter Feldmann und die Bürgervereinigung Höchster Altstadt haben am Montag erstmals die neue Glocke des Bolongaropalasts geläutet. Das Publikum ist entzückt.

Geschickt hat die Stadt den Termin ein paar Minuten vor die große Schlossfest-Pressekonferenz gelegt. Es mangelt der Zeremonie also nicht an Lauschern. „Wir haben den Klang bisher nur von Hand geschlagen gehört“, sagt Wolfgang Weber von der Bürgervereinigung. Aus nächster Nähe. Nun folgt die Feuerprobe, das Bing in freier Wildbahn, der Klang im Garten.

„Wie süß“, sagt eine Besucherin, „sehr sanft, da kann sich keiner beschweren.“ „Hier wohnen ja auch Leute“, sagt Weber. 5400 Euro haben er und seine Mitstreiter gestiftet, um das feine Bing wieder nach Höchst zu holen. Und nicht etwa ein Geläut, das die Anwohner aus dem Bett wirft. Die waren ob der Ankündigung vor einem Jahr, die Glocke kehre ins Türmchen zurück, zunächst etwas irritiert, um nicht zu sagen: alarmiert.

Inzwischen sind aber alle Anwohner zufrieden mit dem zarten Bing. Zumal es sich nur zwischen 8 und 20 Uhr meldet, zur vollen und halben Stunde. „Ein richtiges Dorfgefühl“ vermittele das, lobt ein Nachbar. Nicht, dass Höchst ein Dorf sei, beeilt er sich zu sagen. Eher vom Gemeinschaftsgefühl her gedacht. Das sieht auch OB Feldmann so. Für ihn ist das Bing zunächst ein Zeichen für bürgerschaftliches Engagement. Steht auch drauf: Krieg ließ mich verstummen / Bürgersinn wieder erklingen.

Über Dekaden hätten die Höchster für die Sanierung ihres Palasts gefochten, lobt Feldmann. Genau bei dieser Sanierung haben Fachleute das alte Schlagwerk im Turm entdeckt. Da war die Glocke aus dem 18 Jahrhundert schon 77 Jahre lang verstummt. 1941 haben Frevler sie abmontiert und nach Hamburg gebracht, dort verliert sich die Spur. Besagte Frevler haben sie wohl zu Rüstungszwecken eingeschmolzen.

Die Nachfolgerin wiegt schlanke 78 Kilogramm. Geformt hat sie die Glockengießerei Rincker in Sinn im Lahn-Dill-Kreis. Sie soll nie wieder verstummen, wünscht Wolfgang Weber. Findet auch Peter Feldmann. „Es ist ein Geschenk, dass es in Europa so lange friedlich geblieben ist.“ Das Bolongaro-Bing soll darum auch erinnern, dass die Frankfurter zusammen stehen und niemanden diskriminieren.

Um eine Minute vor 13 Uhr drücken die Honoratioren den roten Knopf im Garten des Palasts. Den ganzen Vormittag hat die Turmuhr geduldig auf diesem Moment gewartet und kurz vor Eins angezeigt. Dann springt der Zeiger um. Ein feines Bing schwebt durch die Luft.

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