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In irgendeinem Fachbereich klappt‘s schon mit dem Zweier-Schnitt.

Abitur

Abiturienten feiern in Frankfurt nach dem Stress

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Mehr als 1000 Jugendliche treffen sich nach dem schriftlichen Abitur im Grüneburgpark.

Klara hat eine Mülltüte von zu Hause mitgebracht. Eine von diesen großen schwarzen Mülltüten. In die so richtig viel hineinpasst. Damit läuft die 19-jährige Abiturientin über die Wiese im Grüneburgpark, zwischen Hunderten Jugendlichen durch, die am Donnerstagnachmittag ausgelassen das Ende ihrer schriftlichen Abiturprüfungen feiern. Klara sammelt Plastikbecher von der Wiese. Verpackungen von Eiswürfelbeuteln. Kleine Schnapsflaschen. „Ich hab schon noch vor, heute Spaß zu haben“, sagt sie, schließlich hat auch sie die letzte schriftliche Prüfung nun hinter sich gebracht. Aber sie sei auch am Freitag auf der Klimaschutz-Demo gewesen. „So wie viele meiner Mitschüler – da ist es jetzt affig, den Müll auf den Boden zu werfen.“

Mehr als 1000 Jugendliche haben sich am Donnerstagnachmittag im Grüneburgpark zum Feiern getroffen. Wie jedes Jahr kommen sie in der Grünanlage zusammen und bringen viel Alkohol und Musik mit. Mit Müllsäcken laufen die wenigsten herum. Nur die Sauberkeitsbotschafter und -botschafterinnen von #cleanffm streifen zwischen den Feiernden mit grünen Müllsäcken umher. Sie verteilen sie auch und sprechen mit den Jugendlichen darüber, den Müll doch in Tüten oder Mülltonnen zu werfen. 20 offene und 25 Tonnen mit Deckel wurden aufgestellt. Damit vielleicht nicht ganz so viel Müll wie in den Jahren zuvor liegenbleibt.

„Aber es sind jetzt schon Mülltonnen als Sitzmöbel zweckentfremdet worden“, sagt Claudia Gabriel, Leiterin der Stabstelle „Sauberes Frankfurt“ um Viertel nach vier.

Manche haben sich zum Feiern richtig schick gemacht.

Die Stimmung unter den Abiturienten und Abiturientinnen ist ausgelassen. Die einen spielen das Trinkspiel Flunkyball, andere spritzen sich Apfelkorn aus der Wasserpistole in den Mund. Musik aus zahlreichen tragbaren Boxen schallt über die Wiese. Es wird gegrölt und gekreischt – und sich Huckepack zu nehmen, das klappt schon nicht mehr bei allen so gut. Aber es gibt ja auch wirklich was zu feiern. „Das war vorher Stress“, sagt Tom aus Obertshausen. „Jeder erwartet von einem, dass man das Abitur schafft.“ Wenn nicht, dann sei man abgestempelt. „Ein Realschulabschluss ist nichts mehr wert, aber das ist eigentlich schade.“

Auch sein Mitschüler Jonas spricht vom „Druck aus der Verwandtschaft und von Lehrern“, das mit dem Abitur hinzubekommen. Umso erleichterter sind alle, dass die Prüfungen vorbei sind. Beer-Pong spielen die Obertshausener zur Feier des Tages. „Jetzt kann ich was trinken, die Anspannung ist abgefallen. Das befreit“, sagt Janina. Die mündliche Prüfung steht zwar noch an, „aber das ist relativ einfach im Gegensatz zur schriftlichen“, sagt Jonas.

Frankfurt: Stadtpolizei bleibt während Abi-Fete entspannt

Wo Klara vor 20 Minuten noch aufgeräumt hat, liegen inzwischen wieder Schnapsflaschen und Saftpackungen herum. Von Leah und Corinna von der Wöhlerschule stammen sie nicht. „Wir haben bisher nichts hinterlassen und haben es auch nicht vor“, sagen die beiden. Sie tragen grüne Sweatshirts mit Badeschlappen darauf und der Aufschrift „Abiletten – so schlappen wir davon“. Weil sie nun eben aus der Schule schlappen. „Es ist eine große Last abgefallen“, sagt Leah. „Wir haben viel gelernt vorher und die Prüfungen sind gut gelaufen.“

Manche haben sich zum Feiern richtig schick gemacht.

Die Sonne meint es gut an diesem Tag mit den Abiturientinnen und Abiturienten, die ihre Schulzeit nun fast beendet haben. Sie scheint den ganzen Tag. Aber war es im vergangenen Jahr bei Regenwetter schon um zwei Uhr gerappelt voll auf der Wiese, geht es in diesem gemächlicher los. Erst um vier ist langsam so richtig viel los. Das findet Claudia Gabriel gar nicht so schlecht. „Da hatten wir die Chance, noch vernünftige Gespräche zu führen“, sagt sie. Der Alkoholkonsum sei eben noch nicht so hoch gewesen. Und immerhin drei volle Müllsäcke wurden bis vier Uhr schon am Stand von #cleanffm abgegeben. Wer einen Sack bringt, kann einen Kinogutschein gewinnen. Und am heutigen Freitag wird gemeinsam unter anderem mit dem Stadtschülerrat aufgeräumt. Gabriel hofft auch, dass viele Schülerinnen und Schüler kommen. Immerhin gibt es ein Preisgeld für die Schule zu gewinnen, die den meisten Müll einsammelt.

Viele Pfandflaschen werden dann nicht in den Müllsäcken sein. Die Flaschensammler sind schließlich am Donnerstag auch unterwegs. Mancher Schüler trinkt das halbe Bier auf ex, damit die Dose gleich entsorgt wird. „Sie reichen sie einem, das ist nett“, sagt ein Flaschensammler aus Frankfurt. Allerdings müsse man bei steigendem Alkoholpegel ein wenig aufpassen. „Dann schlägt es schnell in Aggression um.“ Vorhin habe ihn einer mit einer kleinen Wodkaflasche beworfen. Drei Einkaufstaschen und einen Trolley hat er bereits mit Pfandgut gefüllt, vergangenes Jahr 60 Euro eingenommen. Das Geld gibt er den vier Enkelinnen. „Die stecken es ins Sparschwein.“

Die Stadtpolizei nennt die Situation am späten Nachmittag entspannt. Auch die Rettungskräfte sind gelassen. „Es ist ruhiger und gesitteter als in den vergangenen Jahren“, sagt Frank Johanns, Einsatzleiter des ASB. Um 17.15 Uhr kommt der erste richtige Einsatz: Einer jungen Frau ist übel, sie erbricht sich. Die Vitalparameter sollen aufgenommen werden, „dann entscheiden wir, ob sie ins Krankenhaus muss oder wir die Eltern anrufen“. Weiterfeiern ist wohl eher nicht drin.

Genügend anderen geht es da besser. Die Obertshausener haben vor, noch länger Party zu machen. Später soll es noch nach Alt-

Sachsenhausen gehen. Man feiert schließlich nur einmal sein Abitur. Nur der nächste Morgen, der könnte hart werden: Sie müssen um 7.40 Uhr in der Schule sein.

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