Das vietnamesische Neujahrsfest Tet wird am 29. Februar mit Drachentanz und Neujahr-Tänzen zu vietnamesischen Hits auch in Frankfurt gefeiert. Foto: Rolf Oeser
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Das vietnamesische Neujahrsfest Tet wird am 29. Februar mit Drachentanz und Neujahr-Tänzen zu vietnamesischen Hits auch in Frankfurt gefeiert. Foto: Rolf Oeser

Heddernheim

Feiern mit gezähmtem Drachen in Frankfurt

  • Nadine Benedix
    vonNadine Benedix
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2020 ist das Jahr der Ratte: Der Verein vietnamesischer Flüchtlinge in Frankfurt begeht das Neujahrsfest mit prachtvollen Kostümen.

Tanzend schlängelt sich der grellgelbe Drache durch die Menschenmenge, geführt wird er dabei von einem verkleideten Buddha. Er schillert und glitzert in grellgelb, dank seiner großen freundlichen Augen sieht er sogar etwas putzig aus. Die Showeinlage ist der traditionelle Höhepunkt der Feierlichkeiten zum vietnamesischen Neujahr – so auch bei dem Fest des Vereins vietnamesischer Flüchtlinge in Frankfurt am Samstagabend im Titusforum. „Normalerweise sind Drachen auch im vietnamesischen Glauben gefährlich, aber da der Buddha ihn gezähmt hat, glaubt man, dass er Glück und Wohlstand bringen wird“, erklärt Thai Nguyen vom Verein.

Er ist schon lange an der Organisation des Fests in Frankfurt beteiligt. Die Idee, das vietnamesische Neujahr auch in Frankfurt feierlich zu begrüßen, entstand in den 1980er Jahren. Damals hatte Frankfurt viele vietnamesische Flüchtlinge aufgenommen und in Wohnheimen in Rödelheim und an der „Schönen Aussicht“ untergebracht. Nguyen, der schon länger in Deutschland lebte, arbeitete als Dolmetscher für die Neuankömmlinge. Die Geflüchteten entschlossen sich zur Vereinsgründung und zur jährlichen Organisation eines Frankfurter Tet-Fests. Heute kommen zu diesem Anlass auch viele Familien aus dem Umland. „Wir wollen, dass auch unsere Kinder, die vielleicht nie in Vietnam das Fest mitgefeiert haben, die Traditionen und Bräuche kennenlernen können“, sagt Nguyen.

Jedes Jahr steht in der vietnamesischen Tradition unter dem Eindruck eines bestimmten Tieres: 2020 wird so das Jahr der Ratte sein. „Das ist ein gutes Zeichen“, meint Nguyen. Die Ratte stehe nämlich für Intelligenz und Anpassungsfähigkeit – zwei Eigenschaften, die in Anbetracht der aktuellen Krisen besonders wichtig seien. Für mehr Glück im neuen Jahr wird am Tet-Fest auch der Ahnen gedacht. In einer von Musik begleiteten Zeremonie wird dabei vor einem Tisch mit Opfergaben, wie Essen und Blumen, an die Verstorbenen erinnert.

„Beim Tet-Fest stehen die Ältesten der Familie im Mittelpunkt“, berichtet Nguyen. In Vietnam reise man deshalb immer zu seinen Eltern. Während der dreitätigen Feier besuche man zuerst die Familienältesten, mit denen man gemeinsam der Ahnen gedenke, am zweiten Feiertag feiere man in einer kleineren familiären Runde und am dritten Tag auch mit Freunden. Der wichtigste Bestandteil dieser Treffen ist natürlich das gemeinsame Essen. „Das wird immer schon vorher vorbereitet. Während der Feiertage soll niemand kochen müssen“, sagt Nguyen.

Die Hauptspeise: Eine Art Reiskuchen mit Fleisch und Bohnenfüllung. Dieser wird in Bananenblätter eingewickelt und so lange haltbar gemacht. Auch beim Frankfurter Neujahrsfest gibt es den Kuchen sowie noch viele weitere Spezialitäten wie Sommerrollen, Schweinebraten und Nachspeisen aus Mungobohnen.

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