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„Fecher“-Rodung: „Das ist Zerstörung der Zukunft“

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Von: Thomas Stillbauer

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Tränen im Wald: der „Fecher“ am Montag nach der Räumung und dem Rodungsbeginn.
Tränen im Wald: der „Fecher“ am Montag nach der Räumung und dem Rodungsbeginn. © Peter Jülich

Die Initiativen im Fechenheimer Wald ziehen Bilanz und kündigen weitere Proteste an. Enttäuscht von der Politik.

Kritik an Polizei und Politik haben Wald- und Klimaschützer:innen am Montag im Fechenheimer Wald geäußert. Am Ort der jüngsten Auseinandersetzungen um die Rodung für den Bau des geplanten Riederwaldtunnels warfen sie der Polizei übermäßige Gewalt vor – und den Regierungsparteien eine Politik aus der Vergangenheit.

Der „Fecher“ bot am Montag ein anderes Bild als in den umkämpften Tagen der vorigen Woche. Zäune standen nur noch an den gerodeten Baustraßen, kein Polizist war im Wald zu sehen. Ein Baumhaus thronte hoch über der Szenerie; insgesamt sollen zwei Hütten noch intakt sein.

„Es war David gegen Goliath“, sagte die Aktivistin, die sich Elsa nennt. Das Prinzip „Sicherheit vor Schnelligkeit“ sei nicht eingehalten worden, stattdessen hätten Polizei- und Rodungskräfte Menschen in Gefahr gebracht und die Waldvegetation stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Polizei bestreitet das.

„Erschreckend“ nannte die Aktivistin, dass Baumhaus-Verteidiger mit Luftdruckpistolen bedroht worden seien. Den Vorwurf des Hausfriedensbruchs wies sie zurück: Das Waldbetretungsverbot sei ausgesprochen worden, als das Protestcamp dort schon Monate bestand. „Aber es war nicht alles umsonst“, sagte Elsa. „Wir haben ein Zuhause errichtet und unsere Utopie gelebt, die unzerstörbar ist.“

„Extrem peinlich für die Stadt“ nannte Viola Rüdele vom Bündnis Verkehrswende Frankfurt die Vorgänge im Fechenheimer Wald. Sie nannte den Bau weiterer Autobahnen, die noch mehr Verkehr anziehen würden, „Verkehrspolitik aus den 1970er Jahren“. Dass Straßenbefürworter:innen die Räumung als friedlich und fair bezeichnet hätten, sei zynisch. Die Räumung habe unter Anwendung von Gewalt stattgefunden, die sich auch gegen künftige Generationen und gegen Menschen in Ländern richte, die noch mehr unter der Klimakrise litten. „Was hier passiert, ist Klimaterrorismus“, warf sie den Verantwortlichen vor.

Tunnel als Bedrohung

„Unterm Strich ist es eine Niederlage“, sagte Alexis Passadakis von Klima-Attac. Trotzdem habe die Bewegung viel gewonnen: „Wir werden den Autobahnbau weiter auf die Agenda setzen – es ist völlig klar, dass zum Beispiel der Ausbau der A5 auf heftigen Widerstand stoßen wird.“ Dass Grüne mitregierten und es trotzdem nicht möglich sei, solche Projekte zu verzögern oder zu stoppen, sei „eine Erkenntnis für viele“. Passadakis kritisierte, dass am Montag noch eine Person festgehalten wurde, weil sie ihre Identität nicht preisgeben wollte. „Da werden wir politischen Druck machen.“

Rainer Frey von der Bürgerinitiative Riederwald sagte: „Für uns ist das, was hier passiert, etwas ganz Bitteres.“ Menschen vor Ort sähen den geplanten Tunnel zur Verbindung der Autobahnen 66 und 661 nicht als Entlastung, sondern als Bedrohung. „Viele sind weinend hier rausgegangen.“ Es gehe „nicht um die, die hier Auto fahren wollen, sondern um die, die hier auch in Zukunft leben wollen“. Das Gelände zwischen Erlenbruch und Hessen-Center werde sich künftig nicht mehr wie ein Wald anfühlen. Frey nannte es traurig, dass die Politik – abgesehen vom Ortsbeirat – mit der Haltung aufgetreten sei: „Man kann nichts mehr machen.“ Das Projekt hinterlasse den Eindruck: „Das ist keine Zukunft – das ist die Zerstörung der Zukunft“.

Absurd nannte die Aktivistin Elsa eine Äußerung des Frankfurter CDU-Fraktionschefs Nils Kößler, „dem Glücksgefühl der Demonstranten als persönliches Erlebnis“ stünden „unglaubliche Lasten für die Allgemeinheit gegenüber“. Elsa empfahl dem Politiker, sich selbst einmal einer solchen Räumung auszusetzen: „Das sind keine Glücksgefühle, das ist etwas, was man so schnell nicht vergessen kann.“ Viola Rüdele sagte, die Demonstrierenden verursachten keine Kosten, sondern die Räumung. „Noch mehr Geld kann der Staat sparen, wenn er keine Autobahnen baut.“

Willi Loose vom Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn beklagte, ihm sei der Zutritt zum gerodeten Gelände verwehrt worden, um zu prüfen, ob Spuren des Heldbockkäfers zu finden sind. Wegen des vermuteten Vorkommens des Insekts wurde ein halber Hektar Wald noch nicht gerodet.

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