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Fecher in Frankfurt: Die Waldbesetzung ist vorbei

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Von: Florian Leclerc

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Ein Hubsteiger nähert sich einem Baumhaus, wo SEK-Kräfte auf dem Dach stehen, um Menschen herunterzuholen. Peter Jülich
Ein Hubsteiger nähert sich einem Baumhaus, wo SEK-Kräfte auf dem Dach stehen, um Menschen herunterzuholen. Peter Jülich © Peter Jülich

Die Polizei beendet nach drei Tagen die Räumung im Fechenheimer Wald in Frankfurt und bringt die Baumhäuser zu Boden. Der Einsatz geht in den kommenden Tagen weiter.

Am dritten Tag der Räumung im Fechenheimer Wald in Frankfurt hat die Polizei die Waldbesetzung aufgelöst. Sieben Menschen hielten sich nach Polizeiangaben am Freitagmorgen in den verbliebenen Baumhäusern auf. Die Spezialeinheit SEK und weitere Einsatzkräfte holten sie am Vormittag aus den Bäumen; teilweise seilten sich die Menschen freiwillig ab.

Wie Ministerpräsident Boris Rhein und Innenminister Peter Beuth (beide CDU) am Nachmittag mitteilten, wurden mehr als 25 Personen in Gewahrsam genommen. 22 Personen wurden demnach unverletzt aus den Strukturen geholt; 25 Straftaten und 65 Ordnungswidrigkeiten wurden festgestellt. Bis zu 1800 Einsatzkräfte waren demnach pro Tag zugegen. Rhein und Beuth lobten die Polizeiarbeit als „friedlich und professionell“.

Stacheldraht-Zaun um Rodungsgebiet und Sicherheitszone

Der Einsatz begann, als es hell wurde. Vier Baumhäuser und zwei Plattformen gab es zu diesem Zeitpunkt noch. Den 40 Meter hohen „Highpod“ – ein Baumstamm, der über die Krone einer Eiche hinausragte – hatte die Polizei am Vortag entfernt. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) will einen Teil des „Highpods“ ab September in der Ausstellung „Protest/Architektur – Barrikaden, Camps und Smartphones“ zeigen.

Die Menschen aus der Waldbesetzung hatten sich auf mehrere Baumhäuser verteilt. Um 9.26 Uhr legte die Polizei eine Leiter an eines der Baumhäuser, wo sich zwei Aktivist:innen aufhielten. Eine Polizeisprecherin verlas einen Schriftsatz, wonach die Personen widerrechtlich im Wald seien. Eine Beschwerde gegen das Betretungsverbot hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel zuvor zurückgewiesen, ohne den Gang vor die nächste Instanz zuzulassen.

In der Nacht zum Freitag hatte die Autobahn-GmbH den Rodungsbereich und die Sicherheitszone umzäunt und den Zaun mit Stacheldraht versehen. Am Zaun standen am Freitag einige Aktivist:innen, die per Megafon riefen: „Ihr seid nicht allein, ihr seid nicht allein.“ Zu diesem Zeitpunkt stiegen SEK-Kräfte über die Leiter zum Baumhaus mit den zwei Personen, die auf dem Dach saßen. Gleichzeitig näherten sich weitere Beamte per Hubsteiger. Ein Aktivist ließ sich in den Korb heben und aus dem Wald tragen. Die zweite Person ging, begleitet von der Polizei, aus dem Wald in die Gewahrsamnahme.

Wie eine Polizeisprecherin sagte, werde die Identität der Personen geklärt. Die Kosten für den Einsatz wolle die Polizei den Aktivist:innen in Rechnung stellen. Die Vorwürfe reichten vom Hausfriedensbruch über Widerstand bis zu fehlenden Personalien. Die CDU im Römer teilte mit, der Einsatz gehe zulasten der Steuerzahler. Der Fraktionsvorsitzende Nils Kößler sprach von „unglaublichen Lasten für die Allgemeinheit“.

Rodung läuft schnell und präzise

Im Fechenheimer Wald holte die Polizei bis circa 11 Uhr alle weiteren Personen aus den Baumhäusern heraus. Im Lauf des Tages brachte die Polizei die vorhandenen Strukturen zu Boden. Dies sei „aus Sicherheitsgründen“ geschehen, sagte ein Polizeisprecher.

Der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller sowie parlamentarische Beobachtende wie Falko Görres aus der Fraktion „Die Fraktion“ im Römer beobachteten den Einsatz. Probleme, sich ein eigenes Bild zu machen, gab es, anders als in der Frühphase am ersten Tag der Räumung, nicht. Der Einsatzleiter, der die Landtagsabgeordnete Katy Walther (Grüne) am Mittwoch geschubst hatte, nachdem sie eine Flatterband-Absperrung für eine bessere Sicht überwunden hatte, nahm Stellung: Er habe sie nicht als parlamentarische Beobachterin erkannt und sie zu ihrer eigenen Sicherheit aus der Gefahrenzone bewegen wollen.

Nach Polizeiangaben wurden während des gesamten Einsatzes keine Personen verletzt. Die Autobahn-GmbH setzte am Freitag die Rodung einer drei Fußballfelder (2,2 Hektar) großen Waldfläche fort. Eichen, die mehr als 60 Zentimeter Durchmesser haben, und in denen der streng geschützte Heldbockkäfer und dessen Larven leben könnten, waren mit einem „K“ markiert und blieben stehen. Ein weiterer halber Hektar Wald soll nach einer Prüfung auf dem Heldbock im Sommer gefällt werden. Der Fechenheimer Wald ist insgesamt 15,5 Hektar groß.

Die Anwesenden waren am Freitag von der Präzision und Schnelligkeit der Rodung überrascht. Fällkräne brachten Bäume binnen Minuten zu Boden. Ein Häcksler verarbeitete Äste zu Kleinholz. Stämme wurden portioniert, verladen und weggefahren. Für die beiden Baustraßen wurde Schotter planiert. Surrende Sägen, brummende Motoren, piepende Fahrzeuge im Rückwärtsgang waren die Geräuschkulisse.

Mit dem Ende der Waldbesetzung ist der Einsatz nicht vorbei. Die Polizei werde die Rodung weiter begleiten, sagte ein Sprecher. Die Autobahn 66 soll am Sonntag wieder für den Verkehr freigegeben sein. Aktivist:innen rufen für Sonntag, 14 Uhr, nahe der U-Bahn-Station Kruppstraße zum Waldspaziergang auf. Am Polizeipräsidium ist eine Mahnwache für die Menschen in Gewahrsam.

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