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Fechenheimer Wald vor der Rodung: Noch einmal durch den Wald spazieren

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Von: Florian Leclerc

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Geoökologin Julia Krohmer schildert, wie vielfältig der Fechenheimer Wald ist.
Geoökologin Julia Krohmer schildert, wie vielfältig der Fechenheimer Wald ist. © Renate Hoyer

Die Geoökologin Julia Krohmer führt gut 250 Menschen durchs Rodungsgebiet im Fechenheimer Wald.

Julia Krohmer hat schon mehrfach Menschen bei einem Sonntagsspaziergang durch den Fechenheimer Wald geführt. So viele wie an diesem Sonntag seien es noch nie gewesen, sagt die Geoökologin, die Mitglied von Scientists for Future ist.

Damit die gut 250 Menschen ihren Worten zur Biodiversität im Fechenheimer Wald folgen können, greift sie zum Mikrofon, das ihre Stimme per Lautsprecher verstärkt. „In Deutschland ist dieser Waldtyp ein Hotspot für Artenvielfalt“, sagt sie.

In den meisten deutschen Wäldern wüchsen mehrheitlich Buchen. In dem verlandeten Mainaltarm in Fechenheim sei es den Buchen zu nass. Eichen und Hainbuchen kämen gut mit den Bedingungen zurecht. Die Bäume geben dem „Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald“ neben der krautigen Pflanze Sternmiere auch den Namen.

Besonders artenreicher Wald

Dieser Waldtyp sei in Deutschland selten, sagt Krohmer. Er sei via Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU schützenswert. In Deutschland müssten die Länder den jeweiligen Wald in eine Liste der schützenswerten Gebiete aufnehmen. Und das habe das Land beim Fechenheimer Wald nicht getan. Teile davon sollen nämlich für den Ausbau der Autobahn 66 fallen.

Neben Stieleichen und Hainbuchen wüchsen auch Ulmen, Rotbuchen, Berg- und Spitzahorn und Linden in dem diversen Wald. Das mache ihn widerstandsfähig gegen den Klimawandel, sagt sie, resilienter als Monokulturen. Im Unterholz gediehen Hasel, Pfaffenhütchen und Vogelkirsche. Sternmiere, Hexenkraut, Goldnessel und Buschwindröschen lebten bodennah. „Der Wald ist ein Idealtyp von Frühlingswald“, sagt Krohmer und erinnert an die farbenfrohen Kräuter und Sträucher im Frühjahr.

Im Fechenheimer Wald lebten auch zahlreiche Tiere. Spechte, Kernbeißer, Pirol - insgesamt 42 Vogelarten seien gesichtet worden. Außerdem neun Fledermausarten, darunter die streng geschützte Bechsteinfledermaus, sowie zahlreiche Libellen. „Den Wald zu zerschneiden wirkt sich negativ auf den Lebensraum der Tiere aus“, sagt sie.

Heldbock-Käfer unter Schutz

2015 wurde bei einer Untersuchung noch kein Nachweis des streng geschützten Heldbock-Käfers im Wald erbracht. Nachdem Aktivist:innen den Käfer im Sommer filmisch dokumentiert hatten und der BUND eine Überprüfung anregte, kamen zwei Gutachten der Autobahn-GmbH im Dezember zu dem Ergebnis, dass der Käfer sehr wahrscheinlich im Wald vorkomme. Zwei Baustraßen wurden verlegt, um Eichen, in denen Käferlarven leben könnten, nicht zu gefährden.

Im Sommer soll es eine weitere Untersuchung geben. Bis dahin sollte kein Wald gefällt werden, fordert Willi Loose vom Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn. Er kündigte ein anwaltliches Schreiben an.

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