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Fechenheimer Wald in Frankfurt: Besetzung soll Rodung verzögern

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Von: Florian Leclerc

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Eines von mehreren Baumhäusern im Fechenheimer Wald.
Eines von mehreren Baumhäusern im Fechenheimer Wald. Foto: Christoph Boeckheler © Christoph Boeckheler

Besetzerinnen und Besetzer bauen Baumhäuser und ein 40 Meter hohes Gestell im Fechenheimer Wald in Frankfurt. Im November soll die Rodung beginnen.

Mit zahlreichen Baumhäusern, Seilkonstruktionen und einem 40 Meter hohen Gestell wollen Besetzerinnen und Besetzer die Rodung des Fechenheimer Waldes blockieren.

„Wir werden alles tun, was die Räumung so lange wie möglich verzögert“, sagte eine vermummte Aktivistin, die sich Frieda nennt. Sie ist Teil einer Gruppe von meist jungen Menschen, die den Fechenheimer Wald seit gut einem Jahr besetzt hält.

Von November an will die Autobahn-Gesellschaft des Bundes Teile des Fechenheimer Waldes roden lassen. Im Wald soll eine Baustraße für den Ausbau der Autobahn 66 entstehen. Die zu rodende Fläche ist 70 bis 140 Meter breit und 230 Meter lang. Die Rodung sollte bereits im Vorjahr durchgeführt werden. Sie verzögerte sich wegen fehlender privatrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Vereinbarungen.

Tripod auf einem Baum

Wenn die Rodung beginne, würden sich Menschen in den Baumhäusern und Seilkonstruktionen aufhalten, führte Frieda aus. Besonders schwer zu räumen sei das etwa 40 Meter hohe Gestell, ein Tripod. Es besteht aus Stangen, die in einen Baum montiert sind. Die Konstruktion ist mit Seilen an weiteren Bäumen befestigt. Die Waldbesetzer:innen gaben an, ihren Protest friedlich und gewaltfrei durchführen zu wollen.

Autobahn

Im Frankfurter Osten soll die Autobahn 66, die derzeit am Hessen-Center endet, bis zur A 661 am Dreieck Erlenbruch ausgebaut werden, um 2,2 Kilometer, die Hälfte davon im sogenannten Riederwaldtunnel. Die Planfeststellung ist abgeschlossen. Gebaut werden soll voraussichtlich bis 2031. Die Kosten liegen derzeit bei geschätzt etwa 600 Millionen Euro. fle

Die Polizei in Frankfurt habe ein Räumungskonzept erhalten. Anders als bei der Räumung im Dannenröder Forst sollten sich Aktivist:innen bei der Räumung nicht verletzen. Dazu zählten neben körperlichen auch seelische Verletzungen. Die Polizei dürfe zum Beispiel nicht einfach Seile durchschneiden, sagte ein Aktivist. „Sonst besteht akute Verletzungsgefahr.“

Die Polizei teilte auf Anfrage mit, ihr liege ein solches Räumungskonzept der Aktivist:innen nicht vor. Zur anstehenden Räumung wolle sich die Polizei aus taktischen Gründen nicht äußern.

Wie viele Aktivist:innen sich im Wald aufhalten, und wie viele Baumhäuser und Konstruktionen es gibt, gaben die Besetzer:innen wiederum nicht zu Protokoll. Bei einem Pressetermin waren am Dienstag etwa 15 Umweltschützer:innen im Wald. Sichtbar waren etwa ein Dutzend Baumhäuser und weitere Konstruktionen.

Bitte um Unterstützung

Im Wald hingen Banner mit den Aufschriften „Fecher bleibt“, „Autonome Zone – no cops, no nazis“ und „antifaschistische Aktion“. Eine Aktivistin gab an, die Gruppe im Wald lebe antihierarchisch, anarchistisch und diskriminierungsfrei. Die Besetzer:innen warben um Solidarität in der Bevölkerung. Wer helfen wolle, könne Essen kochen, Fahrdienste leisten, an einer Mahnwache rund um die Uhr teilnehmen. Parlamentarische Beobachter:innen seien angefragt worden. Nötig sei eine psychologische, medizinische und juristische Betreuung. Musiker:innen könnten für Stimmung sorgen. Künstler:innen könnten die Räumung kreativ verarbeiten.

Julia Krohmer von der Senckenberg-Gesellschaft, die sich bei Scientists for Future engagiert, hob die Bedeutung des Fechenheimer Waldes hervor. Der Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald sei ein seltener Waldtyp und Lebensraum für zahlreiche Tiere. 42 Vogelarten lebten im Wald, darunter etliche Spechte, sowie Amphibien, Reptilien, Libellen. Werde der Wald zerschnitten, verliere er einen Großteil seiner wichtigen Funktionen.

Für den geschützten Käfer Heldbock, der im Wald vorkomme, gebe es noch kein Schutz- und Ausgleichskonzept, sagte sie. Die Ausgleichsmaßnahmen für die Bechsteinfledermaus funktionierten nicht gut. Die Initiative Wald statt Asphalt, die Bürgerinitiative Riederwald, das Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn und Scientists für Future forderten ein Moratorium für die Rodung und den Ausbau der A66. Die Autobahn GmbH geht dem Vorkommen des Heldbocks nach. Zur Bechsteinfledermaus läuft ein Monitoring.

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