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Fechenheimer Wald: Räumung jederzeit möglich

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Von: Florian Leclerc

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Die Fahrzeuge für die Fällarbeiten sind in der sogenannten Containerburg nahe dem Parkhaus Borsigallee.
Die Fahrzeuge für die Fällarbeiten sind in der sogenannten Containerburg nahe dem Parkhaus Borsigallee. Foto: Renate Hoyer © Renate Hoyer

Die Polizei bereitet mehrere Szenarien für den Einsatz im Fechenheimer Wald in Frankfurt vor. Sicherheit soll im Vordergrund stehen.

Parallel zur Räumung des wegen des anstehenden Kohleabbaus besetzten Dorfs Lützerath nördlich von Aachen bereitet die Polizei die Räumung des Fechenheimer Walds in Frankfurt zum Ausbau der Autobahn 66 vor. Aus taktischen Gründen will die Polizei Datum und Uhrzeit des Einsatzbeginns nicht nennen. Der Start sei ab sofort jederzeit möglich, rund um die Uhr, sagte eine Sprecherin. Kurz vor der Räumung werde eine Pressemitteilung verschickt. Der Einsatz ziehe erhebliche Verkehrsbehinderungen nach sich, unter anderem werde die A66 gesperrt.

Der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller sagte vor Pressevertreter:innen, die Polizei habe sich gründlich auf den Einsatz vorbereitet. Er werde ohne zeitlichen Druck ausgeführt. „Die Sicherheit steht für mich an oberster Stelle.“ Die Polizei nehme eine neutrale Rolle ein.

Waldsperrung zunächst bis Ende Januar

Das Rodungsgebiet ist bis zum 31. Januar gesperrt. Zum Schutz vor umfallenden Bäumen gilt eine Sperrzone im 90-Meter-Umkreis. Flatterband, Zäune oder Polizisten sollen die Sperrzone sichern. Gegen die Verfügung zur Waldsperrung haben die Aktivist:innen eigenen Angaben zufolge einen Eilantrag gestellt, um die Rechts- und Verhältnismäßigkeit gerichtlich prüfen zu lassen.

Die Aktivist:innen haben bereits angekündigt, dass der Fechenheimer Wald besetzt bleiben wird.
Die Aktivist:innen haben bereits angekündigt, dass der Fechenheimer Wald besetzt bleiben wird. Christoph Boeckheler © Christoph Boeckheler

Im Wald hätten die Waldbesetzer:innen Gruben, Barrikaden, Hütten und Baumhäuser errichtet, sagte Müller. Die Holz-Konstruktionen seien teilweise mit Nägeln und Seilen verbunden. „Jedes Gebilde birgt eine eigene Gefahr“, ergänzte Erik Hessenmüller, der den Einsatz vorbereitet hat.
Hessenmüller leitete auch den Abschlusseinsatz der Polizei im Dannenröder Forst in Nordhessen im Jahr 2020. Der Einsatz dauerte insgesamt 69 Tage. Im Fechenheimer Wald soll der Einsatz bis spätestens Ende Februar beendet sein. Parallel zur Räumung beginne die Rodung.

Vier Szenarien der Polizei

Hessenmüller sprach von Parallelen und Unterschieden zur Räumung im Dannenröder Forst. Das Einsatzgebiet in Fechenheim sei mit 230 Meter Länge und bis zu 140 Meter Breite viel kleiner als das Gebiet im Dannenröder Forst - dort sei das Gebiet vier Kilometer lang gewesen. 85 Hektar Fläche im Dannenröder Forst stünden 2,3 Hektar in Fechenheim entgegen.

Auf vier Szenarien habe sich die Polizei vorbereitet, führte er aus: Wenn sich Menschen am Boden aufhielten, würden diese angesprochen und aus dem Wald begleitet oder weggetragen.

In der Folge würden Platzverweise erteilt, Personalien aufgenommen, Kleidung durchsucht. Personen würden gegebenenfalls in Gewahrsam genommen. Der Aufenthalt im Rodungs- und Sperrgebiet stelle eine Ordnungswidrigkeit dar. Wer sich auf dem Boden festgekettet habe, werde vor den polizeilichen Maßnahmen gesundheitlich untersucht. Denn Menschen könnten stundenlang dort gesessen haben. Ein Notarzt sei beim Einsatz dabei.

„Wir nehmen kein Risiko in Kauf“

Wer sich in der Höhe aufhalte, werde ebenfalls angesprochen. Dann komme technisches Gerät wie eine Hebebühne zum Einsatz. Wer in der Höhe angekettet oder angeseilt sei, werde von Spezialkräften aus dem sogenannten Lock-on gelöst. „Das kann mehrere Stunden dauern“, sagte Hessenmüller. „Wir nehmen kein Risiko in Kauf, um den Einsatz schnellstmöglich durchzuführen“, betonte er. Seile würden nicht ohne eine Prüfung durchtrennt. Auch darauf, Personen von dem 40 Meter hohen Monopod herunterzuholen, sei die Polizei vorbereitet.

Er gehe davon aus, dass sich die Mehrheit der Waldbesetzer:innen friedlich verhalten werde. Bei einer kleinen Minderheit sei Gewaltbereitschaft möglich. „Gewalt können und werden wir verhindern“, kündigte Hessenmüller an.

Anders als der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach, der Mitglied der Grünen und für den Einsatz in Lützerath zuständig ist, wollte der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller zum Klimaprotest keine Stellung beziehen. „Dass auch ich möchte, dass der Planet weiterlebt, ist doch selbstverständlich“, sagte er. Parlamentarische und kirchliche Beobachter:innen bekommen unter Polizeibegleitung Zutritt zum Einsatzgebiet.

Beobachter:innen sind zugelassen

Die Presse und Abgeordnete des Landtags und Bundestags können nach vorherigem Treffen auf dem Dach des Parkhauses Borsigallee jederzeit in den Wald; Stadtverordnete und Ortsvorsteher:innen täglich jeweils um 10 und 14 Uhr. In der sogenannten Containerburg befinden sich nach Polizeiangaben Fahrzeuge, die für die Fällarbeiten nötig sind.

Wie eine Sprecherin des Grünflächenamts mitteilte, steht die Fällung von 626 Bäumen im Fechenheimer Wald nicht im Zusammenhang mit dem Autobahnausbau. Bei den Verkehrssicherungsmaßnahmen entlang von A66 in Frankfurt, Killianstädter Straße, Vilbeler Landstraße, Leuchte sowie L3117 und L459 würden absterbende und abgestorbene Bäume gefällt.

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