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Fechenheimer Wald in Frankfurt: Gerichte entscheiden über Eilanträge

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Von: Florian Leclerc

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In Eichen wie dieser könnte der Heldbockkäfer im Fechenheimer Wald leben.
In Eichen wie dieser könnte der Heldbockkäfer im Fechenheimer Wald leben. Foto: Michael Schick © Michael Schick

Die Entscheidung über die Rodung im Fechenheimer Wald steht bevor. Ein Gegengutachten, das vor dem VGH Kassel verhandelt wird, zweifelt das Gutachten der Autobahn-GmbH an.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel (VGH) entscheidet am heutigen Dienstag, ob Teile des Fechenheimer Waldes für den Ausbau der Autobahn 66 gerodet werden dürfen. Der zuständige Senat habe alle Stellungnahmen erhalten und berate sich nun in der Sache, sagte der Sprecher am Montag. Der Bundesverband Naturfreunde will die Rodung per Eilantrag verhindern.

Der VGH muss dabei auch über ein Gegengutachten entscheiden, das Volker Ziesling (Grüne) für die Naturfreunde eingebracht hat. Der Waldexperte ist Sprecher der Initiative „Waldwende jetzt!“. Zudem ist er Stadtrat in Speyer. Er war 38 Jahre lang bei der Landesforstverwaltung, zuletzt als leitender Forstdirektor.

Gegengutachten: Heldbock kann nicht nur in Eichen leben

Ziesling argumentiert gegen das Gutachten, das die Sweco-GmbH im Auftrag der Autobahn-GmbH zum Heldbockkäfer im Fechenheimer Wald erstellt hat. Laut Sweco-Gutachten könnte der streng geschützte Käfer in über 1200 Eichen mit mehr als 60 Zentimeter Durchmesser im Fechenheimer Wald vorkommen. 47 dieser Eichen lägen im Rodungsgebiet. Die Autobahn-GmbH will zwei Baustraßen um diese Eichen herumbauen. Ein weiteres Gutachten im Sommer soll die 1200 Eichen untersuchen, bevor weiter gerodet werden kann.

Ziesling hält dem entgegen, der Heldbock komme seiner Erfahrung nach auch in Eichen mit mehr als 40 Zentimeter „Brusthöhendurchmesser“ vor. Der Heldbock lebe darüber hinaus in anderen Bäumen, etwa in Starkbuchen. Im Fechenheimer Wald seien potenziell alle Laubbäume als Habitat für den Heldbock geeignet, wenn sie 40 Zentimeter oder mehr Durchmesser erreicht hätten, sagte er. „Die Kategorisierung, in welchem Umfang ein Baum als Brutstätte für den Heldbock geeignet ist, ist nicht seriös“, bewertet er das Sweco-Gutachten.

Laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU sei der Heldbock in allen Lebensstadien seiner vier- bis fünfjährigen Entwicklung zu schützen – als Ei, Puppe oder Larve. Eier lege der Heldbock in noch lebenden Bäumen ab. Sollte der Baum im ersten Jahr der Besiedlung sterben, könne der Heldbock seine Entwicklung darin noch abschließen. Sei ein Baum tot, könne der ortstreue Käfer auf Nachbarbäume ausweichen, auch wenn sie weniger als 60 Zentimeter Durchmesser hätten. Eine Zerschneidung des Fechenheimer Walds wirkt sich laut Ziesling schädlich auf die umliegenden Bäume aus. Diese seien höherer Sonneneinstrahlung und damit Hitze ausgesetzt. Der Einsatz von schwerem Gerät verdichte den Boden, so dass weniger Wasser zu den bodennahen Wurzeln fließen könne.

Wurzeln werden durch Fahrzeuge gequetscht

Die bodennahen Wurzeln würden durch Fahrzeuge wie Bagger und Harvester gequetscht und geschädigt. Dieser Stress, zusätzlich zu den Hitzesommern, könne zum Absterben von Bäumen führen. „Die Einschätzung, dass sich der Heldbock trotz Zerschneidung in irgendeinem Bereich des Fechenheimer Waldes etablieren wird, mutet schon fast grotesk an“, so der Umweltschützer.

Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat am Montag einen Eilantrag abgelehnt. Ein Baumbesetzer wollte Zugang zu einem Baumhaus im besetzten Wald erwirken. Das Verwaltungsgericht verwies in seiner Begründung auf das Hessische Waldgesetz.

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