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Eines der aufwendigsten Projekte der Eastside-Stipendiaten – hier (von links) Firdaons, Hazar, Alex und Umut – war die Neubemalung des großen „Euro“-Zeichens im Vorgarten von Daniela Birkenfeld.

Fechenheim

Fechenheim: Stipendium fördert grenzenlose Kreativität

Der Verein Polymer-FM erhält von der Stadt Frankfurt 21 000 Euro. Mit dem Geld will der Vorstand sein größtes Projekt fördern: Das Eastside-Stipendium, das Jugendliche im Frankfurter Osten erhalten, die sich für Kunst interessieren.

Ein Jahr ist es her, dass die Römer-Koalition aus CDU, Grünen und SPD auf Anregung des Fechenheimer SPD-Stadtverordneten Jan Klingelhöfer beantragte, dem Verein Polymer-FM für seine Projekte aus dem städtischen Haushalt 21 000 Euro zur Verfügung zu stellen. Nun ist es im Haushalt für 2019 freigeben, das Geld steht zur Verfügung.

„Es ist das erste Mal, dass wir in dieser Form von der Stadt unterstützt werden“, sagt die Vereinsvorsitzende, Sabine Lauer, erfreut beim Besuch Kingelhöfers im „Eastside Atelier“, den Räumen des Vereins in Alt-Fechenheim 132.

„Wir haben beschlossen, das Geld in unser größtes Projekt zu stecken: Das Eastside-Stipendium“, erklärt Lauer. „Wir brauchen immer lange, bis wir das Geld für die nächste Stipendiaten-Generation zusammen haben. Nun können wir einfach mal arbeiten, ohne zu schauen: Wo kommt das Geld her?“ Die Stipendien gibt es, seit der Verein 2010 ins Leben gerufen wurde.

Vergeben wird das Stipendium an Jugendliche aus dem Frankfurter Osten, die sich für Kunst interessieren. „Mitbringen müssen sie nur Lust an der Kreativität“, erklärt Lauer. Ein Jahr lang arbeiten sie dann vorrangig unter ihrer Leitung. Im Mittelpunkt steht ein bestimmtes Thema.

„Unser nächstes Thema ist ,Zerstörung – Lust und Frust‘.“ Gewählt habe es der Verein, weil vieles zerstört wird. „Es gibt die unterschiedlichsten Gründe. Aber welche sind das? Dem wollen wir künstlerisch auf den Grund gehen.“ Neben mutwilligen Zerstörungen – auch Polymer-FM-Projekte waren schon davon betroffen, etwa weil Bilder im Stadtteil zerschnitten oder mit Graffiti-“Tags“ beschmiert wurden -, kann die Zerstörung des eigenen Werkes ja auch Teil des Schaffensprozesses sein, erklärt Lauer.

Ideen, wie das künstlerisch umgesetzt werden könnte, sei etwa die Bemalung einer Mauer. „Oder die Stipendiaten stellen ein Kunstwerk her – und andere zerstören es. So ist man gleichzeitig Opfer und Täter.“ Am Ende entscheiden die Stipendiaten aber selbst, wie sie das Thema umsetzen.

Die Bewerbungsphase für die neue Staffel sei abgelaufen, im Laufe des Januars stellen sich die Bewerber vor, aus denen der Verein sieben oder acht Teilnehmer auswählt. „Wir begleiten sie, bis sie ein Ziel erreicht, ein Kunstwerk vollendet haben.“ Damit das Stipendium einen positiven Abschluss für jeden hat. Meist sind sie einmal im Monat im Eastside-Atelier. „Alles wird für sie gestellt – sie bringen nur etwas für das gemeinsame Essen mit“, sagt Sabine Lauer.

Ein besonderes Projekt machten die damaligen Stipendiaten im Sommer 2018: Im Vorgarten von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) steht einer jener fast zwei Meter großen Euro-Taler, mit denen die EU einst für die neue Währung warb. „Sie ist unsere Schirmherrin und fragte, ob es etwas für die Stipendiaten sei, ihn neu zu gestalten – und die waren begeistert.“ Zusätzlich zu ihrem eigentlichen Projekt gestalteten sie eine Woche lang den Euro neu.

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