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Tine Göllner.

Interview

„Vor Verfall schützen“

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Architektin Tine Göllner spricht über den besonderen Stadtteil Fechenheim.

Die Diplomarchitektin und gelernte Bauzeichnerin hat sich auf Altbauinstandsetzung und Denkmalpflege spezialisiert. Seit 2006 ist sie selbstständig. Als Stadtteilarchitektin von Fechenheim ist sie seit 2015 Vermittlerin zwischen Eigentümern schützenswerter Bestandshäuser und der Stadt, die in den „Aktiven Kernbereichen“ Modernisierungen fördert. Unter dem Motto „Ich will zu Hause alt werden!“ gibt sie am Dienstag, 28. Mai, beim Frühstück im Seniorencafé Tipps zum geförderten barrierefreien Umbau. Beginn: 9.30 Uhr im Begegnungszentrum, Alt-Fechenheim 89. Das Frühstück selbst beginnt um 9 Uhr und kostet fünf Euro. Beratungstermine können unter Telefon 58 60 70 08 oder per E-Mail an tinegoellner@architekturbuero-goellner.de vereinbart werden.

Frau Göllner, was macht die Architektur von Fechenheim förderungswürdig?
Mir gefällt, dass viele alte Hofstrukturen noch vorhanden sind und regionale Materialien wie Sand- und Backstein das Ortsbild prägen. Diese sind teilweise als besonders schützenswerte Häuser eingestuft und in der Erhaltungssatzung aufgeführt. Frankfurt fördert energetische Sanierungen im gesamten Stadtgebiet über das Modernisierungsprogramm, im Kernbereich von Fechenheim darf ich eine Erstberatung der Eigentümer vornehmen. Bei vielen Gebäuden ist hier eine Sanierung wünschenswert, etwa um sie vor dem Verfall zu schützen oder sie energetisch auf den aktuellen Stand zu bringen.

Was beinhaltet die Förderung?
Bisher beraten wir vor allem zu energetischen Verbesserungen an Gebäuden: neue Fenster, Heizungen und Wärmedämmung. Die Förderung gilt auch für den Ausbau von Nebengebäuden und Dachgeschossen zu Wohnzwecken und Begrünungen. Umbauten zu Gunsten der Barrierefreiheit mit Rampe oder Treppenlift, breiteren Türen oder bodengleicher Dusche werden ebenfalls unterstützt. Dazu berate ich nächste Woche beim Frühstück im Seniorencafé Fechenheim.

Wie viel der Kosten wird übernommen?
Je höher der energetische Standard wird, desto höher die Förderung. In der Regel liegt sie bei bis zu einem Drittel der förderfähigen Kosten, bei denkmalgeschützten Gebäuden höher, und wird als Darlehen oder Zuschuss gewährt. Bei Einzelmaßnahmen, etwa für einen barrierefreien Umbau, werden Zuschüsse errechnet. Für alle Maßnahmen gilt: Man sollte sich vor dem Umbau an mich oder die Kollegen der Erstberatung wenden.

Warum?
Das Förderprogramm greift nur, wenn vor Ausführung ein Konzept mit dem Stadtplanungsamt der Stadt abgestimmt und genehmigt wurde. Die Erstberatung ist kostenlos. Um auch in den ausführenden Betrieben die Informationen zu dem Förderprogramm zu verbreiten, planen wir in Fechenheim eine Infoveranstaltung für Handwerker. Die Stadt möchte fördern, dass durch ein Team mit Planern, Energieberatern und Handwerkern qualifiziert und nachhaltig saniert wird.

Sie beraten Eigentümer, was raten Sie Mietern?
Mieter sollten sich zunächst an den Eigentümer der Wohnung wenden, da nur sie eine Förderung erhalten. Modernisierungen, etwa der Heizung, reduzieren die Nebenkosten und sind damit auch lukrativ für einen Mieter. Nehmen Eigentümer eine Förderung in Anspruch, verpflichten sie sich über einen Grundbucheintrag, dass die Wohnnutzung erhalten bleibt und die Miete höchstens der des aktuellen Mietpreisspiegels entspricht. Ein Umbau zur Luxuswohnung ist also ausgeschlossen.

Interview: Sophie Vorgrimler

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