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Etwas verloren sitzt er in der Halle, TSG-Vorsitzender Dirk Hagemann hadert mit der ABG-Frankfurt.

Frankfurt-Fechenheim

Vereine in Fechenheim stehen vor Schicksalsjahr

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Noch immer gibt es keine Einigung über die Zukunft des Bürgerhauses an der Pfortenstraße in Fechenheim. TSG und ABG pokern weiter über eine Vertragsverlängerung.

Für die Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Fechenheim und die städtische Wohnbaugesellschaft ABG Holding gilt: Der Beziehungsstatus ist kompliziert. Im kommenden Frühjahr läuft der Erbbaurechtsvertrag für das Bürgerhaus an der Pfortenstraße aus. Das Gebäude gehört der TSG. Vertraglich ist die Saalbau für die Organisation des Bürgerhauses zuständig, Einnahmen kann sie durch die Vermietung der Räumlichkeiten generieren, um Instandhaltung kümmert sich ein Hausmeister.

Den Folgevertrag möchte die TSG nun nicht unterschreiben. Die ABG möchte darin den Staus Quo bewahren. Die TSG möchte das nicht. So könnte eine schmerzhafte Trennung bevorstehen. Leidtragende wären die Mitglieder mehrerer Fechenheimer Vereine und Privatleute, die die Räume derzeit noch anmieten können.

Die meist genutzten Räume im Bürgerhaus sind eine nicht moderne, aber charmante 400 Quadratmeter große Sporthalle mit Bühne im Erdgeschoss und drei 100 bis 150 Quadratmeter große „Clubräume“, teilweise mit Spiegelwänden, auf zwei Etagen verteilt. Die „Bauernstube“ im Untergeschoss sieht so urig aus, wie sie heißt.

Bis vor fünf Jahren wurde eine Gastwirtschaft in einem jetzt brachliegenden Raum betrieben, im Obergeschoss steht eine für den Gastronomen bestimmte Wohnung leer. Für Vereine stehen Umkleideräume und abschließbare Nischen und Abstellräume zur Verfügung.

Das Bürgerhaus.

„Vieles ist in die Jahre gekommen, wichtige Angelegenheiten sind ungeklärt“, klagt TSG-Vorstand Dirk Hagemann. Er ist ratlos. Seit fünf Jahren würde man sich darum bemühen mit der ABG eine Einigung zu finden – bisher erfolglos. Die Kommunikation sei schwierig. „Wir würden gerne wissen, wie es mit der Gastronomie weitergeht, der Raum ist unbrauchbar. Und was mit der leerstehenden Wohnung passieren soll.“ Außerdem würde man die TSG gerne größer als mit einem einzigen Banner am Zaun bewerben.

Vor allem aber, findet Hagemann, sei am Gebäude einiges im Argen. „Geheizt wurde zuletzt mit einer Ersatzheizung, es gibt viele Klagen über die Technik“, zählt er auf. „Die Umkleideräume liegen so ungünstig, dass die Sportler immer durch den Trainingsraum der anderen durchlaufen müssen.“ Eine Zumutung, die der Vorstand des Sportvereins vertraglich nicht verlängern möchte.

ABG-Vorstand Frank Junker ist auf Nachfrage der FR zu keiner Stellungnahme bereit. Er lässt ausrichten, dem vorigen Gespräch gebe es nichts Neues hinzuzufügen. 2017 sagte er unserer Zeitung, das Haus sei in einem guten Zustand, und dass er auf Annäherung hoffe. Auch die TSG wünscht sich Einigung und weitere Zusammenarbeit mit der Saalbau – unter anderen Bedingungen. Andernfalls ist in elf Monaten Schluss.

„Ich habe nur grobe Zahlen, was der Unterhalt des Gebäudes kosten könnte“, sagt Hagemann und deutet einen jährlichen Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich an. „Die gesamte Organisation zu übernehmen und das Gebäude zu sanieren, das kann sich der Sportverein keinesfalls leisten“, ist der Vorstand, der sein Amt seit 2010 ehrenamtlich ausübt, sicher.

Fast alle der mehr als 600 Vereinsmitglieder nutzen das Gebäude regelmäßig: zu Leichtathletik, Karate, Tanzen, Kinderturnen, Yoga, Fitness. Außerdem zwei Karnevalsvereine, der Schachverein und die Kegler. Privatpersonen und Initiativen mieten die Räume für Veranstaltungen von Vorträgen bis Hochzeiten an. Von den Nutzern, mit denen er in Kontakt ist, bekomme Hagemann volle Rückendeckung. „Dass hier was gemacht werden muss, darüber sind sich alle einig. Es gibt ja auch keine Alternative.“ Die Schulsporthallen seien in der ganzen Stadt nahezu ausgebucht.

Auch bei der Sitzung des Ortsbeirat wurde unlängst wieder über das Bürgerhaus diskutiert. Es wäre eine Katastrophe für die Fechenheimer Vereine, hieß es, würde es wegfallen. In einem Magistratsbericht aus August heißt es, dass der Umbau – dort ist die Rede von 200 000 Euro – grundsätzlich mit Sportfördermitteln bezuschusst werden kann. Zuletzt hat sich der Ortsbeirat erneut mit einem Brief an das Dezernat Planen und Wohnen gewandt, mit der Bitte, eine baldige Einigung herbeizuführen.

„Um Fechenheim 1928 zur Eingemeindung zu gewinnen“, weiß Dirk Hagemann zu berichten, habe die Stadt Frankfurt drei große Versprechen gemacht: Eine Straßenbahn, ein Schwimmbad und eine Stadthalle. Mit diesem Argument sei vor Jahrzehnten die Abmachung mit der Saalbau geschlossen worden, sich um das Bürgerhaus zu kümmern. Dieses Versprechen müsse auch heute gelten, findet Hagemann.

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