1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Fechenheim

Streit um Unterkunft für Obdachlose an der Mainkur

Erstellt:

Von: Fabian Böker

Kommentare

Nachbarn und Nachbarinnen der Einrichtung berichten von Pöbeleien und Beschimpfungen.
Nachbarn und Nachbarinnen der Einrichtung berichten von Pöbeleien und Beschimpfungen. © Peter Jülich

Anwohnende der Fechenheimer Übergangsunterkunft fühlen sich von Wohnsitzlosen gestört. Der Träger, der evangelische Verein für Wohnraumhilfe, prüft Verlegung des Eingangs.

Martin Semmler will vor allem eins: Ruhe. Die findet er an viel zu vielen Tagen und vor allem Abenden und Nächten nicht rund um sein Haus am Bahnhof Mainkur. Das liegt an einzelnen Bewohnern der nahe gelegenen Übergangsunterkunft für wohnungslose Menschen, in der auch Menschen aus der Drogenhilfe unterkommen. Gerade letztere sind es, die immer wieder für Probleme sorgen. Doch Lösungen scheinen in Sicht zu sein.

Semmler will noch etwas anderes: seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Er heißt eigentlich anders. Auch seine Nachbarn berichten anonym von Vorfällen der vergangenen Wochen und Monate. Von lautstarken Pöbeleien, Beleidigungen, Nachstellungen. Oftmals wurde in aller Öffentlichkeit uriniert oder – unappetitliche Fotos belegen das – ein großes Geschäft verrichtet. Letzteres auch gerne auf den Privatparkplätzen der Anwohnenden.

Semmler erinnert sich auch an eine konkrete Situation. Er sei in seinem Haus gewesen. „Erst hat eine laute Stimme draußen permanent meinen Namen gerufen, den er vom Klingelschild abgelesen hat. Dann klingelte es und die Person bettelte um Geld.“ Und das mitten in der Nacht.

In einer anderen Nacht trat ein Bewohner die Außenspiegel fast aller in der Straße In der Mainkur geparkten Fahrzeuge ab.

Semmler und den anderen ist zudem eine weitere Sache wichtig: Sie haben weder ein Problem mit der Einrichtung an sich noch damit, dass dort auch Menschen untergebracht sind, die nicht einfach sind. Ganz im Gegenteil: „Die Hilfe, die dort geleistet wird, ist alternativlos“, sagt Ibrahim Kurduz, der den Begriff „nahegelegene Unterkunft“ nicht besser definieren könnte: Er wohnt wirklich direkt daneben.

Und daher war er auch überrascht, als die Container-Anlage 2016 errichtet wurde, „ohne dass wir vorher informiert wurden“. Damals war es eine reine Geflüchteten-Unterkunft, „und es gab eigentlich keine Probleme“, so Martin Semmler. „Manchmal hat jemand zu für uns ungewohnten Uhrzeiten lauter telefoniert, das war es.“ Man sei oft mit den Bewohnern und Bewohnerinnen ins Gespräch gekommen, die Atmosphäre sei freundlich gewesen.

Dann kam das Jahr 2021 – und zusätzlich zu den Geflüchteten zogen auch Obdachlose in die Unterkunft. Darüber wurde ebenfalls niemand informiert.

Nun begannen die Probleme, wobei Semmler, Kurduz und die anderen betonen, dass es sich bei den Verursachern immer nur um einzelne Personen gehandelt habe. Gegen die, die die Spiegel abgetreten hatte, wurde Anzeige erstattet; der Träger der Einrichtung verwies sie der Anlage. Das nennt Heinz Gonther dann auch als einen Beleg dafür, dass man seitens des evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe die Vorwürfe ernst nehme. Der Geschäftsführer verweist zudem auf die Sozialbetreuung, die es unter der Woche täglich von 9 bis 17 Uhr gebe, und auf die Wachpersonen, die außerhalb dieser Zeiten Dienst tun.

Von diesen können die Anwohner:innen nichts Positives berichten, „man sieht sie fast nie, sie greifen selten ein“, sagt Semmler. Er sieht aber auch Fortschritte: Bei einem ersten Gespräch mit dem Träger habe man Lösungsansätze diskutiert. Einer könnte sein, den Eingang von der Straße In der Mainkur auf die andere Seite auf die Hanauer Landstraße zu verlegen. Dann würden die Bewohner:innen nicht durch das kleine Wohngebiet müssen. Der Verein prüft es gerade. In rund vier Wochen werde man sich wieder zusammensetzen.

Die Einrichtung des evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe liegt an der Hanauer Landstraße.
Die Einrichtung des evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe liegt an der Hanauer Landstraße. © Peter Jülich

Auch interessant

Kommentare