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Die Schimmelstute Jenny ist oft allein in Fechenheim unterwegs, wie hier.
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Die Schimmelstute Jenny ist oft allein in Fechenheim unterwegs, wie hier

Fechenheim

Schimmelstute Jenny hat Krebs

  • VonSabine Schramek
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Die Schimmelstute Jenny, die weltweit bekannt ist, weil sie seit vielen Jahren allein durch den Frankfurter Stadtteil Fechenheim spazieren geht, hat Krebs. Jetzt muss das berühmte Pferd regelmäßig zur Behandlung nach Hannover.

Die Schimmelstute Jenny, die weltweit durch die Medien bekannt ist, weil sie seit vielen Jahren täglich allein durch Fechenheim spazieren geht, hat Krebs. Die Tumore des 26 Jahre alten Pferdes seien inoperabel, sagen ihre Besitzer Anne und Werner Weischedl.

Schimmelmelanom heißt die Krebsart, die 60 bis 80 Prozent aller weißen Pferde befällt. Forscher gehen davon aus, dass ein sogenanntes Grau-Gen, das Schimmel in sich tragen, die Ursache ist. Schimmel kommen mit dunklem Fell zur Welt und werden erst später weiß. „Wir fahren jetzt alle zwei Wochen nach Hannover“, sagt Werner Weischedel.

Damit Jenny dort behandelt werden kann, hat er extra einen Transportwagen für 100 000 Euro für sie gekauft. „Wir haben alles zusammengekratzt, aber es ist doch unsere Jenny und sie kann gut und gerne noch neun Jahre leben“, ist er hoffnungsvoll. „Jenny darf nicht sterben und das Geruckel in einem Hänger wollen wir ihr nicht antun. Das sind jedes Mal 700 Kilometer Strecke hin- und zurück.“

An der Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover wird seit 2015 die Wirksamkeit eines Melanom-Vakzins untersucht, das in den USA bereits für Hunde zugelassen ist und bei Pferden gute Ergebnisse zeigt. „Jenny ist jetzt auch in der Studie. Die Behandlung hält eindeutig den Krebs auf. Das sehen wir an den anderen Pferden, die an der Studie schon seit Jahren teilnehmen“, erklärt Weischedel.

Früher hatte Jenny noch Weggefährten. Die Schimmelstute Charlie ist vor fünf Jahren am Schimmelkarzinom gestorben, die weiße Schäferhündin Eva vor drei Jahren. Die ebenfalls weiße Schäferhündin Evita mussten Weischedels letztes Jahr im Alter von 14 Jahren einschläfern lassen. Als alle noch lebten, waren sie wie eine weiße Karawane in Fechenheim unterwegs. Anne und Werner Weischedel hoch zu Ross, die Hunde mit dabei. Jetzt lebt noch der winzige zahnlose Rehpinscher Chico bei ihnen, Katzen Hühner, Tauben, Kanarienvögeln und verletzte Greifvögel, die Weischedel liebevoll aufpäppelt.

Zwischen Orangenbäumen, Palmen, Feigenbäumen und bunten Blumen wuseln und flattern rund 100 Tiere bei dem Ehepaar herum. „Wir lieben Tiere. Jedes einzelne von ihnen“, sagt der Mann mit Zopf, der ehrenamtlich für die Jagd, Fischerei, die Fledermäuse, den Landschaftsschutz und als Feldschütz am Mainbogen tätig ist. „Und Jenny lieben wir ganz besonders.“

Um die enormen Kosten für die Behandlung von Jenny stemmen zu können, schränkt sich das Ehepaar selbst stark ein. „Jenny macht jedem Fan Freude, das soll noch ganz lange so bleiben“, wünscht sich der Mann. Allein auf Google finden sich auf Deutsch und Englisch mehr als 114 Millionen Einträge über sie.

„Irgendwie bekommen wir das hin. Sie hat keine Schmerzen und das lässt uns hoffen.“ Momentan muss Jenny alle zwei Wochen nach Hannover. Wenn die Therapie anschlägt, verlängert sich der Zeitraum auf alle sechs Wochen. „Die Pferde, die wir in Hannover gesehen haben, wären alle längst tot ohne die Studie. Die Pferde kommen aus ganz Deutschland, einige sind schon seit Jahren in Behandlung und leben glücklich und zufrieden weiter, weil der Krebs gestoppt wurde“, erzählt er.

Ein Spendenkonto will Weischedel nicht einrichten, obwohl auf Facebook schon sehr viele Leute danach fragen. „Jenny ist kein Verein, sondern ein wundervoller Teil unserer Familie“, so ihr Besitzer. „Wir brauchen unsere Kraft für Jenny, stecken sie nicht in bürokratische Vorgänge. Das ist doch viel zu kompliziert“.

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