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Das Team der Schiedsrichter (in gelb) gegen ASB United Nied 2, ein Team aus Geflüchteten.

Fechenheim

Schiedsrichter kicken mit in Fechenheim

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Beim integrativen Fußballturnier in der Fabriksporthalle steht Fairplay im Fokus. Die Schiris haben ein eigenes Team gestellt.

Laut geht es zu beim Integrativen Fußballturnier am Samstag in der Fabriksporthalle, aber fair. Während der Ball übers Parkett rollt, gehen einige Sportler außerhalb des Spielfeldes emotional mit. Über vergebene Chancen regt sich der eine oder andere Akteur auf. Doch die Gegenspieler bleiben untereinander ruhig. Nach einem harten Einsteigen eines Gegners geht der Blick des Ballführenden zum Unparteiischen, der in diesem Moment pfeift. Gelassen wird die Entscheidung von allen hingenommen.

Zum sechsten Mal haben der Sportkreis und die Schiedsrichtervereinigung zum Fußball spielen eingeladen. „Die ersten fünf Turniere seit 2015 haben wir nur mit und für Flüchtlinge gemacht“, berichtet Haci Hacioglu, stellvertretender Sportkreis-Vorsitzender und Mitglied der Schiedsrichter-Vereinigung. Unter den acht Teams sind in diesem Jahr erstmals auch zwei von den Praunheimer Werkstätten sowie von der Schiedsrichter-Vereinigung. „Wir wollen zeigen, dass auch Schiris Fußballer sind“, sagt Hacioglu.

Dazu gibt es gemischte Teams aus Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten vom Arbeiter-Samariter-Bund aus Nied und von einer Unterkunft aus Bad Vilbel. „Es spielen immer noch etliche Leute mit Flüchtlings-Status mit, die Funktionen in Vereinen und Fußball-Projekten übernommen haben“, sagt Thomas Kimmig, Sportkoordinator vom Sportkreis, der per Mikrofon den Hallensprecher mimt und Ergebnisse durchsagt. Der 26-jährige Amir, der erst vor drei Monaten aus Teheran nach Frankfurt gekommen ist, spielt bereits als Stürmer beim Sportverein Blau-Gelb. In der Halle hütet er das Tor. „Ich liebe Fußball“, sagt er. In der zweiten iranischen Liga habe er gekickt und will auch hier zukünftig höherklassig spielen.

Freundschaftliches Spiel

Trainer und Betreuer Franz Eberwein von den Praunheimer Werkstätten, der gerade eifrig eine seiner beiden Mannschaften von der Seitenlinie coacht, freut sich über die Einladung zum Turnier. „Leute mit geistigem Handicap sind sonst meistens unter sich“, sagt er. Zwar dürften seine Spieler heute mit einem Mann mehr spielen. Dadurch, so sagt Eberwein, „können wir ein gewisses Niveau anbieten und wollen auch gewinnen“. Elias, einer der Spieler, läuft währenddessen die Seitenlinie auf und ab und freut sich riesig, als ein Tor für die Werkstätten fällt. Schiedsrichter und Torwart Erola Yilmaz, der neben ihm steht, sagt: „Es ist klasse, mit solchen Menschen zu spielen und zu sehen, wie sie sich freuen“.

Nach den letzten Gewalttaten gegen Schiedsrichter bei niedrigklassigen Amateurspielen in der Region gefragt, sagt der 49-Jährige, er habe noch keine derartig schlechten Erfahrungen gesammelt. „Wenn einer schreit, schreie ich zurück“, sagt Yilmaz. Seit zwei Jahrzehnten pfeife er Spiele in ganz Hessen und habe einen Fall wie den in Münster, als ein junger Unparteiischer von einem Spieler per Fausthieb bewusstlos geschlagen wurde, noch nicht erlebt. Auch Schiedsrichter-Vertreter Haci Hacioglu, der selbst pfeift, hält diese Ereignisse für bedauerliche Einzelfälle. „Es ist schade, dass so etwas passiert“, sagt er.

Bei dem Turnier in der Fabriksporthalle sei das sowieso kein Thema, weil ein freundschaftliches Spiel im Vordergrund stehe.

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