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Rodung im Fechenheimer Wald stoppen

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Von: Boris Schlepper

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Der Protest gegen die geplante Baumfällung im Fechenheimer Wald ist groß, auch in den Ortsbeiräten im Osten der Stadt Frankfurt.
Der Protest gegen die geplante Baumfällung im Fechenheimer Wald ist groß, auch in den Ortsbeiräten im Osten der Stadt Frankfurt. © Christoph Boeckheler

Die Ortsbeiräte im Osten der Stadt Frankfurt wollen die geplante Rodung im Fechenheimer Wald für den Bau des Riederwaldtunnels stoppen. Sie fordern ein Moratorium, um die Natur zu erhalten. Sorgen bereitet ihnen auch die Folgen der Baumfällung für den Lärmschutz und das Klima in den östlichen Stadtteilen.

Die geplante Rodung im Fechenheimer Wald für den Bau des Riederwaldtunnels beschäftigt auch den Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend). Die Linken-Fraktion des östlichen Stadtteilparlaments fordert in einem Antrag, dass die im kommenden Monat bevorstehenden Fällarbeiten verhindert werden sollen. Über die Vorlage berät das Gremium in seiner Sitzung am 1. November.

Die Linke will, dass sich die Stadtverordnetenversammlung „geschlossen und öffentlich“ gegen den Bau des Riederwaldtunnels ausspricht, für den der Fechenheimer Wald weichen soll. Von der Bundesregierung soll ein Bau- und Rodungsmoratorium eingefordert werden, um die Bäume in dem Teilstück des Fechenheimer Waldes sowie der Kastanienallee Am Erlenbruch im Riederwald zu erhalten.

Von November an will die Autobahn-Gesellschaft des Bundes Teile des Fechenheimer Waldes roden lassen. Im Wald soll eine Baustraße für den Ausbau der Autobahn 66 entstehen. Die zu rodende Fläche ist 70 bis 140 Meter breit und 230 Meter lang. Wie am Dienstag bekannt wurde, wollen Besetzerinnen und Besetzer mit zahlreichen Baumhäusern, Seilkonstruktionen und einem 40 Meter hohen Gestell die Rodung des Fechenheimer Waldes blockieren (die FR berichtete).

Der Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald ist ein seltener Waldtyp und stellt einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tiere da, unter anderem den geschützten Heldbock-Käfer und die Bechsteinfledermaus. Gruppierungen wie die Initiative „Wald statt Asphalt“, die Bürgerinitiative Riederwald, das Aktionsbündnis „Unmenschliche Autobahn“ und „Scientists für Future“ fordern daher ein Moratorium für die Rodung und den Ausbau der A 66. Die Autobahn-GmbH geht dem Vorkommen des Heldbocks nach. Zur Bechsteinfledermaus läuft ein Monitoring.

Der Ausbau

Im Frankfurter Osten soll die Autobahn 66, die derzeit am Hessen-Center endet, bis zur A 661 am Dreieck Erlenbruch ausgebaut werden, um 2,2 Kilometer, die Hälfte davon im sogenannten Riederwaldtunnel. Die Planfeststellung ist abgeschlossen. Gebaut werden soll voraussichtlich bis 2031. Die Kosten liegen derzeit bei geschätzt etwa 600 Millionen Euro.

Der Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) tagt am Dienstag, 1. November, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Straße 24. Neben der geplanten Rodung des Fechenheimer Waldes fordern die Fraktionen unter anderem einen Runden Tisch zur Erweiterung der Uhlandschule sowie eine zeitliche Verlängerung der Herbst-Dippemess, um sie für Schausteller:innen und Standbetreiber:innen lukrativer zu machen. fle / dit

Nach dem Willen der Linken im Ortsbeirat 4 soll der Magistrat ferner „eine Bilanz über die klimatischen und ökologischen Auswirkungen sowie die Rechtssicherheit“ des geplanten Ausbaus der A 66 durch den Tunnel für den Ortsbezirk Ostend / Bornheim erstellen und dem zuständigen Ortsbeirat 4 vorstellen. Der Ausbau der Infrastruktur für den motorisierten Verkehr sei nicht weiter hinnehmbar, heißt es in der Begründung. „Wir müssen der drohenden Vernichtung unserer Lebensgrundlagen durch den Klimawandel entgegenwirken und uns mit allen Kräften dafür einsetzen, bestehende Bäume und Wälder zu erhalten und unseren CO2-Ausstoß zu minimieren.“ Anstelle einer autogerechten Stadtentwicklung müsse der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden, findet die Fraktion.

Der Ausbau der Autobahn werde zu einem höheren Verkehrsaufkommen im Ortsbezirk, speziell in Bornheim, führen und die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner durch Feinstaub und Lärm vermindern, ist die Linke überzeugt. Da es bezüglich des Lärmschutzes an der A 661 aber noch keine Rechtssicherheit gebe, sei „allein aus lärmschutztechnischen Gründen“ von der Rodung der Bäume im Fechenheimer Wald abzusehen.

Auch der Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) spricht sich gegen die Rodung im Wald aus. Als Begründung führt das Gremium an, dass die östlichen Stadtteile des Ortsbezirks zu den wärmsten Gebieten der Stadt gehörten – wegen der vielen versiegelten Flächen. „Ein dringender Ausgleich an Kühlung und Frischluftzufuhr ist erforderlich.“

Die Grünen im Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim) fordern, dass keine Bäume im Fechenheimer Wald gefällt werden sollen, bis die Bechsteinfledermäuse geschützt werde, ebenso der Heldbock-Käfer, und bis die Fragen zum Lärmschutzes an der A 661 geklärt sind. Davon solle abhängen, ob der Riederwaldtunnel überhaupt in Betrieb genommen werden kann. Damit schließen sie sich wie viele der Forderung eines Moratoriums für die Rodung im Fechenheimer Wald an. mit dit

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