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Am Main wird während der Bauarbeiten eine Anlegestelle gebaut.

Fechenheim

Platz für Lurche und Vögel am Mainbogen

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Bis Herbst soll ein Altarm in Frankfurt-Fechenheim durch den Mainbogen führen. Ein zweiter, größerer könnte in einigen Jahren folgen.

Mit einem Spatenstich hat am Montag die Renaturierung des Fechenheimer Mainbogens begonnen – natürlich nur symbolisch, wie Spaziergänger, Radfahrer und Jogger wissen. Schon in den vergangenen vier Wochen hat das Areal eine enorme Veränderung erfahren: Es riecht erdig, viele Spazierwege sind verschwunden – seit Anfang der Woche nun auch der asphaltierte Leinpfad zwischen Fechenheimer Friedhof und Offenbacher Ruderverein. Stattdessen breitet sich eine riesige braune Fläche zwischen Erdhügeln und Baggern aus.

Im kommenden Herbst soll diese braune Fläche viereinhalb Meter tiefer liegen, und gefüllt mit Wasser zum Main gehören – schon jetzt zeigt sich an manchen Stellen das Grundwasser.

Der Plan sieht vor, einen über 600 Meter langen Altarm anzulegen, damit sich Flora und Fauna ausbreiten können. „Hier geben wir der Natur den Main zurück. Es wird ein riesiges Biotop entstehen“, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). „Die Dimension des Projekts ist vergleichbar damit, als vor 30 Jahren das ehemalige Flughafengelände in Bonames renaturiert wurde.“ Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 4,2 Millionen Euro, mit über 70 Prozent wird es vom Land Hessen gefördert.

Altarm am Mainufer

Für den hessischen Main sei das einmalig, denn in ferner Zukunft soll auf den „kleinen Altarm“ ein weiterer folgen: Der „große Altarm“ wird 1,7 Kilometer lang sein und unter der Starkenburger Straße hindurch bis zur Offenbacher Carl-Ulrich-Brücke reichen.

„Wir vermuten, dass hier früher Wasseradern entlangliefen, aber Karten oder Pläne gibt es davon keine“, sagt Rainer Zimmermann vom Umweltamt. „Es soll nichts gepflanzt und keine Tiere ausgesetzt werden – das Gebiet wird der Natur überlassen.“ Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, würden Fische selbst merken, dass sich dort ruhiges Gewässer befinde, das sich zum Laichen eigne. „Im ersten Schritt, als 2015 drei Altwasser nahe der Offenbacher Brücke angelegt wurden, hat das auch funktioniert: Schilf und Röhricht sind ganz von alleine gewachsen.“

Bis sich Tiere im neuen Altarm einrichten können, müssen noch 700 Lastwagen-Ladungen Erde ausgehoben und verschifft werden. „Damit die Bewohner möglichst wenig von der Baustelle gestört werden, wird eine Anlegestelle gebaut“, sagt Christian Fischer von der Planungsgemeinschaft Beierlein und Baumgartner. „Wenn der Aushub trocken ist, wird er zur Deponie Eisert nach Großkrotzenburg gebracht.“

Für die Umweltdezernentin hat die Umgestaltung des Mainbogens zwei wichtige Aspekte. „Zum einen gibt es damit eine neue Fläche um Hochwasser auszugleichen“, sagt Heilig. „Durch den Klimawandel werden wir es öfter mit Starkregen zu tun bekommen.“ Außerdem soll eine für Menschen unzugängliche Insel entstehen, als störfreier Rückzugsort für Tiere. „Wir haben es überall mit Artenrückgang zu tun, deshalb ist das ein wichtiger Schritt. Hier werden sich Frösche, Lurche, Libellen und Insekten und Vögel ansiedeln.“

Auch während der Arbeiten würde eine ökologische Baubegleitung darauf achten, dass bestehende Natur geschützt wird: Bäume tragen einen Schutzmantel, Wiesen sind gesperrt – und der Biberbau bleibt unberührt.

Der Fechenheimer Mainbogen, andernorts auch Offenbacher Mainbogen genannt, ist eine S-förmige Main-Kurve zwischen dem Offenbacher Hafen und der Mainkur.

Der nördliche Teilwird derzeit zugunsten der Natur umgestaltet – ein Altarm wird angelegt. Nach dem Umlegeverfahren soll ab 2022 ein weiterer folgen.

Ein Teildes Mainbogens ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Schon jetzt leben dort zahlreiche Tiere – für die Stadtnähe untypisch haben sich dort etwa Biber angesiedelt.

Die Kosten der Renaturierungvon 4,2 Millionen Euro trägt mit 72 Prozent das Land Hessen, den Rest zahlt die Stadt Frankfurt. svo.

Der Aushub wird per Schiff abtransportiert

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