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Neuer Schutzmann vor Ort wirbt für mehr Respekt

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Von: Friedrich Reinhardt

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Andre Meyer ist der neue Schutzmann vor Ort in Fechenheim.
Andre Meyer ist der neue Schutzmann vor Ort in Fechenheim. © Rüffer

André Meyer ist neuer Schutzmann vor Ort für Fechenheim. Als Oberkommissar arbeitet er schon länger im östlichen Stadtteil. Künftig will er Bindeglied zwischen Bürger und Polizei sein und seine Kollegen entlasten.

Vor der Tür des Polizeipostens liegt ein Mann mit dem Kopf auf der Schwelle, gebettet auf einen dreckigen Stoffbeutel. Der Körper liegt in Embryonalstellung auf dem Gehweg. Graue Haare auf dunkler Haut, zerlumpte Kleider auf mageren Armen und Beinen. „Alles gut bei Ihnen?“. Er schaut auf, mit klarem Blick. Ohne ein Wort wendet er sich gleich wieder ab, legt uninteressiert den Kopf zurück auf die Stufe.

„Wir kennen ihn schon“, sagt Oberkommissar André Meyer, als er aus dem Polizeiposten tritt. Dass da jemand auf der Türschwelle döst, überrascht ihn nicht. Der Mann sehe nur wohnungslos aus. Schon öfter hätten Menschen aus Fechenheim der Polizei gemeldet, dass der Mann betrunken grölt oder pöbelt. Dass er aber auf der Stufe des Polizeipostens liegt, „das ist sein gutes Recht“, sagt Meyer. Eigentlich kein Fall für die Polizei – in seiner neuen Position aber sieht sich Oberkommissar Meyer für den Mann zuständig.

Seit August ist Meyer der neue Fechenheimer Schutzmann vor Ort. Für ihn heißt das, er ist „Kommunikator und Bindeglied zwischen den Bürgern und den Institutionen im Stadtteil und der Polizei“. Meyer ist hochgewachsen, kräftig. Er spricht langsam, mit ruhiger Stimme. Wenn seine Kollegen in einer Tour reden, steht Meyer daneben, hört zu, drängt sich nicht in den Mittelpunkt.

Meyer vergleicht seine neue Aufgabe mit der eines Verkäufers. „Im Schichtdienst hastet jeder von einem Einsatz zum nächsten.“ Die Polizeiarbeit sei wie die eines Dienstleisters, der das abarbeitet, was an ihn herangetragen wird. Der Schutzmann vor Ort sei dagegen eher ein Verkäufer, der für seine Ideen von Sicherheit, Prävention und respektvollen Umgang miteinander wirbt. „Wo Kollegen keine Zeit mehr haben, kann ich sie mir nehmen.“ Meyer besucht Seniorentreffs und spricht über Betrugsmaschen, damit die Damen und Herren nicht darauf hereinfallen, wenn Betrüger anrufen. Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten will er vermitteln, damit die sich nicht aufschaukeln. Und bei Menschen, die durchs soziale Netz rutschen, will er sich bemühen, sie an Hilfsangebote anzukoppeln – so wie den Mann vor dem Polizeiposten. Die Polizei wird durch die Schutzmänner – und Schutzfrauen vor Ort nicht nur bürgernäher. Ihre Arbeit entlastet auch die Kolleginnen und Kollegen in den Revieren und Kommissariaten. Eine Seniorin, die auf einen Betrug nicht hereinfällt, ist ein Betrugsfall weniger, den das Kommissariat bearbeiten muss. Und aus einer Nachbarschaftsstreitigkeit kann eine Körperverletzung werden. So sieht das Meyer. Darum sei der Respekt für Schutzmänner in den vergangenen Jahren auch in der Polizei gewachsen – „besonders bei den jüngeren Kollegen“.

Meyer ist neu auf der Stelle des Schutzmannes vor Ort, in Fechenheim arbeitet er aber schon lange als Polizist. Auch wenn er sich sein Netzwerk noch aufbauen müsse. „Einige kenne ich schon im Stadtteil.“

1998 kam der heute 48 Jahre alte Oberkommissar nach Fechenheim. 1974 ist Meyer in der DDR geboren und in Leipzig aufgewachsen. 1990 zog er mit seiner Familie nach Hessen, die letzten Monate seiner Schulzeit absolvierte er hier.

Unmittelbar nach der Schule ging er im Alter von 17 Jahren zur Polizei. „Ich weiß, das sagen alle, aber ich wollte Menschen helfen und der Polizeijob ist abwechslungsreich.“ Es folgte die Ausbildung in Kassel, Hanau und Wiesbaden. Meyer kam zur Bereitschaftspolizei in Mühlhausen. Er wurde mal in Marburg eingesetzt, mal in Limburg. Dann kam er zum 7. Revier nach Fechenheim und blieb, bis es 2020 mit dem 18. Revier in Bergen-Enkheim zusammengelegt wurde.

Meyer folgt als Schutzmann vor Ort auf Mario Feick. Er war seit Februar 2021 auf dem Posten. „Er hatte wegen der Pandemie nie die Chance, richtig in die Aufgabe hereinzukommen, es war ja alles geschlossen“, sagt Meyer. Er wolle dagegen länger bleiben. Arbeit gibt es genug – nicht nur auf der Türschwelle des Polizeipostens.

André Meyer wird beim Fischerfest am heutigen Samstag, 3. September, von 11 bis 18 Uhr an einem Stand in der Ankergasse zugegen sein. Bei Anliegen ist er unter Telefon 75510762 erreichbar.

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