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Harald Brörken mit einem Teil seiner Konstruktion, die am Dienstag zu Wasser gelassen wird.  

Kunst

Kunstwerk für den Fechenheimer Main

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Bildhauer Harald Brörken hat ein „Wellenpendel“ für das Flussufer entworfen. Am Dienstag wird die Konstruktion installiert.

Sobald ein Schiff vorbeifährt, soll es von der Bugwelle in Bewegung versetzt werden: das zwölf Meter lange Kunstwerk von Harald Brörken. Die Konstruktion aus Pontons und beweglichen Stangen, Wellenpendel genannt, wird am Dienstag feierlich am Fechenheimer Mainufer installiert.

Im vergangenen Jahr bewarb sich der Künstler für „Quartier machen“, ein Projekt der Initiative „Radar – Kreativräume für Frankfurt“, das Kreativen bis Ende des vergangenen Jahres die Möglichkeit bot, leerstehende Ladenflächen temporär zu nutzen. So sollten im Auftrag des Planungsamtes Stadtteilzentren wiederbelebt werden. Brörken kam in der Leinwebergasse unter.

Dicke und dünne, neue und alte Bücher stapeln sich in seinem Atelier. Sie behandeln Prunkschiffe und die Industriegeschichte des Wassers. An den Wände hängen schwarz-weiß Aufnahmen. Kopien alter Bilder aus den Archiven des Instituts für Stadtgeschichte und vom Heimat- und Geschichtsverein Fechenheim, die das Mainufer durch die Zeit zeigen: Fischer und ihre Boote, das ehemalige Fechenheimer Mainschwimmbad, den Bau der Straßenbahn. Der Bildhauer und Produktdesigner hat sich eingehend mit dem Ort beschäftigt, für den er die Installation entworfen hat. Geografisch, architektonisch, historisch, strukturell.

Eine Glasfront gibt den Blick aus dem Atelier auf Kastanien im Innenhof frei. Die Gäste des angrenzenden, nach dem Baum benannten Restaurants haben freien Blick auf Skizzen und Modelle. Eines davon besteht noch aus vielen Einzelteilen, die ihren letzten Schliff und ein wenig rote Farbe verpasst bekommen. In wenigen Tagen werden sie – nach einer Generalprobe – zusammengefügt im Main verankert.

Pendel noch nicht ausprobiert

„Ausprobiert habe ich die Pendel noch nicht“, sagt Brörken. Dass es funktioniert, sagen ihm seine Berechnungen: Die Kubikliter der Schwimmkörper – auf den Kopf gedrehte Pyramiden aus gefalzten Kunststoff-Doppelstegplatten – und das Hebelgesetz der knapp zwei Meter langen Aluminiumstangen bilden eine zwölf Meter lange Schlange, die auf vorbeiziehende Schiffe reagiert. Im Ruhezustand pendeln sich die neun Stangen mit roten Köpfe senkrecht ein, die Wellen der Schiffe bringen sie zum Schwingen. Installiert werden soll das Wellenpendel auf halber Strecke zwischen den Haltestellen Alt-Fechenheim und Arthur- von-Weinberg-Steg. Vor der Bucht mit den Betonsteinsitzen kann den spielerischen Bewegungen zirka zwei Wochen lang zugesehen werden.

Eigentlich war alles anders geplant, doch der trockene Sommer im vergangenen Jahr hat einen Strich durch Brörkens Berechnungen gemacht. „Als ich das Atelier im Mai 2018 bezog, wollte ich eigentlich die Energie der Mainströmung in Bewegung umsetzen“, führt er mit einem Minimodell aus dem 3D-Drucker vor. Aufgrund ausbleibender Niederschläge habe die Strömung im Laufe des vergangenen Sommers zu sehr abgenommen. „Um die Schifffahrt zu sichern, läuft der Main durch Staustufen und Stauseen zwar nicht leer“, erklärt er. Für die Bewegung des Schwimmkörpers reichte es nicht – also erfand er das Wellenpendel.

Das Atelier in der Leinwebergasse hat Brörken inzwischen gemietet. Nach Ablauf der Zwischennutzung im November konnte er den Raum beibehalten.

Das Wellenpendel wird am Dienstag, 20. August, um 19 Uhr zwischen Lappengasse und Haltestelle Alt-Fechenheim zu Wasser gelassen. Infos unter www.broerken.de.

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