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Die Künstlerinnen Dede Handon (links) und Eva Weingärtner sind begeistert von ihrem Atelier in der Orber Straße 24.

Fechenheim

Kunst im Industriegebiet

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Dede Handon und Eva Weingärtner eröffnen Atelier Orbit24 in Fechenheim.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Unten das schmucklose Industriegebiet im Fechenheimer Norden. Oben im achten Stock eine breite Fensterfront, die den Blick aus dem Ausstellungsraum schweifen lässt. An diesem klaren Mittwochmittag reicht die Sicht weit durchs Rhein-Main-Gebiet.

Schon länger nutzen Künstler die Räume des ehemaligen Bürohauses in der Orber Straße 24 als Ateliers. Seit letztem Oktober wird auch das Dachgeschoss bespielt. Die Künstlerinnen Dede Handon und Eva Weingärtner haben auf 131 Quadratmetern ihr „Atelier Orbit24“ eingerichtet. „Wahnsinn, was will man mehr?“, habe sie gedacht, als sie zum ersten Mal die Räume sah und hinausschauen durfte, erinnert sich Handon. „Es war aber auch erschlagend“, fügt sie hinzu.

Denn von Frühling bis Herbst des letzten Jahres musste das Duo die drei Räume mehrere Monate lang renovieren. „Das war alles unheimlich viel Arbeitszeit“, sagt Handon, die mit Fotografie und großformatigen Collagen arbeitet. „Bei 40 Grad haben wir eine dicke Schicht aus Nikotin-Resten von der Decke geschrubbt“, berichtet Weingärtner, die sich der Video- und Performance-Kunst widmet.

Beratung holten sie sich von Architekten, auch Handwerker heuerten sie an. Das meiste hätten sie jedoch selbst gemacht – mit Unterstützung von Freunden. Etwa von der Offenbacher Künstlergruppe „Get Rich“, die die Holzplanken auf dem Balkon verlegt hätten.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit den in dunklem Holz vertäfelten Wänden haben sie den Charme der 70er bewahrt. Glasbausteine erinnern an diese Zeit und eine Bar im Ausstellungsraum wirkt ein wenig wie im Partykeller. Rund 22 000 Euro hat die Renovierung gekostet, die die Künstlerinnen aus dem „Frankfurter Programm zur Förderung des Umbaus leerstehender Räume für Kreative“ erhalten haben.

Vermittelt hat die Räume die „Leerstandsagentur Radar“. Im Auftrag des Stadtplanungs- und des Kulturamtes und in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung suchen die Mitarbeiter seit rund acht Jahren leerstehende Gebäude in der Stadt für Künstler. Eigentümer des Hauses in der Orber Straße sei eine Erbengemeinschaft, die Künstler unterstützen wolle.

Dede Handon und Eva Weingärtner wollen ihre für vorläufig fünf Jahre gemieteten Räume nicht nur als Atelier nutzen, sondern auch Platz für Austausch schaffen. „Es wäre schade, wenn wir sie nur zum Arbeiten nutzten“, sagt Handon. Deshalb öffnen sie ihre Räume auch für Ausstellungen anderer Künstler und laden zu Veranstaltungen ein. Etwa am heutigen Donnerstag, 14. Februar. Dann findet im „Atelier Orbit24“ in der Reihe „Mensch und Universum“ ein Vortrag vom Leiter des Physikalischen Vereins, Bruno Weiss statt. Zeitgleich gibt es eine Ausstellung des Künstlers Stefan Bressel. Beginn ist um 19 Uhr.

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