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Start der Oldtimersaison auf dem Gelände der Klassikstadt.

Fechenheim

Klassikstadt startet in die Saison

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Mehr als 2000 Besucher staunen zum Auftakt über Liebhaber-Fahrzeuge.

Es knattert und brummt, Zebrastreifen sind außer Kraft gesetzt, Geschwindigkeiten erinnern an Actionfilme. Mehr als 2000 Autoliebhaber hat es am vergangen Sonntag in den Norden Fechenheims gezogen, viele sind mit einem ausgefallenen, besonders alten oder seltenen Gefährt angereist. Die Klassikstadt eröffnet mit dem ersten Oldtimertreffen die neue Saison.

„Fast alle sind sie weg gerostet, einer ist noch da – und der hat es bis hierher geschafft“, begrüßt Moderator Bernd Schultz über das Mikrofon ein Fahrzeug und seinen Fahrer bei der Einfahrt auf das Grundstück. Nach einer Extrarunde um das Backsteingebäude wird der zwischen Opel Diplomat V8, Fiat 850 und Jaguar XK 20 auf dem mehr als 20 000 Quadratmeter großen Außengelände einen Parkplatz einnehmen – und wie die meisten Autos im Laufe des Tages auf zahlreiche Fotos gebannt.

Sehen und gesehen werden gilt auch bei den Zweibeinern. Zwischen großem Staunen und cooler Selbstverständlichkeit scheinen sich alle gut zu amüsieren. Die Band „The Honkytones“ unterhält Gäste in Lederjacken im Innenhof vom Balkon aus mit Rockabilly- und Rock’n’Roll-Klassikern. In der Mitte des Platzes lassen sich Besucher mit Pilotbrillen auf Palettenbänken im Sonnenschein Aperol, Craftbier, Muffins oder Würstchen vom Buchenholzgrill schmecken. Manche Tische sind reserviert – nicht auf Namen, auf Kennzeichen.

Auch Herbie darf nicht fehlen.

„Hubraum: Reichlich. PS: Ausreichend“, ist auf einem Infozettel hinter der Frontscheibe eines türkisen Goggomobil T250 zu lesen. „Der ist noch in Alltagsnutzung“, sagt Besitzer Anton Hutter aus der Nähe von Bruchköbel über seinen 1965 gebauten Kleinstwagen mit Wackeldackel hinter der Heckscheibe. „Seine längste Strecke war von hier bis nach Sylt. Eine Steigung von 13 Prozent schafft er noch gut.“

Zwei Jahre habe er zum Restaurieren gebraucht. Ein weiteres Auto will er noch in diesem Jahr fertigstellen – wieder ein „Goggo“, dieses Mal ein Coupé. „Meine Leidenschaft dafür hängt damit zusammen, dass das mein erstes Familienauto war“, erzählt er. Das sei zu einer Zeit gewesen, als es nur darum ging, witterungsunabhängig wohin fahren zu können.

Auf der Rückbank eines schweren schwarz-silbernen Autos, Baujahr 1969, sitzt eine Figur des sowjetischen Politikers Leonid Breschnew. „Der GAZ Tschaika ist ein ehemaliges Regierungsauto“, sagt der Besitzer. Er habe es aus Bulgarien gekauft, früher seien damit hochrangige Besucher vom Flughafen abgeholt worden. Heute kann man es für Sonderfahrten mieten. „Tschaika ist das russische Wort für Möve. Das Motiv findet sich überall in den Details “, zeigt er auf Verzierungen an Seite und Heck des Wagens.

Andere Besucher sind nur zum Gucken gekommen. Sie besuchen Fachvorträge oder lassen sich durch das ehemalige Fabrikgebäude führen, das sich seit 2010 auf vier Etagen Liebhaberautos widmet. „Da müssen wir noch ein bisschen stricken, bis wir uns das leisten können“, heißt es von einer Gruppe aus Dreieich, die von einem Porsche 356 träumt. Das teuerste Auto auf dem Areal ist ein weißer Mercedes SSK aus den 1930ern, dessen Wert weit über einer Million Euro liegt. „Autos sind Kulturgut. Egal ob arm oder reich, das Hobby verbindet“, ist sich der Moderator sicher, dass hierarchielos gefachsimpelt werde.

Bis Oktober findet in der Klassikstadt, Orberstraße 4a, am zweiten Wochenende im Monat der Sonntagstreff statt. Der Innenhof ist besonderen Fahrzeugen vorbehalten, die mit Anekdoten und historischen, technischen oder optischen Details anmoderiert werden.

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