Schautafeln zeigen, wie es vor der Renaturierung ausgesehen hat. Fische, Amphibien, Libellen und Wasservögel haben den neuen Nebenarm des Mains und die neu ausgehobenen Tümpel schon dankbar angenommen.
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Schautafeln zeigen, wie es vor der Renaturierung ausgesehen hat. Fische, Amphibien, Libellen und Wasservögel haben den neuen Nebenarm des Mains und die neu ausgehobenen Tümpel schon dankbar angenommen.

Fechenheim

Der Fechenheimer Mainbogen ist ein Paradies für Mensch und Tier

Die Renaturierung der 90 Hektar großen Auenlandschaft ist in großen Teilen abgeschlossen. Ein neuer Nebenarm fehlt noch.

Ein Graureiher steht entspannt am Ufer und beobachtet das, was immer wieder als kleine Luftblasen auftaucht. Er hat die Qual der Wahl, ob er sich eine Ukelei, ein Rotauge oder einen Döbel zum Nachtisch holt. „Ich habe hier auch schon eine Schildkröte gesehen“, sagt ein Mann begeistert. Gemeinsam mit 19 anderen Fechenheimern geht er mit beim Spaziergang „Wilder Sonntag“ am Wochenende vom Umweltdezernat.

Die Renaturierung des Mainbogens zeigt, wie schnell sich die Natur von ganz alleine regelt. Kanadagänse dösen ungestört am sandigen Ufer voller Muschelkalk, blaue Libellen tanzen über noch nicht aufgeblühten Seerosen. Daniel Göz, Präsident der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft 945, weiß viel über die Fische im Main. 28 Sorten seien im Fluss heimisch. „Was ihnen fehlt, sind Laich- und Ruheplätze“, sagt er und freut sich umso mehr, dass „bereits 72 Stunden nach der Flutung des neuen Nebenarms die ersten drei maintypischen Fischarten ihren Weg ins neue Gewässer gefunden haben.“

Die Biologin und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Eva-Maria Hinrichs von der städtischen Umweltplanung erläutern die Entwicklung des größten Naturschutzprojektes Frankfurts seit der Renaturierung des Alten Flugplatzes in Kalbach/Bonames. Im Januar 2015 fiel der Beschluss, das Gelände am Fechenheimer Mainbogen wieder naturnah zu gestalten. Mit Flussauen für das Überschwemmungsgebiet, Tümpeln und einem neuen Seitenarm für Fauna und Flora. Noch fehlt der auf 1,7 Kilometer Länge geplante Nebenarm, aber die ersten Teile sind bereits fertig.

„Im September 2019 wurden 100 000 Kubikmeter Erde ausgehoben und getrocknet“, sagt Hinrichs. Abtransportiert wurde das Erdreich mit 128 Schiffsladungen, damit keine 9000 Laster durch Fechenheim fahren mussten. „Dieser neue Nebenarm ist 625 Meter lang und bis zu vier Meter tief. Mit einer Wasserfläche von 2,2 Hektar“, fügt Heilig dazu, die voller Begeisterung die sprießenden Uferpflanzen betrachtet. „Das alles ist von ganz allein gekommen“, meint sie und zählt auf: „Spitzwegerich, Luzerne, Blutweiderich, Malven und weiße Kornblumen.“

Dort, wo das Wasser direkt vom Main in den neuen Nebenarm fließt, ist eine 400 Meter lange Insel, die sich völlig selbst überlassen bleibt. Hohe Pappeln, Weiden und dichtes Gebüsch bieten Vögeln ungestörten Rückzug. Auf der einen Seite fahren die Schiffe den Main entlang, auf der anderen Seite werden sie vom Nebenarm geschützt.

Drei neue Gewässer sind so im vergangenen Jahr entstanden. Das Wasser, das sowohl Grund- als auch Mainwasser enthält, ist klar, erste Seerosenpflanzen und Algen breiten sich aus. Nicht weit entfernt steht ein Storchennest auf einem hohen Pfahl. Noch lebt keiner hier. Das könnte sich ändern, sobald sich Frösche und Molche in dem Feuchtgebiet ansiedeln. Eva-Maria Hinrichs steht am leise plätschernden Wasser und blickt zum leeren Nest hinauf. „Da kommen bestimmt wieder Störche. Die Natur entwickelt sich schnell. Wir rechnen damit, dass sich auch Biber ansiedeln werden“, sagt sie.

Dass die Natur schnell ist, kann man an den drei Teichen sehen, die bereits seit 2016 in der Nähe der nach Offenbach führenden Carl-Ulrich-Brücke ausgebaggert wurden. Ein Dickicht aus Rohrschilf, Wasserlinsen und Seerosen bietet perfekte Bedingungen für alles, was am und im Wasser lebt. Frösche quaken mit tiefer Stimme, fette blaue Libellen kreisen über Wasserläufern und Rallen aus der Familie der Kranichvögel verstecken sich im Schilf. Überall platscht es, weil Fische nach Insekten und Algen jagen.

So wie dort sollen sich auch die neuen Gebiete im Mainbogen entwickeln. Eines Tages wird das 90 Hektar große Naturparadies und Naherholungsgebiet fertig sein. Das Umweltdezernat wünscht sich einen noch viel längeren Nebenarm des Mains auf längere Sicht. „Die Planungen laufen für die insgesamt 39 Maßnahmen“, sagt Hinrichs. Auf städtischem Gelände ziehen sich bereits die 700 Meter des neuen Nebenarms. Für die restliche Strecke muss noch viel verhandelt werden, erklärt sie. „Das Gebiet besteht aus etwa 1000 Grundstücken von 134 Eigentümern. Das geht nicht so schnell.“

Das bisher erreichte ist bereits ein Paradies für Pflanzen, Tiere und Menschen. „Erholung pur“, fasst Heilig zusammen. Auch Daniel Göz schwärmt: „Unsere Mainfische haben jetzt endlich Platz, um sich stressfrei auszuruhen und sich zu vermehren. Das ist für das gesamte Ökosystem wichtig und wertvoll.“

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