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„Erotische Akt-Malerei würde ich im Kulturpavillon nicht zeigen“

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Von: Friedrich Reinhardt

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Kulturmagagerin Sabine Lauer in der Ausstellung In Memoriam „In Gedenken an… über den Tod hinaus“, die im Juni im Kulturpavillon zu sehen war.
Kulturmagagerin Sabine Lauer in der Ausstellung In Memoriam „In Gedenken an… über den Tod hinaus“, die im Juni im Kulturpavillon zu sehen war. © Michael Schick

Sabine Lauer vom Verein Polymer FM hat es gewagt, die alte Trauerhalle auf dem Fechenheimer Friedhof in einen Veranstaltungsort umzuwandeln. Mit Erfolg. Die Ausstellungen, die in dem sogenannten Kulturpavillon gezeigt werden, kommen so gut an, dass das Projekt jetzt den Bürgerpreis der Stadt Frankfurt erhalten hat.

Auf dem Fechenheimer Friedhof ist die kleine Totenhalle zum Kunstpavillon geworden. Die Initiative geht auf Sabine Lauer, Kulturmanagerin beim Fechenheimer Kunstverein Polymer FM, zurück. Sie erhielt dafür nun den Bürgerpreis der Stadt Frankfurt. Im Interview spricht sie von dem Wagnis, den Friedhof zu einem Veranstaltungsort zu machen.

Frau Lauer, als Sie die alte Totenhalle auf dem Fechenheimer Friedhof zu einem Kulturpavillon umwandelten, hatten Sie da keine Bedenken, dass ein Trauergefühl gestört wird?

Die Bedenken wegen der Pietät gab es bei uns im Verein, auch das Grünflächenamt, das für Friedhöfe verantwortlich ist, hat danach gefragt. Das habe ich in meinem Konzept berücksichtigt.

Wie sind Sie vorgegangen?

Es ist gut, die Menschen sehr früh einzubinden. Noch während das Konzept entsteht, sollte man darüber sprechen, ob sich andere das auch vorstellen können. Und es ist wichtig, die Gegebenheiten vor Ort mit einzubeziehen. Ein Beispiel: Die beiden Freiflächen vor dem Pavillon, die wir für Konzerte nutzen können, waren nie mit Gräbern belegt. Sonst würde ich dort keine Musik spielen lassen. Auch kommt es darauf an, was für Veranstaltungen man auf dem Friedhof organisiert.

Was geht Ihrer Meinung nach, und was geht nicht?

Erotische Aktmalerei würde ich im Kulturpavillon nicht zeigen. Und wollten wir dort ein Rockkonzert veranstalten, müssten wir ganz feinfühlig sein. Es könnten allenfalls Balladen gespielt werden. Wenn überhaupt. Wahrscheinlich nicht einmal die. Die Künstler müssen wissen, wo sie auftreten, und es gibt Regeln zu beachten. Dazu gehört das leise Reden. Oder dass wir nicht an Tagen öffnen, an denen eine Beerdigung stattfindet.

Sie haben sich in Ausstellungen auch mit dem Umgang mit dem Tod und mit verstorbenen Fechenheimern auseinandergesetzt. Wie haben die Besucherinnen und Besucher reagiert?

In der ersten Personenausstellung hatten wir uns mit Heinz Hauser auseinandergesetzt. Von ihm gibt es ein Gedicht, das beschreibt, wie die Toten die Bäume nähren. Viele fanden das Gedicht ungemein tröstlich.

Die Auseinandersetzung mit einem Verstorbenen kann den Trauerprozess unterstützen. Wie macht die Kunst das?

Zur Person

Sabine Lauer ist Kunstmanagerin und betreibt das Kunstbüro in Fechenheim. Im April 2010 hat sie den Verein PolymerFM gegründet.

Ziel des Vereins ist, Kunst, Kultur und Bildung zu fördern. Dafür werden unter anderem Stipendien vergeben, Ausstellungen organisiert und Kunst im öffentlichen Raum gezeigt. Seit 2021 gibt es den Kulturpavillon auf dem Fechenheimer Friedhof.

Infos unter www.polymerfm.de. bö

In der Ausstellung um den Tod habe ich den Trauerprozess mit Texten und Kunstwerken thematisiert und dem Raum einen sakralen Charakter verliehen. Durch diese Stimmung konnte man sich auf das Thema einlassen. Einige Besucher haben geweint. Wenn ein Hinterbliebener die Dinge eines Verstorbenen aufräumt, sortiert und aussortiert, kommt er dem Verstorbenen noch einmal sehr nahe. Das war auch bei der Auseinandersetzung mit Heinz Hauser so. Menschen aus dem Stadtteil haben Hauser durch seine Texte neu kennengelernt. Dass er Denker, Dichter, Philosoph war, das haben viele nicht gewusst, weil er das nicht nach außen getragen hatte.

War Ihnen klar, dass der Pavillon so positiv angenommen wird?

Ich habe 16 Jahre lang in Thüringen auf einem Friedhof Kunst gemacht, wir haben dort auch Theater gespielt. Würde ich auf dem Fechenheimer Friedhof Kunst zeigen, die mit großem Namen daherkommt, aber nicht im Stadtteil verankert ist, dann würden es die Fechenheimer ganz anders aufnehmen. Aber dass die kritischen Stimmen so leise waren, hat mich auch überrascht.

Woran liegt das?

Ich glaube, das hängt mit dem Gebäude zusammen. Es hat eine positive Ausstrahlung. Wenn Menschen den Spätbiedermeierbau sehen, mögen sie ihn. Viele haben sich gefreut, dass das Gebäude erhalten wird. Hätten wir sämtliche Wände in dem Häuschen abgeschlagen oder die Fassade neu verputzt, dann hätte es einen Teil seines Charmes verloren.

Sie haben angestoßen, dass das Gebäude etwas renoviert wird.

Insgesamt sind in das Gebäude 32 000 Euro geflossen. Davon haben wir 21 000 Euro beigesteuert. Dafür haben wir Geld gesammelt bei Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen, auch der Ortsbeirat hat das Projekt unterstützt.

Was bedeutet es für den Verein, den Bürgerpreis der Stadt Frankfurt erhalten zu haben?

Es ist eine Anerkennung, die zeigt, dass wir in der Stadt wahrgenommen werden. Wir sind der östlichste Stadtteil, wir sind näher an Offenbach als am Römer. Und mit dem Kulturpavillon haben wir etwas, das es in der Stadt sonst nicht gibt.

Interview: Friedrich Reinhardt

Mariia Bykova, Eli Schwarze und Kunst- und Kulturmanagerin Sabine Lauer (v.l.) vom Verein Polymer FM vor den Ausstellungshalle, die einst eine Trauerhalle auf dem Fechenheimer Friedhof war.
Mariia Bykova, Eli Schwarze und Kunst- und Kulturmanagerin Sabine Lauer (v.l.) vom Verein Polymer FM vor den Ausstellungshalle, die einst eine Trauerhalle auf dem Fechenheimer Friedhof war. © Renate Hoyer

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