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Cassella-Brücke entschwebt Stück für Stück

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Von: Friedrich Reinhardt

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Sebastian Löding arbeitet am Rückbau der Cassella-Brücke mit.
Sebastian Löding arbeitet am Rückbau der Cassella-Brücke mit. © Enrico Sauda

Der Abriss des Cassellastegs dauert bis März. Der danach geplante Neubau wird sobald nicht beginnen.

Am Ende der Adam-Opel-Straße legt Sebastian Löding den Blick zum Himmel frei. Auf der Cassellabrücke wirft er die vom Baustaub weiß gefärbte Seilsäge an. Das diamantbesetzte Seil, so dick wie ein kleiner Finger, schlackert in der Luft, bevor es in der schmalen Ritze verschwindet, die die Kette schon in den Beton geschnitten hat. „In einer Sekunde laufen 20 Meter Seil durch die Maschine und den Beton“, erklärt Löding. Sie schneiden den Körper der alten Brücke in Stücke. Am Geländer fangen Planen den Dreck ab, der von der Schnittstelle umherspritzt. Wie Leichentücher bäumen sie sich im Wind.

Anderthalb Stunden dauert es, bis sich das Seil einmal durch den Betonkoloss gefressen hat. Dann hebt der 400-Tonnen-Kran auf der Adam-Opel-Straße das vier Meter lange und 30 Tonnen schwere Brückenstück für den Abtransport auf einen Lastwagen. Seilsäge und Planen wandern weiter. Etwa fünf Teile trennen Löding und seine Kollegen am Tag von der Cassella-Brücke.

Nach 58 Jahren verschwindet mit der Cassella-Brücke das dominante Bauwerk, dass die Straßenecke Adam-Opel- und Leo-Gans-Straße seit 1964 geprägt hat. Für Markus Wittmann, Projektleiter beim Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE), ist der Abriss nichts Besonderes. „Bei solchen Betonbauwerken blutet mir nicht das Herz.“ Anders sei das bei architektonisch interessanten Stahlbrücken. „Spannend wird es, wenn wir im März den Teil über der Hanauer Landstraße abbauen.“ Dabei soll – bis auf einen kurzen Zeitraum – eine Vollsperrung der wichtigsten Einfallsstraße im Frankfurter Osten vermieden werden.

Auch wenn das Ende der Abrissarbeiten an der alten Cassella-Brücke absehbar ist: Wann mit dem Neubau begonnen wird, kann das ASE derzeit nicht sagen. Noch ist die Bauplanung nicht angelaufen. Auch wenn der Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) und die Stadtverordnetenversammlung unlängst den Magistrat aufgefordert haben, den Neubau zu beschleunigen.

Die Problemlage, in der das ASE den Neubau plant, ist komplex. Angefangen beim Allessa-Park: Die Cassella-Brücke führt über diesen Industriepark, der wegen seiner Chemiefabriken den Seveso-III-Richtlinien unterliegt, europäische Sicherheitsnormen, die Chemieunfälle verhindern sollen. Wie beim Abriss muss auch beim Neubau der Industriepark Flächen für die Bauarbeiten zur Verfügung stellen. Darüber müssen sich die Allessa-Gesellschaft und die Stadt einigen. In diesem Herbst rechnet das ASE mit der Einigung. Dann könnten die Planungen ausgeschrieben werden.

Auch muss die Stadt erst Baurecht schaffen. Außerdem werden die barrierefreien Zugänge, „die als Rampen doppelt so lang sein müssen wie die der alten Cassella-Brücke, weitere Betroffenheiten auslösen“, erklärt Michaela Kraft, Leiterin des ASE. Auch müsse der Bau auf die Planungen der Nordmainischen S-Bahn abgestimmt werden.

Die neue Cassella-Brücke soll entlang der Cassellastraße über die Bahnschienen hinaus verlängert werden. Dort entsteht mit der Nordmainischen die S-Bahn-Haltestelle Fechenheim. Sie soll über ein Ergänzungsbauwerk angebunden werden. „Das Baurecht dafür wird über das Planfeststellungsverfahren zur Nordmainischen S-Bahn geschaffen“, erklärt Kraft.

Und dann ist da noch die Eigentümergemeinschaft der Hanauer Landstraße 509-511. Die Brücke wird über Teile ihres Grundstücks verlaufen. Sie hat beim Neubau also ein Wörtchen mitzureden und könnte wenig begeistert sein, dass Fußgänger:innen und Radfahrer:innen künftig auf Höhe der oberen Geschosse in die Wohnungen winken können. Mit der Gemeinschaft möchte das ASE sprechen, wenn die Planungsleistungen vergeben wurden. Bis die Teile der neuen Brücken einschweben, vergehen also noch Jahre.

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