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Gabriele Roth organisiert das Projekt Bildungspaten Fechenheim. Foto: Peter Jülich

Fechenheim

Bildungspaten in Frankfurt: Lachend lernt sich´s besser

Fechenheim Bildungspaten unterstützen Kindern beim Deutschlernen – und suchen Mithelfer

Einmal, erzählt Helga Rautenberg, habe sie mit einem Elfjährigen das Alphabet gelernt, weil er nur das kyrillische kannte. „Da habe ich gesehen, dass er unter jeden Buchstaben etwas drunter schreibt, nämlich wie man ihn ausspricht, also zum Beispiel ‚Be‘ unter B“, sagt sie, immer noch begeistert von der Idee des Jungen. Rautenberg arbeitet ehrenamtlich für die Initiative Bildungspaten Fechenheim, die Schüler mit Migrationshintergrund beim Deutschlernen unterstützt. Was 2012 mit Nachhilfe für ein Kind aus Indien begann, hat sich zu einer Partnerschaft mit der Schule am Mainbogen und der Konrad-Haenisch-Schule entwickelt.

Den Jungen unterrichtet Rautenberg heute nicht mehr – aber Bojan ist für immer in die Geschichte der Initiative eingegangen. Das Alphabet mit Aussprachehilfe gehört mittlerweile fest zu den Unterlagen, die die Bildungspaten nutzen. Das habe Bojan sehr stolz gemacht, erinnert sich Rautenberg und lächelt.

Es ist nur ein Beispiel, wie die Ehrenamtlichen in der Arbeit mit den Kindern selbst dazu lernen. Denn jedes Kind ist anders: Sie sind zwischen neun und 14 Jahren alt, haben verschiedene Bildungsstände und kommen etwa aus Kolumbien, Italien oder Syrien. Ideale Vorgaben für die Hilfe beim Lesen, Sprechen und Schreiben lernen gibt es nicht. Im Zweifelsfall muss man kreativ werden, etwa indem ein Pate unter den Tisch klettert, um die Präposition „unter“ zu verdeutlichen. Hauptsache, es macht Spaß: „Über Lachen kommt man an die Kinder am besten ran“, sagt Helga Rautenberg.

„Man muss den Punkt finden, dass die Kinder Vertrauen finden“, sagt Hannelore Neidel, die sich auch in der Initiative engagiert. Und Rautenberg stimmt zu: „Die kommen ja auch mit Sorgen zu uns, die sie nicht mal ihren Eltern erzählen“.

Darum ist es den Bildungspaten sehr wichtig, dass jedes Kind einen Erwachsenen fest zugeteilt bekommt: Ein Kind, ein Pate, eine Stunde in der Woche, in der man sich in der Schule oder im Café „Cult fee“ zusammensetzt – so die Idee. Um dieses Konzept aufrecht zu erhalten, brauche es mehr Paten, sagt die Koordinatorin der Initiative, Gabriele Roth. Vor allem an der Konrad-Haenisch-Schule fehle es an Ehrenamtlichen. Von 36 Paten seien zur Zeit nur 30 aktiv. „Wir schicken kein Kind nach Hause“, sagt Roth. Aber dass weiterhin auch mal zwei Kinder auf einen Paten kämen, das solle nicht so bleiben. Kinderlieb und weltoffen sollten die Neuzugänge sein, sagt sie, Vorerfahrung sei nicht so wichtig. „Man kann eigentlich gar nichts falsch machen“, sagt Helga Rautenberg.

Ziel der Bildungspaten ist es, den Kindern Mut zu machen. Sie sollen sich trauen, Deutsch zu sprechen und selbstbewusst am Unterricht teilzunehmen. Das Konzept geht auf: Für ihre Arbeit ist die Initiative 2014 mit dem Integrationspreis der Stadt Frankfurt und 2017 mit dem Förderpreis der Anneliese und Heinz Frisch-Stiftung ausgezeichnet worden.

Die InitiativeBildungspaten Fechenheim trifft sich freitags um 15 Uhr im Café „Cult fee“, Alt Fechenheim 80. Mehr Informationen gibt es unter www.bildungspaten-fechenheim.de

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