Bettina Scholz (Mitte), ist beliebt bei den Bewohnern des Heinrich Schleich-Haus.
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Bettina Scholz (Mitte), ist beliebt bei den Bewohnern des Heinrich Schleich-Haus.

Fechenheim

Fechenheim: Eine ausgezeichnete Vertraute

  • Sophie Vorgrimler
    vonSophie Vorgrimler
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Bettina Scholz, Betreuungskraft im Fechenheimer Heinrich-Schleich-Haus, ist beliebt bei den Bewohnern.  Für ihren Einsatz hat sie den Empathie-Preis der AOK Hessen erhalten.

Auf dem Video, das Bettina Scholz von der Feier zeigt, sitzen Senioren im Kreis, trommeln und singen ein Lied. „Das hat Spaß gemacht, war mal ganz was anderes“, sagt eine Bewohnerin des Fechenheimer Heinrich-Schleich-Hauses begeistert. Das Trommeln geübt hat sie im Musikkurs von „Bettina“, wie die Senioren ihre Betreuungskraft rufen.

„Es ist so schön zu sehen, wenn ältere Menschen den Mut haben und zeigen, was sie können“, findet Bettina Scholz. „Dann fällt es den Senioren auch leichter zu akzeptieren, das sie andere Dinge nicht mehr so gut können“, beobachtet sie.

Ihre Chefin Meltem Baskaya, die die Einrichtung des Frankfurter Verbandes leitet, ist voll des Lobes: „Bettina Scholz ist immer so kreativ!“ Die 62-jährige Fechenheimerin musiziert nicht nur mit den Senioren. Sie spielt und treibt auch Sport mit ihnen, bietet Einzelbetreuung und Motivationstraining an. Zudem unternimmt sie Ausflüge, lässt Wunschzettel ausfüllen. So erfährt sie, dass eine Dame gerne Keyboard spielen lernen möchte, berichtet sie.

Für ihr Engagement hat die Mutter von fünf Kindern im Alter von 27 bis 40 Jahren den Empathie-Award der AOK Hessen erhalten. Kein Wunder. Als Bettina Scholz am jenem Nachmittag die geräumige Wohnküche des Pflegeheims betritt, blicken die Bewohner freudig auf. Scholz begrüßt jeden Einzelnen, fasst sie bei den Händen, fragt nach ihrem Befinden, plaudert, kümmert sich. Sie ist die Vertraute. Mit Bettina aufs Foto, na klar! „Ich kann mir keinen sinnvolleren Beruf vorstellen“, sagt Bettina Scholz. Für die Auszeichnung hat die AOK Geschichten aus dem Pflegealltag gesucht, erzählt von Pflegebedürftigen, Verwandten und Kollegen aus der Einrichtung oder dem Pflegedienst. Scholz’ Geschichte wurde von den Geschwistern Susann und Harald Heidrich erzählt.

Jury überzeugt

Ihre Mutter hatte bis vor wenigen Monaten in Scholz’ Gruppe gelebt. Als sie ins Krankenhaus verlegt werden musste, besuchte Scholz sie auch dort, war bis zuletzt an ihrer Seite. „Die Beziehung war liebevoll und intensiv, aber das gelingt ihr mit allen von ihr begleiteten Bewohnern des Heinrich-Schleich-Hauses“, sagen die Geschwister Heidrich über Bettina Scholz.

Die Ausführungen der beiden hatte die dreiköpfige Jury der AOK Hessen überzeugt. Gesucht wurden Vertrauenspersonen, die gut zuhören können, deren Enthusiasmus ansteckend ist. „Bettina Scholz verbringt viel Zeit mit ihren Schützlingen, übernimmt die Sterbebegleitung, geht auf jede Beerdigung – das ist so nicht selbstverständlich“, findet Maximilian Stürz, Leiter des AOK-Beratungscenters im Nordwestzentrum.

„Dass ich nominiert wurde, hat man mir verheimlicht“, bemerkt Scholz lachend. Vor wenigen Jahren hat sich die gelernte Pflegekraft zur Betreuungskraft ausbilden lassen. Im Heinrich-Schleich-Haus werde großer Wert auf Familie und Gemeinschaft gelegt. Mittags wird frisch gekocht und gemeinsam gegessen, regelmäßig gibt es Kaffee-und-Kuchen-Nachmittage.

Nur die Armut der Senioren macht Scholz zu schaffen. „Manchen fehlt das Geld für Socken oder Zahnpasta“, sagt sie. Den Großteil ihres Preisgeldes in Höhe von 1500 Euro hat sie daher für Alltagsgüter der Senioren ausgegeben.

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