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Wirtschaftsclub hält an Petry fest

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Der Wirtschaftsclub will weiterhin, dass die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry nach Frankfurt kommt. Die Gruppe "No Fragida" mobilisiert zur Demonstration.

Ungeachtet des scharfen öffentlichen Protestes hält der Wirtschaftsclub Rhein-Main an seiner Einladung für die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry fest. „Dass der Widerstand gegen den Auftritt jetzt derart eskaliert, ist für mich überraschend und verstörend“, sagte der Präsident des Wirtschaftsclubs, Thomas Kremer, am Donnerstag im Gespräch mit der FR. Der renommierte Unternehmensberater bekräftigte, dass Petry am Donnerstag, 23. März, zu den Mitgliedern des Wirtschaftsclubs sprechen werde. Die AfD gehöre zum demokratischen Spektrum, sagte der Volkswirt, „sie vertritt ein Viertel der Bevölkerung“ fügte er mit Blick auf das AfD-Wahlergebnis von 25 Prozent in Sachsen-Anhalt hinzu. „Bei unserer Veranstaltung haben die Menschen auch Gelegenheit, kritische Fragen anzubringen“, argumentierte Kremer.

Die Vizepräsidentin des Wirtschaftsclubs, Hilke Vogler, nannte es gegenüber der FR „eine Unverschämtheit, uns in eine rechte Ecke zu drängen“. In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation „müssen wir die Ränder anhören“, so die Vizepräsidentin. Sie persönlich würde Petry nie unterstützen, finde es aber wichtig. dass sie sprechen dürfe. „Wir haben früher auch Torsten Schäfer-Gümbel eingeladen“, sagte Vogler.

Das linke Bündnis „No Fragida“ mobilisiert zur Gegendemonstration am 23. März am späten Nachmittag vor dem Veranstaltungsort, der Villa Bonn, Siesmayerstraße 12, im Westend. „Ich bin empört darüber, dass Frauke Petry sich nach Frankfurt traut“, sagte „No Fragida“-Sprecherin Annette Ludwig der FR. Der Auftritt der AfD-Bundesvorsitzenden sei „ein Affront gegen die Menschen in Frankfurt“. Der Wirtschaftsclub müsse die Einladung sofort widerrufen.

Im sozialen Netzwerk Facebook übte am Donnerstagnachmittag auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) scharfe Kritik an dem geplanten Auftritt. „Die ganze Aktion gibt völlig unnötig den Rechtspopulisten eine Plattform und wirft einen Schatten auf die anständigen Frankfurter Unternehmer und unsere liberale Stadt“, so Feldmann, „die konstruktiven Kräfte im Wirtschaftsclub täten gut daran, jetzt ein klares Zeichen zu setzen!“

Ähnlich äußerten sich die Grünen im Römer. „Ich halte es für falsch, Frauke Petry die Gelegenheit zum öffentlichen Auftritt zu geben“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Manuel Stock. Es sei ohnehin schon „sehr verwunderlich, wie viele Auftritte die AfD in Talkshows bekommt“. „Der Auftritt Petrys in Frankfurt ist eine wirkliche Provokation“, urteilte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag, Willi van Ooyen. Die Linke werde sich an den Protesten vor Ort in Frankfurt beteiligen.

Die Frankfurter Jungsozialisten planen für den 23. März eine Mahnwache „gemeinsam mit anderen sozialdemokratischen Gruppen aus Europa“. Juso-Sprecher Lino Leudesdorff verwies darauf, dass dieser Donnerstag ein besonderer Tag sei: „Am 23. März 1933 haben die Nazis das Ermächtigungsgesetz im Reichstag eingebracht.“

Der Wirtschaftsclub berichtete über ungewöhnlich großes Interesse am Auftritt Petrys. „Einige ehemalige Minister wollen kommen, aber auch heutige Stadtverordnete“, sagte der Präsident Thomas Kremer. Unter den 700 Mitgliedern des Wirtschaftsclubs sei das Echo auf die Einladung der AfD-Chefin überwiegend positiv. Allerdings war Stefan Söhngen, der Vorsitzende des Vereins Montagsgesellschaft, aus Protest von seinem Posten im Beirat des Wirtschaftsclubs zurückgetreten.

Wirtschaftsclubpräsident Kremer erklärte, der Widerstand gegen den Auftritt Petrys zeige, „wie weit es mit der Demonstrationskultur in Deutschland gekommen ist“. Der Unternehmensberater, der sich für die FDP engagiert, stufte sich selbst als „eher sozialliberal“ ein.

Der im Jahre 1950 gegründete Wirtschaftsclub gilt weit über die Rhein-Main-Region hinaus als renommierter Zusammenschluss von Unternehmensrepräsentanten. Er verleiht unter anderem den „Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft“.

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