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Die Diskutanten (v. l.): Janine Wissler, Nathalie Schäfer, Maria-Christina Nimmerfroh, Daniel May, Andreas Schwarzkopf.

Hochschule

Wirtschaft stößt auf Vorbehalte

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Studierende konfrontieren Politiker mit ihrem Unbehagen an der Hochschulpolitik.

„Lernfabriken ... meutern“ – der Name ist Programm, als die Initiative am Dienstag Politiker an die Goethe-Universität eingeladen hat, um unter dem Motto „Ist das Wissenschaft, oder kann das weg?“ über Hochschule zu diskutieren. Die Studierenden forderten Daniel May (Grüne), Janine Wissler (Linke) und Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) auf, Stellung zu beziehen. Dabei entspann sich eine Diskussion mit mehr als nur Plattitüden.

Im Namen des Protestbündnisses verlas Sandro Philippi zunächst einiges, das an der Goethe-Uni dringend geändert werden müsse: Verschulung, Verzahnung von Wissenschaft mit Wirtschaft, die Sparpolitik und die Ungerechtigkeit, dass ein elitärer Kreis die Hochschule dominiere und das offensichtlich auch so bleiben solle. Für letzteren Vorwurf gab es für die Veranstalter direkt Gegenwind. Der kam von Daniel May, der als einziger Diskutant an der hessischen Landesregierung beteiligt ist. „Es besteht sehr wohl ein Interesse von Politik und Hochschulen daran, diese für alle zu öffnen“, sagte er. Studierendenvertreterin Nathalie Schäfer konterte: „Von 100 Studierenden sind nur 23 Nicht-Akademikerkinder. Das ist ein Rückgang.“ Das zutiefst ungerechte Bildungssystem greife schon früher, meinte Janine Wissler. „Mit dem mehrgliedrigen Schulsystem werden unterschiedliche Startchancen nicht ausgeglichen, sondern verstärkt.“

Brisanter diskutiert wurde in dem Zusammenhang über den als Grundsicherung für Studierende geltenden Bafögsatz. Fürs Wohnen sind 250 Euro veranschlagt. „Ob der, der das festgesetzt hat, damit mal versucht hat in Frankfurt eine Wohnung zu finden?“, fragte Andreas Schwarzkopf von der Frankfurter Rundschau, der die Podiumsdiskussion moderierte.

Und nicht erst als aus dem Publikum um eine Positionierung zur umstrittenen „Adolf-Messer-Stiftung-Lounge“ auf dem Campus gebeten wurde – der Namensgeber war Mitglied der NSDAP – kam das Thema Drittmittelfinanzierung auf. Der Einbezug der Wirtschaft in Universitäten löse Unbehagen aus, sagte Sandro Philippi. „Anders als vorgegeben, hat das nicht mehr Praxisbezug gebracht, stattdessen ist die Hochschule Marktprozessen unterworfen.“ Die Forschung sei gezwungen, gefällig zu bleiben.

FDP-Frau Maria-Christina Nimmerfroh konnte offensichtlich Sympathisanten gewinnen – nicht nur Janine Wissler wunderte sich, sich der FDP gerade näher zu fühlen als den Grünen. Auch ein Zuhörer stellte die Frage, ob Nimmerfrohs Partei ihre Position denn auch vertrete...

Die Politikerin, selbst an der Goethe-Uni tätig, kritisierte die kurzsichtige Finanzierung. „Kein Wunder, dass sich alle von Befristung zu Befristung und Projekt zu Projekt hangeln.“ Hochschulfinanzierung müsse als Daueraufgabe begriffen werden.

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