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Passt das geplante Studium? Hier an der Goethe-Universität kann das bald ausprobiert werden.

Hochschulen in Hessen

Studium auf Probe

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In Frankfurt und Kassel werden an den Universitäten Orientierungsstudiengänge eingeführt. Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) erhofft sich davon, weniger Studienabbrecher.

Viele Studienanfänger wissen nicht, wohin ihr Weg führen soll. Neue Orientierungsstudiengänge können ihnen ab dem kommenden Jahr weiterhelfen. Sie werden an den Universitäten Frankfurt und Kassel eingeführt. Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) sagte im Hessischen Landtag, dass er sich davon weniger Studienabbrecher und eine „neue Einstiegsmöglichkeit“ ins universitäre System erhoffe. 

Beginn ist im Wintersemester 2019/2020 in den Naturwissenschaften. Zwei Semester lang können sich Studierende zunächst in der Breite orientieren, bevor sie sich für einen Schwerpunkt im Umfang eines normalen Studiums entscheiden. Umgesetzt wird das Konzept in Form von neuen Studiengängen namens „plusMINT“ in Kassel sowie „Natur- und Lebenswissenschaften“ in Frankfurt. 

Ein halbes Jahr später ziehen die Geistes- und Sozialwissenschaften nach, allerdings nur an der Goethe-Universität und mit einer lediglich einsemestrigen Orientierungsphase. Der Name hier: „Humanities“. 

Seit 2013 sind Orientierungsstudiengänge ein erklärtes Ziel der schwarz-grünen Landesregierung, das im Koalitionsvertrag verankert ist. Mit 200 000 Euro hatte das Land bereits die Konzeption unterstützt. Für die zweijährige Pilotphase ab 2019 stellt es weitere 1,7 Millionen Euro bereit. Danach wird entschieden, ob das Angebot beibehalten werden soll. Im Landtag sicherte Rhein zu, dass den Universitäten keine finanzielle Mehrbelastung entstehe: „Da muss niemand Grundmittel in die Hand nehmen.“ 

Bafög wird länger gezahlt

Die Oppositionsfraktionen reagierten überwiegend positiv auf die neuen Studiengänge. Janine Wissler von den Linken warf jedoch die Frage auf, ob für das Orientierungsstudium durchgehend Bafög bezogen werden könne. Schließlich verlängert es die Studiendauer um ein bis zwei Semester, während eine Bafög-Förderung für gewöhnlich auf die Regelstudienzeit begrenzt ist. 

Eine Sprecherin des hessischen Wissenschaftsministeriums sagte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage, dass die vollumfängliche Bafög-Förderung der neuen Studiengänge gewährleistet sei: „Das ist mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung abgestimmt.“ Die Regelstudienzeit würde um die ein bis zwei Orientierungssemester verlängert. Gemeinsam mit dem anschließenden Schwerpunktteil bildeten sie „ein Modell, das integriert ist“. 

Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung brechen rund ein Drittel aller Bachelorstudierenden an Universitäten ihr Studium ab. Im Landtag werden die Ursachen dafür unterschiedlich eingeschätzt. 

Für Daniel May, Hochschulsprecher der Grünen-Fraktion, schaffen Orientierungsstudiengänge Abhilfe, weil Studierende so „erst mal an der Universität ankommen“ und „sich selbst ausprobieren“ können. Karin Wolff von der CDU sagte, dass die Wahl aus über 8000 Bachelorfächern viele Jugendliche überfordere. Zunächst müsse es deshalb darum gehen, grobe Studiengebiete zu definieren. Anschließend könnten sich Studierende „auf Basis stabiler Fachkenntnisse“ spezialisieren. 

Wiebke Knell (FDP) sieht auch Defizite in der Berufsberatung. Orientierungsstudiengänge seien deshalb ein Beitrag zur Senkung der Abbrecherquote, aber „kein Allheilmittel“. Gernot Grumbach, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD, bemängelte hingegen eine zu „verschulte“ gymnasiale Oberstufe. Und für Wissler sind Geldsorgen, überfüllte Uniseminare und „Probleme mit der Studierbarkeit“ Gründe, warum junge Menschen ihr Studium abbrechen.

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